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«Bachelorette» statt TennisEinst galt er als der neue Federer, jetzt kämpft er um die Rose

Marko Osmakcic galt als Nachfolger von Roger Federer. Was aus ihm wurde? Kein zweiter Maestro jedenfalls – dafür ein Kandidat bei der «Bachelorette».

Fleissig: Aktuell arbeitet Marko Osmakcic als Tennistrainer.
Fleissig: Aktuell arbeitet Marko Osmakcic als Tennistrainer.
Foto: Madeleine Schoder

Und da steht er. In Thailand. Vor Palmen und gekleidet in einen weissen Anzug und ein hellviolettes Hemd. Seine kurzen Haare sind nach hinten gegelt. Er lächelt. Seine Augen leuchten. Es ist Marko Osmakcic. Der 21-Jährige ist Kandidat bei «Die Bachelorette» auf 3+. Soeben hat er von Chanelle Wyrsch, der Frau, um deren Herz die Schönlinge buhlen, eine Rose erhalten.

Osmakcic ist eine Runde weiter, darf also immer noch um die Gunst der Bachelorette kämpfen. «Mit dir fühlt sich jedes Date sehr gut an. Ich fühle mich in deinen starken Armen geborgen und die Küsse mit dir schmecken nach mehr.» Das sagte Wyrsch zu ihm. Osmakcic erwiderte die Worte mit einem Grinsen. Die Freude war ihm anzusehen.

Aber halt: Osmakcic? Bei Tennisfans dürfte es bei diesem Namen klingeln. Nicht ohne Grund: Der 21-jährige Schweizer galt einst als grosses Talent, er war in der früheren Jugend gar erfolgreicher als Roger Federer und Stanislas Wawrinka. In der Kategorie U-14 war er einer der besten Junioren Europas, mit 14 wurde er Schweizer Meister in der Königskategorie U-18. Weder Federer (er war 15) noch Wawrinka (er wurde nie U-18-Schweizer-Meister) schafften das. 2015 nahm ihn Davis-Cup-Captain Severin Lüthi als Sparringpartner für eine Partie nach Belgien mit (wobei er nicht zum Einsatz kam).

Frühreif: 2015 wurde Marko Osmakcic (links, neben Johan Nikles) von Davis-Cup-Captain Severin Lüthi als Sparringpartner für eine Partie in Belgien mitgenommen.
Frühreif: 2015 wurde Marko Osmakcic (links, neben Johan Nikles) von Davis-Cup-Captain Severin Lüthi als Sparringpartner für eine Partie in Belgien mitgenommen.
Foto: Keystone

Auch gewann Osmakcic mehrere Jugendturniere – darunter das Einladungsturnier Future Tennis Aces in Roland Garros – und stand bei den Junioren auf Rang 41 der Welt. Medien im ganzen Land feierten ihn: «Selbst Federer war weniger gut als Marko Osmakcic», titelte die «Aargauer Zeitung». Diese Zeitung schrieb 2011: «Er soll das Loch nach Federer stopfen». Und der «Blick» nannte ihn im Artikel: «Das sind unsere grössten Talente».

Und nun also Kandidat bei der «Bachelorette»? Ja. 22 Junggesellen gingen bei der sechsten Staffel der Kuppelshow an den Start. Mittlerweile sind noch drei dabei. Osmakcic und zwei andere. Die Teilnahme ist Teil seines neuen Lebens als ehemaliger Tennisprofi. Denn als solcher scheiterte er. Der Sprung vom Junior zum Profi gelang ihm nicht.

Ständig Streit mit dem Vater

Im Alter von 16, 17 erlitt er krankheitsbedingte Rückschläge. Ihn warfen eine Fussverletzung und eine Operation der Atemwege zurück. Das waren die einen Gründe für das Scheitern. Die anderen waren bei Franjo Osmakcic zu finden – beim Vater und Trainer von Marko. «Ich kam in die Pubertät, wurde vom Bub zum Mann», erzählt der 21-jährige Unterländer. Zu jener Zeit habe er permanent Auseinandersetzungen mit dem Vater gehabt. «Die Zusammenarbeit ging einfach nicht mehr. Die Streitigkeiten waren der ausschlaggebende Punkt.»

