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Der SCB verliert in Zürich 0:3Ein aberkanntes Tor als Schlüsselszene

Der SC Bern bezieht trotz guter Leistung die dritte Niederlage in Serie. Die ZSC Lions gewinnen 3:0.

Mit viel Zug: Der SCB (hier Ramon Untersander gegen Christian Marti) befindet sich gegen die ZSC Lions meistens im Vorwärtsgang.
Mit viel Zug: Der SCB (hier Ramon Untersander gegen Christian Marti) befindet sich gegen die ZSC Lions meistens im Vorwärtsgang.
Foto: Patrick Staub (Freshfocus)

In der 31. Minute bezwingt Ted Brithén ZSC-Goalie Ludovic Waeber mit einem Hocheckschuss. Auf den grossen Bildschirmen des Hallenstadions ist zu sehen, wie der Schwede erleichtert tief ausatmet. Er freut sich über den ersten Meisterschaftstreffer im vierten Match für den SC Bern. Doch die Glücksgefühle sind nur von kurzer Dauer, denn Lions-Coach Rikard Grönborg nimmt die Coaches Challenge. Den Tipp hat er von Goalietrainer Stephan Siegfried erhalten, der auf der Tribüne das Video kontrolliert.

Und tatsächlich, Vincent Praplan hat die blaue Linie Sekundenbruchteile vor der Scheibe überquert – Offside, der Treffer zählt nicht. Ausgerechnet der Topskorer, der nicht nur wegen des gelben Helms zu den auffälligsten Akteuren zählt, verhindert das Erfolgserlebnis. Es wäre so wichtig gewesen – und durchaus verdient. Denn die Mutzen haben die favorisierten Zürcher mit grossem Engagement über weite Strecken unter Druck gesetzt. Der SCB spielt hart, schnell, genau so, wie sich das Coach Don Nachbaur vorstellt. Doch Aufwand und Ertrag stimmen nicht überein.

Frühes Gegentor

Denn der ZSC führt zu diesem Zeitpunkt 1:0, und zwar seit der 3. Minute. Raphael Prassl, von den SCB-Spielern «vergessen», konnte am hinteren Pfosten unbehindert einschieben. Der Vorsprung der Zürcher entspricht zwar nicht den Spielanteilen, ist aber nicht völlig unverdient. Denn die Gastgeber sind zwar selten im Vorwärtsgang, wenn sie aber vor Tomi Karhunen auftauchen, dann sorgen sie oft für Torgefahr. Bei Bern fehlt hingegen häufig die Präzision beim letzten Pass.

Auch nach dem aberkannten Tor spielten die Mutzen weiter mit viel Tempo. Doch ein Tor gelingt nicht. Das Hauptproblem ist derzeit das Powerplay. Fünf Gelegenheiten werden nicht genutzt. Überhaupt haben die Berner in dieser häufig entscheidenden Sparte in der Meisterschaft noch nie getroffen. Im letzten Drittel hat vorerst Praplan zwei weitere Grosschancen, doch dann verdoppeln die Zürcher den Vorsprung. Captain Patrick Geering bezwingt Karhunen mit einem präzisen Schuss aus der Mitteldistanz. Das 3:0 fällt, als Bern ohne Goalie spielt.

Nachholspiel am 5. Januar

Schlecht gespielt hat der SCB in der National League noch nie, und doch hat er erst drei Zähler auf dem Konto. Kaum hat die Meisterschaft begonnen, ist die Tabellenlage schon ungemütlich. Das macht es nicht leichter, locker aufzuspielen. Denn das ist genau, was fehlt: ein Quäntchen Lockerheit und Coolness.

Wegen der Corona-Fälle beim HC Lugano bekommen die Berner nicht schon heute die Gelegenheit, den zweiten Saisonsieg anzustreben. Das Heimspiel gegen die Tessiner ist auf den 5. Januar 2021 verschoben worden.

Telegramm

ZSC Lions – Bern 3:0 (1:0, 0:0, 2:0)
7582 Zuschauer. – SR Salonen/Müller, Kehrli/Duarte.

Tore: 3. Prassl (Simic, Marti) 1:0. 45. Geering (Krüger, Hollenstein) 2:0. 60. (59:46) Hollenstein (Roe, Pedretti) 3:0 (ins leere Tor).

Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen ZSC Lions, 4mal 2 plus 10 Minuten (Heim) gegen Bern. – PostFinance-Topskorer: Andrighetto; Praplan.

ZSC Lions: Waeber; Noreau, Marti; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Morant; Chris Baltisberger, Roe, Andrighetto; Pedretti, Krüger, Hollenstein; Pettersson, Schäppi, Wick; Simic, Prassl, Sigrist; Diem.

Bern: Karhunen; Untersander, Zryd; Thiry, Blum; Andersson, Beat Gerber; Burren, Colin Gerber; Ruefenacht, Jeffrey, Pestoni; Praplan, Brithen, Moser; Bader, Haas, Scherwey; Sciaroni, Neuenschwander, Heim.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Blindenbacher, Bodenmann und Capaul (alle verletzt). Bern von 57:45 bis 59:46 ohne Torhüter.

Rangliste: 1. ZSC Lions 6/12. 2. Lausanne 6/12. 3. Fribourg-Gottéron 4/9. 4. Zug 4/9. 5. Genève-Servette 5/9. 6. Lugano 4/6. 7. Rapperswil-Jona Lakers 5/6. 8. Biel 3/5. 9. Ambri-Piotta 5/4. 10. Bern 4/3. 11. SCL Tigers 4/3. 12. Davos 2/0.