Ein erster Schritt, der kaum genügen wird

Die geplante Entlastungssystem für den Verkehr in Berns Norden ist zwar nötig, aber wenig wirksam. Es braucht künftig eine höhere Besteuerung für Reisende zu Stosszeiten.

In Ostermundigen soll mit Ampelsystemen der Verkehr künftig besser fliessen.<p class='credit'>(Bild: Nicole Philipp)</p>

In Ostermundigen soll mit Ampelsystemen der Verkehr künftig besser fliessen.

(Bild: Nicole Philipp)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Anfang Woche hat der Nationalrat den Kredit für den Autobahnausbau 2019 von 4,6 auf über 6 Milliarden Franken aufgestockt. Zwei Tage später beschliesst der bernische Regierungsrat, den Verkehr im Norden der Stadt Bern mit einem ampelgesteuerten Dosierungssystem besser zu verteilen. Damit sollen Staus in den Ortszentren vermieden werden, ohne mehr ­Strassen zu bauen. Die Nachrichten von der «Verkehrsfront» könnten widersprüchlicher nicht sein: Mit dem Ausbau der Nationalstrassen wird noch mehr Verkehr in die Agglomerationen geführt, dem diese mit Verkehrsmanagement Herr zu werden versuchen.

Gegen die Entlastung der Agglomeration vom Durchgangsverkehr kann niemand etwas einwenden. Schliesslich haben sich Verkehrsdosierungssysteme nicht nur in Paris und Berlin bewährt, sondern auch an der Seftigenstrasse in Wabern: Der Stau wird «ausgelagert», und der ÖV kann ungehindert zirkulieren. Dosierungssysteme sind eine legitime «Notwehr» in Zeiten steigenden Verkehrsaufkommens.

Bis zum Jahr 2030 werden aber 100'000 Personen mehr im Kanton Bern leben, die pro Tag 25 Kilometer mit dem Auto und etwa 11 Kilometer mit dem ÖV unterwegs sind. Zudem wird der Autobahnausbau am Grauholz mehr überregionalen Verkehr in den Raum Bern spülen. Mit Verkehrsmanagement allein wird man das kaum bewältigen können. Auch mit angepassten Unterrichtszeiten, flexiblen Arbeitszeitmodellen und Fahrgemeinschaften bleibt es nach wie vor zu «gäbig», als Pendler das Auto zu benutzen. Letztlich wird man nicht umhinkommen, finanzielle Anreize zur Steuerung in Betracht zu ziehen.

Der Bund führt zurzeit eine Studie zur Wirkung von Mobility-Pricing am Beispiel des Kantons Zug durch. Mobility-Pricing sieht erhöhte Tarife zu Stosszeiten für Autofahrer und ÖV-Passagiere vor. Gestützt darauf soll ein Praxistest durchgeführt werden. Vor gut zwei Jahren hat der Grosse Rat die Teilnahme an einem entsprechenden Pilotversuch knapp abgelehnt. Gut möglich, dass er diese Haltung bei weiter steigendem Leidensdruck demnächst ändern wird.

Der Bund

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