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Ask-ForceEhemals waren wir alle andere

Die Frage ist tief philosophisch: Wie lange kann «ehemalig» eigentlich zurückliegen?

Karten wurden ehedem oft als Gebetbuch des Teufels bezeichnet – wenn die Ask-Force spielte, galt dieser Grundsatz jedoch nicht.
Karten wurden ehedem oft als Gebetbuch des Teufels bezeichnet – wenn die Ask-Force spielte, galt dieser Grundsatz jedoch nicht.

Herr F. aus Bern schätzt uns und unsere Antwortqualitäten, jedenfalls redet er uns mit «geschätzte Ask-Force» an, was wir sehr zu schätzen wissen und darum geneigt sind, Herrn F. in den Kreis unserer geschätzten Leserschaft aufzunehmen. Er hat eine sprachliche, aber auch tief philosophische Frage für uns. Immer wieder würden Personalangaben mit dem Hinweis «ehemalige(r) (beliebige Funktion einsetzbar)» versehen. Das weckt in Herrn F. die dringliche Frage. «Wie lange kann ehemalig eigentlich zurückliegen? Gibt es da so etwas wie eine Halbwertszeit, ein Verfallsdatum?»

Auffallend ist, dass das Wort zweideutig sein kann. Wenn ich sage, mein ehemaliger Lehrer, so bedeutet dies, dass er ehedem mich unterwies, aber nicht zwingend, dass der Lehrer dieses Amt nun nicht mehr ausübt. Der Lehrer könnte für zahlreiche Kinder ohne weiteres der gegenwärtige, derzeitige, momentane und auch zukünftige Lehrer sein – einfach nicht mehr für mich. Entscheidend für die Uneindeutigkeit ist das Possessivpronomen.

Eigentlich ist die Frage aber auch eine Schätzfrage: Es ist keineswegs so, dass es für immer und ewig notwendig ist, das Beiwort zu gebrauchen. Niemand spricht vom ehemaligen Fussballprofi Maradona oder vom ehemaligen Kaiser Barbarossa. Salopp könnten wir sagen: Sind einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte vergangen, oder ist der Todesfall eingetreten, so erlischt die Bedeutung des Wortes – oder die Veranlassung, es zu verwenden (immer auch abhängig vom Bekanntheitsgrad). Wir verzichten darauf, auch wenn wir es könnten, eine exakte mathematische Formel aufzustellen.

Andererseits ist der Anwendungsbereich des Wortes nicht unbeschränkt, man sollte es nicht obsessiv gebrauchen: Für Gegenstände oder Tiere ist der Ausdruck nicht angezeigt. Poeten, die dichteten, «der ehemalige Schnee rinnt als Tauwasser zu Tale», würden im Feuilleton gescholten. Journalistinnen, die schrieben, «die ehemalige Milchkuh startete eine Zweitkarriere als Lebendpreis bei einem Schwingfest» würden der Vermenschlichung von Tieren oder des Stilbruchs geziehen. Zudem ist man bei ehemaligen Magistraten wie Bundes- oder Regierungsräten darauf verfallen, diese mit dem Zusatz «Alt» zu bestücken, man spricht also von Alt-Bundesrat Sowieso und nicht von der ehemaligen Bundesrätin Ohnehin.

Zum Schluss noch dies: Wissen Sie, was eine ehemalige Frage ist? Eine Antwort.

Wir sind nur ehemalige Einzeller, haben uns aber prächtig entwickelt: askforce@derbund.ch