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Geldblog: AnlagestrategieDividendenperlen als Obligationen­ersatz?

Obwohl Aktien mit hoher Dividendenrendite viele Pluspunkte aufweisen, muss man sich bewusst sein, dass man damit höhere Risiken trägt als mit Anleihen von guten Schuldnern.

Nicht gleichwertig: Wer Wert auf hohe Sicherheit legt, kann Franken-Obligationen nicht einfach durch Dividendenperlen austauschen.
Nicht gleichwertig: Wer Wert auf hohe Sicherheit legt, kann Franken-Obligationen nicht einfach durch Dividendenperlen austauschen.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich habe eine Anlagestrategie mit dem Ziel, keine grossen Risiken einzugehen, Kapital zu erhalten und gute Dividenden und Zinsen zu erzielen. Bei den Aktien habe ich zwölf Titel, nämlich Nestlé, Novartis, Roche, Swisscom, BCV, GLKB, LafargeHolcim, Mobimo, SwissLife, SwissRe, Zürich und Schweiter. Da meine Anleihen in Schweizer Franken auslaufen und ich nicht noch mehr in Aktien investieren möchte, hat mir meine Bankerin zwei Aktienfonds empfohlen, den iShares Swiss Dividend EFT (CH) und Xtrackers Stoxx Global Select Dividend 100. Was halten Sie von dieser Empfehlung? Leserfrage von J.K.

Der Ihnen von Ihrer Bankberaterin vorgeschlagene iShares Swiss Dividend ETF (CH) strebt die Nachbildung der Wertentwicklung eines Index an, der aus Schweizer Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen und einer nachhaltigen Dividendenpolitik besteht. Vergleichsindex ist der SPI Select Dividend 20 Index. Der Fonds ist ausschüttend, was Ihrem Ziel nach Ertrag entgegenkommt.

Aktuell weist der ETF eine ansprechende Ausschüttungsrendite von über 3 Prozent aus. Auch punkto Gebühren ist der ETF mit einer tiefen Gesamtkostenquote Total Expense Ratio TER von 0,15 Prozent interessant. Ein Problem sehe ich an einem ganz anderen Ort: Der ETF setzt voll auf Aktien. Dies widerspricht Ihrer in der Frage angesprochenen Absicht, nicht noch mehr in Aktien anlegen zu wollen. Denn die grössten Positionen des Fonds umfassen Aktien des Versicherers Zurich, von Novartis, Roche, Richemont, LafargeHolcim, SGS, Swisscom, Swiss Life, Kühne&Nagel und Adecco. Mehrere dieser Positionen haben Sie bereits als Einzelaktien im Depot.

Obligationen von guten Schuldnern in Schweizer Franken werfen momentan keine oder nur mickrige Zinsen ab.

Auch das zweite Finanzvehikel, das Ihnen Ihre Bankberaterin zum Kauf vorschlägt, fokussiert sich auf Aktien: Der Xtrackers Stoxx Global Select Dividend 100 ist an den gleichnamigen Index gekoppelt, der die Wertentwicklung der 100 Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite in Europa, Amerika und in Asien abbildet. Grösste Positionen sind Fortescue Metals Group, Aegon, Standard Life Aberdeen, Royal Dutch Shell, und UBS. Die Gebühren sind mit einer Gesamtkostenkennziffer TER 0,5 Prozent etwas höher, aber immer noch vertretbar.

Dieses Finanzvehikel hat den Vorteil, dass Sie eine internationale Diversifikation erreichen und Ihr Klumpenrisiko in den Schweizer Aktien nicht noch erhöhen. Beide Instrumente stufe ich grundsätzlich als positiv ein. Wenn Sie diese erwerben, müssen Sie sich aber bewusst sein, dass Sie Ihren Aktienanteil im Depot je nach Höhe der Investitionen massgeblich steigern. Dies bedeutet, dass Sie höhere Risiken und Kursschwankungen in Kauf nehmen müssen. Ihre bisherige Strategie würde sich verändern.

Eigentlich möchten Sie die auslaufenden Schweizer-Franken-Anleihen ersetzen. So einfach ist dies im aktuellen Zinsumfeld nicht. Denn Obligationen von guten Schuldnern in Schweizer Franken werfen momentan keine oder nur mickrige Zinsen ab. Oft lohnt sich ein Engagement angesichts der Gebühren nicht. Oder man muss eine deutlich schlechtere Bonität der Schuldner in Kauf nehmen, was ein höheres Risiko bedeutet.

Die von Ihrer Bank vorgeschlagenen Fonds sind punkto Risiko kein gleichwertiger Ersatz für die auslaufenden Franken-Anleihen. Wer Wert auf hohe Sicherheit legt, kann Franken-Obligationen nicht einfach durch Dividendenperlen austauschen. Letztere finde ich punkto Rendite zwar durchaus interessant. Ich empfehle sie aber nur, wenn jemand bereit ist, höhere Risiken zu tragen.

4 Kommentare
    Michael Studer

    Naja, massiv erhöhte Risiken bestehen heute bei Obligationen ebenfalls - und zwar durch die Geldschwemme! Sollte die Geldmenge sich weiter so ausdehnen, dann werden alle Assetklassen weiterhin ansteigen (also auch Aktien), aber mit der Obligation kann ich daran nicht teilhaben (denn die Zahlungsraten sind ja fix).

    Sollte nun starke Inflation auftreten, werden wohl alle Assetklassen einen starken Rückschlag hinnehmen. Nur, mit Obligationen habe ich ebenfalls dieses Risiko, denn bei z.B. einer Inflation von 5% jährlich und einer Verzinsung von 0.5% verliere ich über eine Laufzeit von 5 Jahren ebenfalls >25% an realem Wert!

    Das einzige Szenario, welches für Obligationen sprechen würde, ist eine Deflation - es gibt aber kaum eine Gesellschaft/Zentralbank, welche dieses Szenario nicht mit allen Mitteln verhindern möchte, denn es würde die Wirtschaft faktisch zum Kollabieren und damit hohe Ausfallrisiken für Ihre Obligation bringen. Sprich: Es gibt leider kein realistisches Szenario an Aktien vorbei.