Eine Heulsuse wie von Gott geschaffen

Cristiano Ronaldo wird von vielen bewundert. Und von vielen verachtet. Wieso das so ist, zeigt ein Blick in das Leben des Stürmers, der Portugal in den Viertelfinal gegen Polen führt.

An keinem anderen Fussballer scheiden sich die Geister derart: Cristiano Ronaldo beim Training in Marcoussis. Foto: Michael Sohn (AP)

An keinem anderen Fussballer scheiden sich die Geister derart: Cristiano Ronaldo beim Training in Marcoussis. Foto: Michael Sohn (AP)

Ueli Kägi@ukaegi

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro ist ein ungeplantes Kind, das vierte von Dinis und Dolores. Die Mutter denkt vor der Geburt im Februar 1985 aus ­finanziellen Gründen an Abtreibung.


Ronaldo sagt über seine Mutter: «Sie ist die wichtigste Person in meinem Leben. Sie hat mir alles gegeben, ist in guten und schlechten Zeiten an meiner Seite, hat nie eine Türe zugeschlagen.»


Die Eltern geben dem Buben Ronaldo als zweiten Vornamen – nach dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan.


Auf der Atlantikinsel Madeira, 950 Kilometer entfernt von Portugals Hauptstadt Lissabon, leben viele in Armut. Ronaldos Familie gehörte dazu.


Nach der Heirat sind Dinis und Dolores ins Haus seiner Eltern gezogen. Sie schlafen zu viert in einem Zimmer, getrennt durch einen Vorhang.


Gemäss der Biografie «Cristiano Ronaldo» von Guillem Balagué hat der Spieler von der kapverdischen Ur-Grossmutter auch afrikanische Gene, das erkläre vielleicht Ronaldos Explosivität.


Ronaldos Mutter muss nach dem frühen Tod ihrer Mama und aus wirtschaftlichen Gründen in ein Waisenhaus, darf später aber zum Vater zurück. Mit 13 geht sie von der Schule, um mit dem Flechten von Erntekörben Geld zu verdienen.


Vater Dinis ist ein lebenslustiger Fischhändler, bis er zur Armee muss, um in Afrika für die Kolonien zu kämpfen. Er kehrt als gebrochener Mann zurück und verfällt dem Alkohol, ist aber kein bösartiger, prügelnder Trinker. Der kleine Cristiano fühlt sich seinem Vater nah und holt ihn immer wieder in dessen Lieblingsbar ab, damit sie gemeinsam nach Hause gehen können.


Der Vater hat einmal gesagt: «Ich möchte, dass mein Sohn glücklich und erfolgreich ist. Ich aber will in meiner Welt leben.»


Ronaldo hat einmal gesagt: «Ich mochte meinen Vater wegen seiner Grosszügigkeit und Freundschaft zu all seinen Kindern.» Dinis ist 2006 an den Folgen seines Alkoholkonsums gestorben.


«Dinis hat sich zu Tode getrunken. Und das hat Cristiano zerstört», erzählt Mutter Dolores. Und Dinis hat Ronaldos Versuche, ihm mit Geld und Therapien zu helfen, stets abgelehnt.


Ronaldo trinkt nie – oder «nie öffentlich», wie er einmal sagt. Er hat nie geraucht. Und er hat keine Tattoos, weil er angeblich seine halbjährlichen Blutspenden nicht gefährden will.


Am Tag, an dem sein Vater stirbt, ist Ronaldo mit dem Nationalteam in Russland.


Ronaldo lädt seine Familie und Freunde zum Essen ein, bezahlt Partys, Privatjet-Flüge und Nächte im Fünfstern­hotel. Während er Red Bull trinkt, gibt es für die anderen Champagner für 1500 Franken pro Flasche. «Ich mag es, wenn meine Freunde glücklich sind.»


Einmal organisiert er bei sich eine Geburtstagsparty mit Hauscasino. Die Gäste können die gewonnenen Chips zum Abschied bei ihm in Bares umtauschen.


Seit Sommer 2010 ist Cristiano Vater von Cristiano Jr. Mutter des Kindes soll eine amerikanische Kellnerin sein.


Ronaldo hat volles Sorgerecht. Er soll es der Mutter nach dem amourösen Kurzabenteuer für 11 Millionen Euro abgekauft haben. Inbegriffen sei im Vertrag auch, dass die Mutter anonym bleiben muss.


Cristiano Jr wird gefragt, wer sein Vater ist. Er antwortet: «Der Beste der Welt.»


Ronaldo hat bislang 10 grosse Titel gewonnen, dreimal die Champions League. Er hat in 801 Spielen 547 Tore erzielt und 182 entscheidende Pässe gespielt.


Ronaldo hat einmal eine Vermutung angestellt, weshalb er bei vielen Leuten so unbeliebt ist. Er glaubt: «Weil ich reich, hübsch und ein grosser Spieler bin. Die Leute sind eifersüchtig auf mich.»


Ronaldos erster Clubist Andorinha in Santo Antonio nahe Funchal. Sein Vater ist Zeugwart des Vereins.


Mitspieler nennen Ronaldo anfänglich «die Nudel», weil er so dünn ist. Sie nennen ihn auch «Heulsuse», da er weint, wenn Mitspieler seine Pässe nicht zu Toren nutzen. Und wegen seiner Geschwindigkeit ist er auch «die kleine Biene».