Es sind ehrliche Worte von Marko Osmakcic. Sie scheinen aber verständlich, denn: Weil seiner Familie im Winter teils das Geld für die Hallenmiete fehlte, musste er auch bei eisigen Temperaturen im Freien trainieren. Wenn der Platz vereist war, machte ihn sein Vater mithilfe von Salz bespielbar. Auch liess er ihn und seinen Bruder Mario – der zwei Jahre älter ist und 2018 bei «Die Bachelorette» teilnahm – zeitweise 6 Stunden pro Tag trainieren.

In «Die Bachelorette» mixt der Unterländer etwa Cocktails für Chanelle Wyrsch.
In «Die Bachelorette» mixt der Unterländer etwa Cocktails für Chanelle Wyrsch.
Foto: Screenshot/3+

Es war also nicht immer einfach zwischen ihm und seinem Vater. Mittlerweile verstehe er sich aber wieder super mit ihm, sagt er. «Aber im Fokus stehen auch nicht mehr meine Tenniskarriere und das, was ich erreichen soll», sagt Osmakcic und lacht. Der Mann aus Rafz im Zürcher Unterland ist gross gewachsen, 1,93 Meter, und breit gebaut. Sein Dreitagebart ist stets gepflegt.

«Wenn ich mit 17 Jahren auf ein Date mit einer Frau gehen wollte, machte ich das auch. Dann ging ich eben nicht ins Training.»

Marko Osmakcic

Dass er es mit der grossen Karriere aber nicht gepackt hat, enttäuscht ihn schon. «Ich würde lügen, wenn ich was anderes sagen würde», gibt er zu. Ihm sei jedoch wichtig, festzuhalten, dass er nichts in seinem Leben bereue. «Alles, was ich tat, tat ich so, wie es sich richtig anfühlte.» Und: «Wenn ich mit 17 Jahren auf ein Date mit einer Frau gehen wollte, machte ich das auch. Und ging eben nicht ins Training.»

Mittlerweile ist Osmakcic Tennistrainer. Der Job gefällt ihm, kann er doch viele Dinge weitergeben und Talente fördern. Er ist überzeugt, dass ihm seine Erfahrungen im Umgang mit den Talenten helfen. Insbesondere aber in der Kommunikation mit den Eltern. So sage er diesen immer, dass es nichts bringe, Kinder zu Höchstleistungen zu peitschen und zwingen. Denn letztlich seien es ja die Kinder, die begeistert sein sollten und in schwierigen Phasen kämpfen müssten. «Wenn man stundenlang sein Lieblingshobby machen muss, verliert man den Spass. Es verleidet einem, man hat keinen Bock mehr», findet er. Deshalb dürfe man es nie übertreiben.

Strahlemann Osmakcic: Ist er es, der die letzte Rose gewinnt?
Strahlemann Osmakcic: Ist er es, der die letzte Rose gewinnt?
Foto: Screenshot/3+

Gewinnt er sogar?

Wenn Osmakcic spricht, von seiner Karriere etwa, klingen seine Sätze überlegt. Auch wenn er es schade findet, dass er nicht in Federers Fussstapfen treten konnte, scheint er mit ihr abgeschlossen zu haben. Viel lieber blickt er in die Gegenwart und Zukunft. Und die ist ja rosig. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Zwei Mitstreiter hat er noch im Kampf um die letzte Rose von Chanelle Wyrsch. Ob er es ist, der sie gewinnt, will Osmakcic nicht verraten, darf er nicht, der Vertrag mit dem TV-Sender verbietet es. «Momentan bin ich sehr happy mit meinem Liebesleben», sagt er nur und lacht.