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«Frutigländer» am EndeEin Tal verliert seine Zeitung

Die Zeitung «Frutigländer» verkraftet den Inseraterückgang wegen der Corona-Krise nicht. Das Frutigtal im Berner Oberland verliert somit sein wichtigstes Lokalmedium.

Ausgaben des «Frutigländers» liegen auf einem Tisch.
Ausgaben des «Frutigländers» liegen auf einem Tisch.
Foto: Hans Urfer

Die Zeitung «Der Frutigländer» wird Ende Juni eingestellt. Das Blatt sei ein Opfer der Coronakrise geworden, teilte die Frutigländer Medien AG am Donnerstag auf ihrer Website mit.

Der Umsatz sei drastisch eingebrochen. Dem sechsköpfigen Redaktionsteam und den Verlagsangestellten sei unter Einhaltung der gültigen Fristen gekündigt worden, heisst es in der Mitteilung.

«Zwar steht die Frutigländer Medien AG im Moment noch auf einem ordentlichen finanziellen Fundament», erklärte Verleger und Verwaltungsratspräsident Bernhard Egger. «Mit Blick auf den Einbruch im Inserategeschäft können wir es aber nicht verantworten, die Zeitung weiter herauszugeben. Zu unsicher sind die Prognosen über die Entwicklung im Inseratemarkt.»

Der «Frutigländer» erschien erstmals im Dezember 2005. Zweimal wöchentlich wurden gut 4000 Exemplare gedruckt. Nach Angaben des Verlags war das Blatt «eine der wenigen Schweizer Zeitungen mit stabiler und zuletzt sogar leicht wachsender Auflage».

Gesichert ist das Erscheinen des «Frutiger Anzeigers». Ab Juli wird er wieder von der Egger AG als Vertragspartnerin der Gemeinden Adelboden, Aeschi, Frutigen, Kandersteg, Kandergrund und Reichenbach herausgegeben.

SDA

6 Kommentare
    H. Moser

    Ja, das war's dann mal wieder mit einer ordentlichen gemachten und eigentlich beliebten Lokalzeitung. Die Auflage soll ja zuletzt sogar gestiegen sein, was man fast nicht glauben kann im heutigen Print-Medienmarkt. Gleichwohl: Es wird nicht das letzte Blatt sein, das verschwindet. Wer die Lücke füllt, hat unten einer gefragt. Die Antwort kennen wir: Niemand. Das Internet wird irgendetwas Digitales als Ersatz bieten, aber das ist nicht dasselbe, das wissen wir alle. Es scheint leider so zu sein, dass "echte" Zeitungen so etwas sind wie Schwimmbäder oder Eishallen: gern gebraucht, sicher sinnvoll – aber kostendeckend offenbar nicht zu betreiben. Im Gegensatz zu den genannten Einrichtungen, in regelmässig die Millionen gesteckt werden, hat man bloss noch nicht erkannt, dass auch solide Information so etwas wie Service Public ist. Und das ist ausgesprochen bedauerlich.