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Pharmafirma spürt Corona-KriseEinstellungsstopp bei der CSL Behring

Bei der grossen Stellenschafferin in der Region Bern gibt es vorerst keine neuen Jobs mehr. Dies weil die Pharmaherstellerin wegen der Pandemie zu wenig Blutplasma-Lieferungen erhält.

Seine Produkte sind gefragt: Martin Schaeren, seit Oktober 2019 Standortleiter der CSL Behring in Bern.
Seine Produkte sind gefragt: Martin Schaeren, seit Oktober 2019 Standortleiter der CSL Behring in Bern.
Foto: Adrian Moser

Jahr für Jahr schafft die CSL Behring im Berner Wankdorf neue Stellen. Auch im vergangenen Geschäftsjahr (Juli 2019 bis Juni 2020) kamen 125 Angestellte neu dazu. Insgesamt arbeiten in Bern 1806 Personen für das Pharma- und Biotechunternehmen. Nun wird das Wachstum zumindest vorübergehend gestoppt. Dies nicht, weil die Nachfrage nach den Medikamenten der CSL zurückging, sondern weil der Rohstoff für die Produkte knapp wird.

In der Fabrik im Wankdorf extrahiert das Unternehmen aus menschlichem Blutplasma sogenannte Immunglobuline. Mit diesen werden dann Patienten mit Immunschwächen behandelt. Blutplasma wird in Spendezentren unter anderem in den USA gewonnen. Die Blutplasmaspende wird dort finanziell entschädigt – für viele ärmere Spender ist sie ein Nebenverdienst. Doch wegen der Pandemie kam es laut der CSL zu einem deutlichen Rückgang der Spenden.

Inbetriebnahme verzögert sich

Im vergangenen Geschäftsjahr hat der Standort Bern mit seinen Produkten einen Umsatz von über 3 Milliarden Franken erzielt. Wegen der grossen Nachfrage nach den Medikamenten aus Blutplasma erweitert die CSL Behring derzeit ihre Fabrik. Das Bauprojekt kostet rund 300 Millionen Franken und soll im Oktober abgeschlossen werden. Wann die Anlage tatsächlich in Betrieb geht, ist wegen des Blutplasma-Lieferengpasses derzeit noch offen, wie Mediensprecherin Sandra Ruckstuhl mitteilt.

Martin Schaeren, seit Oktober 2019 Standortleiter der CSL Behring in Bern, hat bereits weitere Ausbauprojekte in der Pipeline. Diese sind jedoch abhängig von der Entwicklung neuer CSL-Medikamente – und von Standortentscheiden, die in der CSL-Zentrale in Australien getroffen werden.

Medikament gegen Covid-19

Der CSL-Standort Bern ist auch an der Entwicklung eines Medikament gegen die Covid-19 beteiligt. Das Medikament soll in den kommenden Wochen an Patienten getestet werden. «Die Test-Chargen dafür wurden im Juni und Juli bei uns in Bern hergestellt», schreibt die CSL Behring. «Es war eine grosse Herausforderung, unsere Einrichtungen so schnell wie möglich an die Herstellung des klinischen Produkts anzupassen.»

2 Kommentare
    Markus Meister

    Jetzt ist die CSL aber ein bisschen selber schuld, es würde mich aber nicht erstaunen, wenn sie jetzt noch Staatshilfe beantragen wird. Anstatt mehr Einsteiger zu nehmen, war es gerade die CSL, die angefangen hat ihr Personal im Ausland zu rekrutieren. Dafür haben wir jetzt immer mehr Erwerbslose.

    Man könnte sich ja beispielsweise von US-Amerika abspalten und wieder ein Schweiz-, Deutsch- und Australischer Betrieb werden, der mehr Nachhaltigkeit lebt.