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Keen, der Pinterest-KlonEin neues soziales Netzwerk aus dem Hause Google

Ein digitales Sammelalbum, das sich mit künstlicher Intelligenz selbst erweitert: Das ist die Idee hinter der neuen App des Suchmaschinengiganten. Die Erfolgsaussichten sind allerdings trüb.

Mit Googles neuem sozialem Netzwerk Keen lassen sich beispielsweise Brotrezepte sammeln und tauschen.
Mit Googles neuem sozialem Netzwerk Keen lassen sich beispielsweise Brotrezepte sammeln und tauschen.
Screenshot: schü

Google versucht es wieder einmal: Ende letzter Woche lancierte der Suchmaschinenkonzern staykeen.com: Das ist ein Dienst, den man über den Browser oder per Android-App benutzt, um Fundstücke aus dem Internet zu sammeln: Diese werden nach Interessen sortiert und erscheinen mit grossen Bildern in einer Art digitalem Sammelbuch.

Das erinnert stark an Pinterest. Dieses soziale Netzwerk feierte erst vor kurzem sein 10-Jahr-Jubiläum. Es rangiert hinter den grossen Plattformen, zu denen unter anderen Facebook, Youtube, Whatsapp, Instagram und Tiktok zählen, und liegt mit 366 Millionen Nutzern ungefähr gleichauf mit Twitter.

Die Stärke von Pinterest ist, dass man dort auch ganz ohne Worte Bilder für sich selbst sammeln oder in öffentlichen schwarzen Brettern auch für andere freigeben kann. Das Prinzip eignet sich hervorragend für Produkte oder Memes, also lustige Bilder mit mehr oder weniger träfen Sprüchen.

Keen soll den Nutzern helfen, ihre Interessen zu organisieren und zu bündeln. Dazu legt man einen «Keen» an. Das ist eine Sammlung für Bilder, Links, Hashtags und Suchanfragen, die man für sich selbst pflegen oder mit anderen gemeinsam kuratieren kann. Mittels künstlicher Intelligenz soll Keen in der Lage sein, die Sammlung selbsttätig zu erweitern und mit Fundstücken zu ergänzen. Diese Vorschläge tauchen im Bereich «Explore» auf.

Es bleibt allerdings fraglich, wie ernst es Google mit diesem neuen Dienst ist. Er wird unmissverständlich als experimentelles Produkt bezeichnet, und er stammt von Area 120. Das ist eine Art Experimentierwerkstatt, die es Mitarbeitern ermöglicht, Ideen und Produkte mit Beteiligung von echten Nutzern testen zu können. Wenn ein Produkt hier lanciert wird, muss es ohne offizielle Rückendeckung des Konzerns auskommen.

Projekte gehen so schnell, wie sie gekommen sind

Die Nutzer ihrerseits müssen sich bewusst sein, dass Projekte von Area 120 so schnell verschwinden können, wie sie gekommen sind. Ein früheres Projekt namens Shoelace hat gerade einmal zehn Monate überdauert: Dieses soziale Netzwerk hatte das Ziel, Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen und Kontakte in der realen Welt zu ermöglichen. Wer beispielsweise nicht alleine Sport treiben wollte, hat mit Shoelace die Möglichkeit gehabt, Gleichgesinnte zu finden.

Grasshopper.app ist ein Projekt, dem der Schnauf nicht ganz so schnell ausgegangen ist. Elf Google-Mitarbeiter haben es im April 2018 gestartet, mit dem Ziel, Nutzern den Einstieg in die Programmierung zu erleichtern. Die dazugehörigen Apps fürs iPhone und Android sind nach wie vor erhältlich. Allerdings braucht dieses Projekt auch deutlich weniger Unterhalt als ein soziales Netzwerk.

Es gehört zu Googles Verständnis von Fortschritt, dass Projekte schnell lanciert und öffentlich gemacht werden und genauso blitzartig wieder verschwinden, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen. Aus Anwendersicht bedeutet das allerdings, dass Zurückhaltung angebracht ist – denn niemand will eine wirklich bedeutsame Sammlung auf einer Plattform anlegen, die jederzeit wieder verschwinden könnte.

Das ist der eine Grund, weswegen Keen keine reale Erfolgschance hat. Der zweite Grund liegt in Googles Unvermögen, ein soziales Netzwerk zum Fliegen zu bringen – die Nutzer haben nicht vergessen, wie das ambitionierteste Produkt, Google+, 2019 krachend gescheitert ist.