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Kommentar zu Konzert Theater BernEin Grossumbau zur Unzeit

Die Mehrheit der Ensemblemitglieder in Oper und Schauspiel von Konzert Theater Bern wird Ende Saison ersetzt. Die Hoffnung, mit den Neuen mehr Publikum zu gewinnen, könnte sich indes als Bumerang erweisen.

Claude Eichenberger (Szene aus «Carmen») ist die Einzige im Opernensemble, deren Vertrag verlängert wird.
Claude Eichenberger (Szene aus «Carmen») ist die Einzige im Opernensemble, deren Vertrag verlängert wird.
Foto: Tanja Dorendorf / zvg

Nach dem personellen Umbau in der Leitung des Theaters und in den einzelnen Sparten wird nun also auch die Basis von Konzert Theater Bern umgepflügt. Im Schauspiel und im Musiktheater werden ab kommender Saison mehr neue als vertraute Gesichter zu sehen sein.

Ein Skandal? Nein, das ist dieser radikale Umbruch nicht. Wechsel im Ensemble sind normal an einem Theater. Und erst recht, wenn ein neuer Intendant oder neue Spartenleiter das Ruder übernehmen. Und doch klingt es fast etwas zynisch, wenn der Intendant daran erinnert, dass Schauspielerinnen und Sänger mit dem Damoklesschwert einer Nichtverlängerung des Vertrags schon sehr früh umzugehen lernten, da die Künstler- und Bühnenberufe einfach zu den unsichersten in unserer Gesellschaft gehören.

Fatal wäre es, wenn der Umbruch im Ensemble zu einem Bruch mit dem Publikum führen würde.

Wäre nicht jetzt der Moment, statt Normalität zu simulieren, beherzt ein Zeichen in einer verletzlichen Zeit zu setzen? Zum Beispiel dadurch, dass man den Bisherigen einen Corona-Aufschub gewährt, statt sie in die Wüste zu schicken? Es geht aber auch um das Berner Publikum. Durch den radikalen Kahlschlag in den Ensembles wird es eine Reihe von Identifikationsfiguren verlieren. Und vielleicht auch Halt und Trost in einer verrückten Zeit. Der Grund für die Veränderungen sei ausschliesslich künstlerischer Natur, beteuert Florian Scholz, und der geplanten Neuausrichtung des Hauses geschuldet. Was er damit meint, will der KTB-Intendant im Frühling verraten, wenn der neue Spielplan präsentiert wird.

Bis dann sind die Ensembles, die in den letzten Jahren zusammengewachsen sind und dem Berner Theaterleben Profil und Identität gegeben haben, auseinandergerissen. Fatal wäre es, wenn der Umbruch im Ensemble zu einem Bruch mit dem Publikum führen und dieses seine Neugier auf das Schon-wieder-Neue verlieren würde. Weil es nach der coronabedingten Kulturabstinenz vielleicht nicht vermisst, was es nicht kennt.