Ein Stanley-Cup-Champion für den ZSC

Der neue Trainer Bob Hartley (50) soll die Zürcher mit harter Hand zurück zum Erfolg führen.

Von Simon Graf Man kann Edgar Salis nicht vorwerfen,er reagiere nicht auf die verpatzte Saison. Einen Tag, nachdem der ZSC-Sportchef die Verpflichtung von Severin Blindenbacher offizialisiert hatte, gab er das Engagement von Bob Hartley bekannt, dem neuen, prominenten Trainer. Der 50-jährige Frankokanadier, der zur Weihnachtszeit schon als Nothelfer bei Lugano im Gespräch gewesen war, unterschrieb für zwei Jahre. Zuletzt ging alles sehr schnell. «Ich hatte drei Offerten von drei guten Vereinen auf dem Tisch», erzählte Hartley. «Eine aus Kanada, zwei aus der Schweiz. Doch als ich mich am Wochenende mit Peter Zahner (CEO, die Red.) und Edgar Salis traf und dann noch mit Walter Frey (Präsident) in dessen Büro, hat mich die von Zürich überzeugt. Ich sah, dass sie die gleiche Leidenschaft haben wie ich, wenn es ums Hockey geht.» Seit er im Oktober 2007 nach einem Fehlstart bei Atlanta entlassen wurde, hat Hartley kein Profiteam mehr gecoacht. Er habe sichergehen wollen, dass es für ihn passe, betonte er. Deshalb flog er auch für einen Kurzbesuch nach Zürich, bevor er zusagte. Am Freitag landete er in Kloten, am Samstagnachmittag reiste er zurück ins heimische Montreal – nach Gesprächen mit den ZSC-Verantwortlichen und einem Augenschein im Hallenstadion. Hartley mochte den anderen Schweizer Klub, der sich um ihn bemüht hatte, nicht nennen. Es hatte sich um Gottéron gehandelt, das bereits während des Viertelfinals gegen Davos mit ihm verhandelt hatte. Der Coach war dazu ein erstes Mal in die Schweiz gereist und hatte die Verhältnisse an der Saane inspiziert – und sich nebenbei eine Partie zwischen Zug und Servette angeschaut. «Das Tempo, mit dem hier gespielt wird, hat mich beeindruckt», sagte er. Aber er habe schon vorher gewusst, dass die Schweizer Liga gut sei. «Ich blieb ja in Kontakt mit David Aebischer, der hat mir das oft genug gesagt.» Hartley war von 2000 bis Ende 2002 bei Colorado der Coach des Freiburgers, damals die Nummer 2 hinter dem grossen Patrick Roy. 2001 gewann das Team mit Aebischer als Ersatzgoalie und Stars wie Joe Sakic und Peter Forsberg den zweiten Stanley-Cup. 18 Monate später wurde Hartley bei Colorado Opfer der überhöhten Erwartungen, die er selbst mitgeschürt hatte. Er fand bei Atlanta schnell wieder einen Job und führte den Aussenseiter 2006/07 erstmals ins Playoff. Insgesamt hat er 700 NHL-Partien gecoacht. Er ist der zweite Trainer, der als Stanley-Cup-Champion in die Schweiz kommt, nach Jean Perron (1997/98 beim B-Klub Servette). Als Hartley, der selber nie in der NHL gespielt und einst in einer Fabrik für Scheibenwischer gearbeitet hatte, 1998 mit 37 NHL-Headcoach wurde, gab man ihm nicht viel Kredit. Doch er erarbeitete sich schnell Respekt. «Mir wurde sofort klar, dass er sehr aufs Detail bedacht ist», sagt Salis. «Und auf Disziplin.» Dass mit Hartley eine steifere Brise beim ZSC herrschen wird, mochte er nicht verneinen. Hartley sagt: «Ich will, dass die Spieler ehrlich sind. Wenn sie mogeln, betrügen sie ihren Klub und ihre Fans. Ich mag keine Schummler. Ich mag Spieler, die sich fürs Team aufopfern. Wer hart arbeitet, hat kein Problem mit mir.» Auch er sei bereit, seine Ärmel hochzukrempeln, betonte Hartley, der zuletzt als TV-Analyst wirkte und in seiner eigenen Hockeyschule Talente betreute: «Ich komme nicht aus Spass in die Schweiz. Ich komme, um zu gewinnen.» Bereits im Mai, zum Start des Sommertrainings, reist er nach Zürich, um die Spieler kennen zu lernen. Und um seine Hingabe für seinen neuen Job zu demonstrieren, verspricht er: «Dann werde ich bereits ein bisschen Deutsch sprechen.» Sept. 97–Jan. 98 Hans Zach Febr. 98–April 00 Kent Ruhnke Sept. 00–Nov. 01 Larry Huras Nov. 01–März 03 Pekka Rautakallio Sept. 03–Nov. 05 Christian Weber Nov. 05–Dez. 05 Henryk Gruth Dez. 05–März 06 Juhani Tamminen März 06 Beat Lautenschlager Sept. 06–April 08 Harold Kreis Sept. 08–März 10 Sean Simpson Sept. 10–Okt. 10 Colin Muller Okt. 10–März 11 Bengt-Ake Gustafsson ab nächster Saison Bob Hartley Hohe Ziele mit dem ZSC und eine klare Linie: Bob Hartley.Foto: Getty Images

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