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Polizistin filmt heimlich Einsätze für TV-Sendung

Für den Fernsehsender RTL haben eine junge Beamtin und ein Journalisten-Team heimlich Polizisten bei ihrer Arbeit gefilmt. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Unter anderem am Kölner Hauptbahnhof wurden Polizeibeamte heimlich beim Einsatz gefilmt: Polizisten nehmen hier am 31. Juli einen Demonstranten fest.
Unter anderem am Kölner Hauptbahnhof wurden Polizeibeamte heimlich beim Einsatz gefilmt: Polizisten nehmen hier am 31. Juli einen Demonstranten fest.
Guido Kirchner, Keystone

Eine Aktion in wahrer Wallraff-Manier – mit dem feinen Unterschied, dass die Undercover-Informantin hier keine eingeschleuste Reporterin, sondern eine echte Staatsdienerin war. Im Auftrag des deutschen Fernsehsenders RTL hat eine Kölner Polizistin heimlich Video-Mitschnitte ihrer Arbeitseinsätze angefertigt. Zu unfreiwilligen Hauptdarstellern ihrer Videos wurden ahnungslose Arbeitskollegen – sie wussten nichts von den laufenden Kameras.

Die Aktion, laut RTL Teil einer investigativen Recherche über die Arbeitsbedingungen im Polizeialltag, hat jetzt juristische Konsequenzen: Gegen die mittlerweile vom Dienst suspendierte Polizeibeamtin ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verletzung des Verdachts von Privatgeheimnissen. Verfahren eröffnet wurden darüber hinaus auch gegen einen Kameramann und eine Filmemacherin. Die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) berichtet über den Fall.

Insider-Informationen über Stress bei der Belegschaft

«Ich bin erschüttert und empört über das Verhalten dieser jungen Frau», zitiert das Blatt den Kölner Polizeipräsidenten Jürgen Matthies. Sein Vertrauen zu der Beamtin sei «unwiderruflich zerrüttet», ein Entlassungsverfahren eingeleitet.

Der TV-Sender RTL hat auf Anfrage der SZ mittlerweile bestätigt, mit der beschuldigten Polizistin zusammengearbeitet zu haben, einen Vertrag mit ihr habe es allerdings nicht gegeben. Die Aufnahmen seien im Zusammenhang mit Recherchen für ein neues investigatives Format entstanden. Nach erhaltenen Insider-Hinweisen über erheblichen Arbeitsdruck bei der Polizei habe man herausfinden wollen, «welchen Bedingungen Polizisten ausgesetzt sind», sagt RTL-Sprecher Mathias Bolhöfer. Jetzt werde der Sender «alles tun, um die Betroffenen zu unterstützen».

Investigative Recherche versus Datenschutz

Aufgeflogen waren die drei Beschuldigten am 3. August, eine zufällige Beobachtung brachte die Beamten auf die Schliche ihrer Kollegin. Den Polizisten war während eines Einsatzes am Kölner Hauptbahnhof das eigenartige Verhalten eines Mannes aufgefallen. Sie kontrollierten ihn und entdeckten in seiner Tasche eine laufende Kamera. Unmittelbar danach, schreibt die SZ, seien auch die Beamtin selbst und eine Journalistin aufgeflogen.

Der Vorfall ereignete sich just zu einem Zeitpunkt, zu dem auch in Deutschland über die Ausrüstung einzelner Polizeibeamter mit so genannten Bodycams diskutiert wird. Während Befürworter dieser Körperkameras sich weniger gewalttätige Übergriffe auf Polizisten erhoffen, sehen Datenschützer die Film-und Tonaufzeichnungsgeräte im Dienst kritisch.

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