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Ask-ForceEin Plädoyer für bessere Geisterspiele

Ja, es ist endlich an der Zeit für echte Geisterspiele. Was wir bis jetzt kennen gelernt haben,
war viel zu arm an Geistern.

Wo ist der Geist?
Wo ist der Geist?
Foto: Keystone

«Geisterspiele sind gar nicht so übel, finden Sie nicht auch?» – Das schreibt uns Fred K. aus
F. und schwärmt von Spielen in leeren Stadien, in denen man als neue Erfahrung die
Kommentare der Spieler und die Schlötterlig der Trainer bestens hören könne. Weiter
schimpft Fred K. über Claudius Schäfer, den Chef der Swiss Football League, der
Geisterspiele unlängst als «seelenlos» bezeichnete.


Die Ask-Force atmet bei jeder «Finden Sie nicht auch»-Frage tief durch. In aller Regel sieht sie
die Dinge nämlich anders als die Bestätigung einfordernden «Finden Sie nicht auch»-
Fragesteller. So auch diesmal: Weder Fred noch Claudius haben recht. Denn bis jetzt waren
alle angeblichen Geisterspiele eine einzige Enttäuschung: Nie spielte auch nur ein einziger
Geist mit. Es kickten einfach 2 x 11 gut bezahlte Seelen. Ergo waren die Spiele auch nicht
seelenlos.


Wir lernen: Ein Spiel, an dem keine Menge grölt, ist noch lange kein Geisterspiel. Wie man
auf diese Bezeichnung kommt, bleibt schleierhaft. Oder werfen Sie Ihrem zehnjährigen
Zögling, der auf dem Schulhausrasen zusammen mit Kollegen, aber ganz ohne Publikum
einen Ball herumkickt, tatsächlich vor, er betreibe ein Geisterspiel? Nein, Sie freuen sich,
dass er sich echt austobt.


Wir lernen also weiter: Rennen zwei Dutzend Menschen auf einem Acker dem runden Leder
nach, dann ist das echtes Spiel, echte Emotion, echt Erlebtes – selbst wenn kein Schwein,
kein Geist, kein Geistlicher und kein geistloser Hooligan zuschaut. Ohne Meute wird ein Spiel
wieder, was es im Kern ist: ein Spiel des Spielens wegen.


Sollte die Corona-Pandemie andauern, fordert allerdings auch die Ask-Force Geisterspiele.
Aber echte Geisterspiele! Mit moderner Fernsehtechnik und mit dem Support aus Volketswil
müsste es doch möglich sein, echte Geister – eventuell hologrammmässig – ins
Spielerkollektiv einzufügen. So könnte man länger vom Marktwert längst verblichener Kicker
profitieren (Cruyff, Eusébio, Sócrates et al). Und als Steigerungsform könnten Geistwesen
aus anderen Sphären das Spiel aufmischen. Etwa der für seine Blutgrätsche berühmte Lord
Voldemort. Oder Gollum. Oder Räuber Hotzenplotz. Oder ein paar Klingonen? Wir denken:
Das wäre ein Renner.

Die Ask-Force versenkt jedes Zuspiel. Versuchen Sie es: askforce@derbund.ch