Ronaldos erster Wechselkommt mit 10: Er geht für zwei Sets Trikots und 20 Bälle zu CD Nacional nach Funchal.


Ronaldos Eltern lassen den Buben mit12 Jahren nach Lissabon auf die Fussballakademie von Sporting ziehen.


Ronaldo will unbedingt gehen. Doch als das Flugzeug startet, weint er. «Es war die schwierigste Zeit meines Lebens.»


Ronaldo hat sich auch einmal bei «meinem alten Freund» Albert Fantrau bedankt für seinen Erfolg als Fussballer.


Die Geschichte geht so. Als die Sporting-Scoutskommen, sagen sie: «Wer die meisten Tore erzielt, den nehmen wir.» Es steht 2:0, Ronaldo und Fantrau haben je ein Tor erzielt. Dann passt Fantrau uneigennützig zu Ronaldo, 3:0, fertig. «Danach nahmen sie mich», sagt Ronaldo.


Stimmts? Ja, sagt Fantrau. Er ist arbeitslos, hat aber ein grosses Haus und Autos, es geht ihm finanziell bestens. Wie geht das? «Das alles kommt von Cristiano.»


Im Trainingszentrum von Sporting müssen sie Schlösser anbringen, um ­Ronaldo von nächtlichen Ausflügen in den Kraftraum abzuhalten.


Als ein junger Afrikaner zu Sporting kommt, fehlt ein Bett. Ronaldo bietet seines an. Und schläftauf dem Boden.


Mutter Dolores sagt: «Er ist ein grosser Mann, ein Freund der Familie, von allen. Er hilft gerne. Er hat ein gutes Herz. Dieser Junge ist von Gott gemacht.»


Ronaldo hat in der gleichen Saison für Sportings U-16, U-17, U-18, für die Reserven und für die 1. Mannschaft gespielt. Kurz darauf ist er bei Man United.


Ronaldo 2008: «Ich bin der beste, zweitbeste und drittbesteSpieler der Welt.»


Nach dem Tsunami 2004 fliegt Ronaldo los, um sich vor Ort ein Bild zu machen und Spendengelder zu sprechen.


Ronaldo sagt: «Ich würde gerne mit allen, die mich arrogant finden, zusammensitzen und reden – damit sie sehen können, dass ich gar nicht arrogant bin.»


Ronaldo glaubt, dass er nicht schlecht darin sei, ein Vater zu sein. Es sei das Beste im Leben, ein eigenes Kind zu haben, wie im Traum. «Am Morgen aufwachen und hören ‹Daddy, Daddy›, ich liebe es.»


Marketingexperten vermuten, dass Ronaldo im Jahr rund 30 Millionen Euro mit Werbeverträgen verdient. Sein Vertrag mit Real bringt ihm jährlich mindestens 10 Millionen Euro netto ein. Bei einem Nationalteam-Zusammenzug fordert er einen Teamkollegen auf, sein Vermögen zu erraten. 100 Millionen Euro? 150 Millionen Euro? Nein, 250.


Ronaldo würde Geld bezahlen, um ­unerkannt einkaufen gehen zu können. Oder einen Tee zu trinken.


Es gibt von ihm auf Youtube dieses ­Video, wie er in Madrid Tee trinkt. Und daneben läuft ein Zähler. Kann er öfter einen Schluck nehmen oder muss er häufiger zum Selfie mit Fans lächeln? Das Selfie führt nach kürzester Zeit 17:3.


Ronaldo nimmt sich viel mehr Zeit für Autogramme und Fotos, seit sein Management ihm einen Imageberater zur Seite gestellt hat.


Ronaldo 2014: «In meinem Kopf werde ich immer denken, dass ich der Beste bin.»


Ronaldo kann aus seinem bis 2018 laufenden Vertrag mit Real herausgekauft werden. Für die festgelegte Summe von einer Milliarde Euro.


«Ist heute ein Spiel?», fragte Ronaldo, als er 2009 nach seinem Wechsel zu Real Madrid auf dem Weg ins Bernabéu ist, um dem Publikum vorgestellt zu werden, und er viele Leute sieht. Da ist kein Spiel. Da sind nur er. Und 80'000.


Mit 18 hat Ronaldo seinen Freunden erzählt, dass er Angst habe, die Frauen wollten ihn nur wegen seines Geldes.


Ronaldo hat mehrere Models als Freundin gehabt. Im Januar 2015 beenden er und Irina Shayk ihre Beziehung.


Ronaldos erstes Jahressalär als Junior bei Sporting beträgt 10'000 Euro. Es landet direkt auf dem Familienkonto. Später kauft er mit seinem Geld den Eltern und Geschwistern Häuser und ermöglicht Karrieren. Er will später ein 7-Sterne-Hotel namens «CR7» aufmachen.


Seine Schwester Catia trat als Sängerin Ronalda auf. Und besang ihren Bruder.


Es ist schon öfters vorgekommen, dass Real morgens um 4 Uhr von einem Champions-League-Spiel nach Hause gekommen ist und Ronaldo noch ins Trainingszentrum wollte – für ein Eisbad seiner Beine. Und eine Massage.


Reals früherer Clubarzt Juan Carlos Hernandez hat das so erlebt: «Die anderen wachen dann am nächsten Morgen mit geschwollenen Beinen auf. Ronaldo aber ist so gut wie neu.»

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