Ein «We are sorry» für Trump

Die amerikanische Community entschuldigt sich in Zürich für den Besuch ihres Präsidenten. Mit einer Demo.

Die siebenstrahlige Krone der Freiheitsstatue trägt als Symbol die Botschaft der Demo auf dem Reif.

Die siebenstrahlige Krone der Freiheitsstatue trägt als Symbol die Botschaft der Demo auf dem Reif.

(Bild: Action Together/Steve Fors)

Die Häme ist gross. Die Ankündigung von Donald Trumps Besuch am WEF in Davos und seinem Zwischenstopp in Zürich hat eine Welle der Entrüstung ausgelöst: Von einer Katastrophe war die Rede. Der Aufruf, Trump und alles Amerikanische dazu zu boykottieren, machte die Runde.

Das trifft einen Teil der amerikanischen Community in Zürich besonders: Derjenige nämlich, der sich für sein Land einen anderen Präsidenten wünscht. Action Together Zurich, eine unabhängige Gruppe von Amerikanern, Schweizern und anderen Staatsangehörigen, will sich für den Besuch ihres Präsidenten entschuldigen. Lautstark und öffentlich. Für morgen Samstag 11 bis 14 Uhr ruft sie deshalb auf Facebook zu einer Widerstands-Demonstration in der Zürcher Innenstadt, genauer am Werdmühleplatz, auf. Titel: «We are sorry. Es tuet eus leid.»

Diese Sätze werden auch auf den speziell für den Anlass gedruckten T-Shirts zu lesen sein. Der Spruch ziert darauf symbolträchtig den Kronenreif der Freiheitsstatue. In Genuss des Shirts kommen nur die ersten 20 Demo-Teilnehmer. Die Veranstalter rechneten ursprünglich nur mit einer kleinen Gruppe.

Erhalt der amerikanischen Grundwerte

«Action Together Zurich» setzt sich für die Erhaltung der amerikanischen Grundwerte ein, weil diese derzeit von der Trump-Administration und dem republikanischen Kongress mit Füssen getreten würden. Die Aktion ist Teil der globalen Plattform der Amerikaner, die sich ausserhalb ihres Landes als Widerstandsbewegung formiert haben.

Action Together arbeitet dafür mit dem Schweizer Kampagnenportal Campax zusammen. Die Gruppe hat die Petition «Trump not welcome» lanciert, die mehr als 15'000 Personen unterschrieben haben.

Anleitung zum Widerstand

Organisatorin Alexandra Dufresne engagiert sich aus der eigenen Erfahrung für die Sache. «Nach der Trump-Wahl schämten wir uns für unser Volk», sagt sie. Es war ihr peinlich. Sie hatte oft das Bedürfnis, sich erklären zu müssen, sich Nicht-Amerikanern bewusst anzunähern und sich ihnen gegenüber rechtfertigen zu müssen. «To say sorry.» Schliesslich sei Amerika eine Demokratie. Alle Bürger hätten die Wahl zu verantworten.

An der Veranstaltung wollen die Organisatoren Passanten zusätzlich darüber informieren, wie sie sich gegen die Trump-Administration wehren können, die den Frieden, die Menschenrechte und die Umweltrechte mit Füssen tritt. Zum Beispiel, dass man bereit ist, für unabhängige Informationen zu zahlen. Dass man Organisationen unterstützt, die sich für die Minderheiten in Amerika einsetzt.

Amerikaner werden aufgefordert, sich für die Kongresswahlen im nächsten Herbst zu registrieren. Und: Sie werden motiviert, ihren politischen Vertretern in den Staaten ihre Sorgen mitzuteilen. Telefonisch! «Das hat die grössere Wirkung als eine Mail», sagt Dufresne. Überdies sei es wichtig, dass alle viel über die amerikanische Politik und ihre Folgen redeten, sagt die Demo-Veranstalterin. «Denn nur so findet bei meinen Landsleuten ein Umdenken statt.»


Das will Trump am WEF erreichen

US-Präsident Trump hat mit dem «Geist von Davos» nichts am Hut. Er wird das WEF im Gegenteil für seine Agenda nutzen.


Dass sich in der Schweiz selbst die eigenen Staatsbürger gegen einen Besuch des Staatspräsidenten wehren, blieb auch in Grossbritannien nicht ungehört. «The Independent»widmete dem Geschehen einen ganzen Artikel.

Der Protestmarsch steht sowohl Anhängern der Demokraten als auch jenen der Republikaner offen. Auch Schweizer sind herzlich willkommen. Ebenfalls haben sich Interessierte aus Baden-Württemberg bereits angemeldet. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 100 Teilnehmern. Sie versprechen nebst der ernsten Botschaft am Anlass auch Spass und empfehlen ihn auch für Eltern mit Kindern.


«Trump würde ich keinen Alkohol ausschenken»: Der ehemalige Hotelier Ernst Wyrsch erklärt, wie er Donald Trump empfangen würde.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt