Ein unrühmliches Jubiläum für die BEKB

Vor 25 Jahren wurde die Dezennium Finanz AG gegründet, um die Berner Kantonalbank vor dem Untergang zu bewahren. Den Kanton hat die Rettung 1,5 Milliarden Franken gekostet. Hat sich das finanziell gelohnt?

Heute ist einiges anders: Die Autos auf dem Bundesplatz sind verschwunden, ebenso die Geldsorgen der Berner Kantonalbank.

Heute ist einiges anders: Die Autos auf dem Bundesplatz sind verschwunden, ebenso die Geldsorgen der Berner Kantonalbank.

(Bild: Edi Engeler)

Mischa Stünzi

Es ist das wohl dunkelste Kapitel der jüngeren Berner Wirtschaftsgeschichte: die Immobilienkrise der frühen 90er-Jahre, als in Thun die Spar + Leihkasse unterging und auch die Berner Kantonalbank arg Schlagseite bekam. Anders als das verhältnismässig kleine Institut aus dem Oberland wurde die Kantonalbank mit staatlicher Hilfe wieder aufgepäppelt. Das sei für alle keine einfache Zeit gewesen, sagt der heutige BEKB-Chef Hanspeter Rüfenacht, der damals noch nicht bei der BEKB, aber bereits in der Branche arbeitete. Einzelne Banker seien an den Pranger gestellt worden, und der Ruf des Berufsstands habe gelitten.

25 Jahre ist es her, dass der Kanton Bern die Auffanggesellschaft Dezennium Finanz AG ins Leben gerufen hat, um die Bankbilanz von den schlechten Risiken zu entlasten. Die faulen Kredite gingen an Dezennium über; die BEKB wurde wieder gesund. Zehn Jahre hatte Dezennium danach Zeit, um Immobilien zu liquidieren, Kredite zu amortisieren und zu retten, was zu retten war. Am Ende blieb ein Verlust von 2,6 Milliarden Franken. 1,1 Milliarden davon deckten die Rückstellungen der Bank; die restlichen 1,5 Milliarden musste der Kanton aufbringen.

Dividenden und Steuern

Aus der Kantonalbank ist in der Zwischenzeit ein profitables Institut geworden, ab 1998 im neuen Rechtsgewand einer Aktiengesellschaft. Zuerst Allein- und später Hauptaktionär war der Kanton Bern, dem auch heute noch 51,5 Prozent der Bank gehören. Ihm fliessen Jahr für Jahr Millionen in Form von Dividenden und Steuern zu. Für das abgelaufene Jahr werden es wohl insgesamt gut 56 Millionen Franken sein (siehe Text rechts). Zudem hat er in den vergangenen Jahren unter anderem mit Aktienverkäufen, Bezugsrechtsentschädigungen und Staatsgarantieabgeltungen Geld gemacht. Das streicht die Kantonalbank gerne in ihren Geschäftsberichten heraus. Dem Kanton seien so insgesamt fast 2 Milliarden Franken zugeflossen.

1,5 Milliarden ausgegeben und dafür 2 Milliarden zurückerhalten. Klingt nach einem guten Geschäft. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Klammern wir einmal aus, dass es so oder so nie ein gutes Geschäft ist, wenn eine Bank gerettet werden muss. Denn die BEKB könnte auch dann Steuern bezahlen und Dividenden abliefern, wenn sie Ende der 80er-Jahre nicht unnötig hohe Risiken eingegangen wäre.

Doch hat es sich aus Sicht des Kantons finanziell gelohnt, die Bank zu retten? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir einerseits die 2 Milliarden, die dem Kanton über all die Jahre zugeflossen sind, um die Teuerung korrigieren. Auch wenn die Inflation in der Schweiz in den letzten 25 Jahren nie sonderlich hoch war, fällt das ins Gewicht. Aus den knapp 2 Milliarden werden so – zum Wert von 1993 – 1,79 Milliarden Franken.

Weniger, als die BEKB sagt

Andererseits hätte der Kanton seine für die BEKB-Rettung aufgeworfenen 1,5 Milliarden Franken auch anders anlegen können: beispielsweise Schulen fördern, in Infrastruktur investieren oder Unternehmen anlocken. Welche Rendite er auf solchen Investitionen gehabt hätte, lässt sich nicht beziffern.

Wir behelfen uns einer einfacheren Rechnung. Um den Wert einer Investition festzustellen, werden in der Regel die künftigen Geldflüsse sogenannt abgezinst. Mit anderen Worten: Wenn am Markt 2 Prozent Zins geboten werden und der Anleger in einem Jahr 100 Franken zurückbekommt, dann ist diese Zahlung heute nur etwas mehr als 98 Franken wert. In den letzten 25 Jahren betrug der Zins im Durchschnitt rund 2 Prozent. Wenn wir also die um die Teuerung bereinigten Zahlungen der BEKB an den Kanton zusätzlich noch abzinsen, bleiben unter dem Strich lediglich gut 1,4 Milliarden Franken. Und die 2 Prozent Zins sind defensiv gerechnet. Aus der Optik eines Investors von 1993 müsste man wohl eher mit 5 oder 6 Prozent diskontieren.

Bisher nicht berücksichtigt ist, dass die Bank im Kanton eine wichtige Arbeit- und Kreditgeberin ist. Dieser Effekt lässt sich allerdings kaum beziffern. Zudem ist offen, ob nicht andere Institute die Lücke der BEKB ausgefüllt hätten. Gleiches lässt sich übrigens auch zu den Steuern sagen, die die BEKB bezahlt. Auch hier ist davon auszugehen, dass andere Banken den Steuerausfall für den Kanton in den letzten 25 Jahren zumindest teilweise kompensiert hätten.

Beteiligung ist 888 Millionen wert

Jeder Investor weiss, dass sich seine Rendite aus Dividenden- und anderen Zahlungen einerseits und Kursgewinnen andererseits zusammensetzt. Deshalb muss die 51,5-prozentige Beteiligung des Kantons an der BEKB zusätzlich in die Rechnung einbezogen werden. Die 4 799 800 BEKB-Aktien, die dem Kanton gehören, haben zum aktuellen Börsenkurs einen Gesamtwert von rund 888 Millionen Franken. Unklar ist, wie viel die Beteiligung in den frühen 90ern wert gewesen ist. Damals war die Bank keine Aktiengesellschaft und somit auch nicht an der Börse gehandelt.

Der Wert der Bank sei 1993 wohl nahe null gewesen, mutmasst Finanzchef Alois Schärli und begründet: «Als Solothurn seine Kantonalbank in den 90er-Jahren liquidiert hat, blieb dem Kanton unter dem Strich nichts übrig.» Wenn Schärli mit seiner Vermutung recht hat, beträgt die Wertsteigerung der Beteiligung über die letzten 25 Jahre 888 Millionen Franken. Wenn wir diesen Betrag – den Zahlungsströmen gleich – abzinsen und um die Teuerung bereinigen, schrumpfen die 888 Millionen auf rund 460 Millionen Franken.

Dieser Betrag plus die 1,4 Milliarden aus den erfolgten Zahlungen ergibt gut 1,8 Milliarden Franken. Abzüglich der aufgeworfenen 1,5 Milliarden hat der Kanton Bern mit der BEKB-Rettung bisher also gut 300 Millionen Franken verdient. Trotz der erwähnten Ungenauigkeiten in der Rechnung lässt sich folgern, dass der Kanton seine «Investition» von damals wohl wieder wettgemacht hat.

Der Bund

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