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Undichte Handball-BlaseEinfach verrückt, diese Weltmeisterschaft in Ägypten

Eine Katze auf dem Feld, ein Koloss als Held und ein Forfaitsieg für Deutschland – die aussergewöhnlichsten Geschichten aus dem Land der Pharaonen.

Eine Weltmeisterschaft, wie es sie bis jetzt noch nie gegeben hat – und mittendrin die Schweiz mit Alen Milosevic.
Eine Weltmeisterschaft, wie es sie bis jetzt noch nie gegeben hat – und mittendrin die Schweiz mit Alen Milosevic.
Foto: Keystone

Aussergewöhnliches bis Unglaubliches ist an jedem der bisher vier Turniertage der WM in Ägypten abgelaufen. Die Schweizer haben daran ihren grossen Anteil. Denn mit ihrem Nachrücken in letzter Minute und dem Sieg über Österreich begann am Donnerstag schliesslich alles.

Zuerst die Katze, dann Schelker

Wer bei der WM als Spieler in die Blase kommen und dort bleiben will, der muss einiges über sich ergehen lassen. Alle Teilnehmer werden täglich auf Covid-19 getestet, aber so richtig dicht scheint die Blase doch nicht zu sein. Bei der 25:31-Niederlage der Schweiz gegen Norwegen am Samstagabend staunten die wenigen Leute in der Halle von Gizeh: Da spazierte doch tatsächlich eine Katze über die Spielhälfte der Norweger!

Für die Schweiz geht es am Montag mit dem Match gegen Frankreich weiter. Holt sie keinen Punkt, muss sie das Abendspiel abwarten, um zu wissen, ob sie in der Hauptrunde dabei ist. Voraussetzung für das Weiterkommen: Norwegen muss gegen Österreich mindestens einen Punkt gewinnen. Nationaltrainer Michael Suter hat für den weiteren Turnierverlauf einen zusätzlichen Spieler zur Verfügung, Jonas Schelker. Nach dem positiven Corona-Test Schelkers vom Mittwoch gab die IHF vor, dass zwei negative Testergebnisse mit 48 Stunden Abstand nötig sind, um die Nachnomination zu ermöglichen. Schelker wurde am Donnerstag und Samstag negativ getestet, er stiess am Sonntag zum Team.

Deutsche mit Forfaitsieg weiter

Deutschland qualifizierte sich mit einem Forfaitsieg für die Hauptrunde. Das Spiel gegen Kapverden wurde mit 10:0 gewertet, weil der Gegner nicht mehr genügend gesunde Sportler zusammenbrachte. Am Sonntag hätten nur neun Spieler antreten können. Laut Reglement müssen mindestens zehn Spieler inklusive einem Goalie einsatzbereit sein. Am Freitag hatten die Afrikaner ihren ersten Match mit elf Spielern gegen Ungarn verloren. Am Montag mussten sie dann endgültig kapitulieren und zogen sich aus dem Turnier zurück. Das letzte Vorrundenspiel gegen Uruguay sowie alle Partien im sogenannten President's Cup, in dem die Gruppenletzten die Plätze 25 bis 32 ausspielen, werden 10:0 für die Gegner gewertet.

Der Shaq des Handballs

Der Mann mit der Nummer 15 soll «nur» 110 Kilogramm wiegen …
Der Mann mit der Nummer 15 soll «nur» 110 Kilogramm wiegen …
Foto: Keystone

WM-Neuling Kongo beeindruckte nicht wegen der Leistung beim 22:28 gegen Argentinien, sondern wegen eines Riesen: Gauthier Mvumbi heisst der Koloss am Kreis, der laut Statistik 1,92 m gross und 110 Kilogramm schwer ist. Die Gewichtsangabe scheint leicht korrigiert zu sein nach unten. Der Mann nennt sich selbst «El Gigante», seit dem Wochenende erfreut er sich eines anderen Spitznamens. Denn aus den USA meldete sich der frühere Basketballstar Shaquille O’Neal via Instagram. Er hatte Mvumbis Auftritt mitbekommen und fragte: «Sie sagen, du bist der Shaq des Handballs, was ist los?» Mvumbi reagierte berührt darauf, dass ausgerechnet sein Idol den Auftritt mitbekommen hatte.

Der andere Held und ein Oldie

Weniger Aufmerksamkeit in den Medien erhielt der brasilianische Kreisläufer Rogério Moraes, dabei hätte er beinahe den stolzen Europameister Spanien gestürzt. Moraes, der in Ungarn bei Veszprem spielt, traf gegen die Spanier sechsmal, der 2,04 m lange Mann schoss Brasilien in der letzten Minute 29:28 in Führung. Den Spaniern gelang wenigstens noch der Ausgleich.

Der alte Mann ist wieder in Ägypten dabei: Kiril Lazarov hatte hier 1999 seine ersten WM-Auftritte.
Der alte Mann ist wieder in Ägypten dabei: Kiril Lazarov hatte hier 1999 seine ersten WM-Auftritte.
Foto: Keystone

Und dann ist da noch der Oldie: Kiril Lazarov, der mit Nordmazedonien für die Tschechen nachreisen durfte. 1999 erzielte er in Ägypten als 19-Jähriger seinen ersten Treffer an einem WM-Turnier, 22 Jahre später und 22 Jahre älter spielt der Linkshänder wieder an einer Weltmeisterschaft im Land der Pharaonen.

7 Kommentare
    Herbert Berger

    Warum muss man eigentlich diese WM unbedingt durchführen? Aegypten ist eine eine Diktatur, in der die Meschenrechte nicht respektiert werden.

    Wir regen uns - zu recht! - wegen der Eishockey-WM in Belarus auf. Aber unsere Schweizer Handballer bejubeln wir, die in diesem Unrechtstaat antreten.