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Nachruf auf Denkmalpfleger Michael GerberEine Lücke, die schwer zu schliessen ist

Der bernische Denkmalpfleger Michael Gerber ist im Alter von 56 Jahren unerwartet verstorben.

Jürg Schweizer / Gastbeitrag
Michael Gerber trat sein Amt als Denkmalpfleger des Kantons Bern 2009 an.
Michael Gerber trat sein Amt als Denkmalpfleger des Kantons Bern 2009 an.
Thomas Peter

Es ist Freitagnachmittag, 6. März. Michael Gerber bespricht mit dem Eigentümer des Schlosses Oberdiessbach die Überlegungen zur Wiederherstellung der unteren Loggia, die vor langer Zeit ihre Balustrade verloren hat und seither in einem Missverhältnis zur Fassade steht.

Die Stimmung ist gut, in der Schlossküche schmiedet man bei einem Imbiss weitere Pläne. In der folgenden Nacht erleidet Michael eine von einem Aneurysma verursachte Hirnblutung; er wird operiert, stirbt aber 10 Tage später im Alter von 56 Jahren. Ein grosser Verlust für die Angehörigen, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für die Betreuung der bernischen Baudenkmäler.

Es begann mit Archäologie

Michael Gerber absolvierte das Gymnasium Burgdorf und studierte an der Universität Bern Archäologie, Alte Geschichte, Architekturgeschichte und Denkmalpflege. Er unterbrach sein Studium mehrfach, um praktische Aufgaben zu übernehmen, so Bauuntersuchungen, Ausgrabungen und Archivforschungen. 1996 trat er ins Bearbeiterteam des kantonalen Bauinventars ein. Gegen Ende dieses anspruchsvollen Unternehmens entschloss er sich 2003, in der Bauberatung weiterzuarbeiten.

Wir leiteten eine Ausbildungsphase ein, er begleitete Bauberater und den Schreibenden auf vielen Baustellenbesuchen und Sitzungen, besuchte bei einem geeigneten Architekten ein Konstruktionspraktikum, sodass er ab 2005 als selbstständiger Bauberater eingesetzt werden konnte.

Ab 2000 hatte er zudem eine beeindruckende Reihe von Weiterbildungen absolviert und sich in Arbeitsgruppen profiliert. 2008 konnte er auf seine Ausbildung und Erfahrung hinweisen, als er sich um die Stelle des kantonalen Denkmalpflegers bewarb, weil die Pensionierung des Schreibenden bevorstand. Anfang 2009 konnte ich Amt und Büro an der Münstergasse Michael Gerber übergeben.

Der neue Denkmalpfleger packte die Aufgabe mit jugendlichem Schwung an. In erster Linie professionalisierte er die Kommunikation nach aussen, wofür er neue Gefässe – etwa den Denkmalpflegepreis – schuf, an deren Anlässe er als Redner brillierte. Er strukturierte die Aufgaben der Denkmalpflege, rief einen Stab und den Führungssupport ins Leben, gliederte die verstärkte Baudokumentation als selbstständige Institution aus und fasste Forschung und Bauinventar zusammen.

Der Kern der Tätigkeit, die Bauberatung und die Ortsbildpflege, erhielten eine eigene Leiterin und wurden neu eingeteilt. Die Digitalisierung des Bauinventars war epochemachend. Äusseres Zeichen dieser Modernisierungsschritte war der Auszug aus dem vertrauten Altstadthaus in ein modernes Bürogebäude, was ermöglichte, die Denkmalpflege an einem Standort zu konzentrieren. Weiterbildung für die Mitarbeitenden, aber auch die Kurse zum Monomaster Denkmalpflege der Universität und zum Lehrgang Handwerk in der Denkmalpflege lagen ihm am Herzen.

Vertrauen aufgebaut

Michael Gerber war ein empathischer und geduldiger Mensch, voller Ideen, vielseitig begabt; er konnte die Arbeit der Denkmalpflege nach aussen transparent gestalten, Verständnis wecken für das Baudenkmal, die Aufgabe erklären. Es gelang ihm, ein Netzwerk zu schaffen, Vertrauen in seine Person aufzubauen.

Die nicht einfachen politischen Aufträge im vergangenen Jahrzehnt setzte er sorgfältig um und bewies, dass Energiesparen und Denkmalpflege nicht Gegner sind, sondern beides Aufgaben, die Ressourcen schonen. Seine überlegten, klugen Beurteilungen waren lösungsorientiert, weiterführend, nie dogmatisch, nie voreilig. Er hinterlässt eine Lücke, die schwer zu schliessen sein wird.

Jürg Schweizer war der Vorgänger von Michael Gerber