Er will doch nur spielen

Facebook will die Gamer zurück auf Facebook holen und wird selbst zum Online-Spieleshop.

Spielecenter am PC: Facebook will zum Onlineshop für Games werden.

Spielecenter am PC: Facebook will zum Onlineshop für Games werden.

(Bild: Screeshot Facebook Arcade)

Jan Rothenberger@janro

Einmal mehr greift Facebook einen anderen Onlineriesen frontal an. Nachdem das soziale Netzwerk schon Videos forciert, um Youtube zu konkurrenzieren, geht es nun um Games. Das US-Unternehmen schielt auf den lukrativen Spielemarkt und möchte für Gamefirmen attraktiver werden. Dafür arbeitet Facebook neu mit Unityzusammen. Der Werkzeugkasten für Spieleentwickler bietet die Möglichkeit, Games gleichzeitig für verschiedene Systeme zu bauen. So etwa für PC, Android oder Apples iOS. Neu soll hier auch Facebook hinzustossen.

Zu Facebooks Plänen gehört zusätzlich eine Spiel-App, die sich auf dem PC installieren lässt (siehe Video in der Box). Sie würde analog wie Steam funktionieren, die weltweit grösste dezidierte Spielevertriebsplattform. Steam bedient über 125 Millionen Nutzer und hat sich zum wichtigsten Onlineshop für PC-Spiele entwickelt. 2015 verdiente Steam am Spieleverkauf 3,5 Milliarden Dollar. Wie Facebooks Spielsoftware genau aussehen wird, ist noch offen. Sie soll aber weitgehend losgelöst von Facebooks sonstigem Angebot funktionieren. So wird erwartet, dass weder Status-Updates noch andere Timeline-Funktionen darin auftauchen werden.

Facebook im Sinkflug

Der Grund für die Offensive: Zuckerbergs Unternehmen ist für Spiele immer weniger die erste Adresse. Das 2009 lancierte Spiel «Farmville» steht exemplarisch für diese Entwicklung. Es führte lange Zeit die beliebtesten Facebook-Apps an und brachte den Machern gemäss Schätzungen weit über eine Milliarde Dollar ein. Seither hat Facebook als Spieleplattform an Boden verloren: Vom Höhepunkt 2014 sanken die Erlöse mit Spielen bis heute kontinuierlich.

Schuld sind Android und iOS: Wer sogenannte Casual Games (simple Spiele für zwischendurch) sucht, macht inzwischen immer weniger den Umweg über Facebook. Stattdessen bieten Entwickler Spiele vom Kaliber eines «Bejewelled» oder «Candy Crush» direkt in Apples und Googles App Stores an. Der Gewinn landet damit zunehmend bei diesen, Facebook als Spieleplattform verliert trotz immer grösserer Nutzerzahlen sein Standing bei Zwischendurch-Spielern. Und ein Angebot für komplexere «serious games», wie sie Steam anbietet, fehlte bisher ganz.

Zu Hause für Virtual Reality

Mit seiner neuen Game-Plattform dürfte Facebook zum einen darauf zielen, wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen. Mit seinen derzeit rund 1,7 Milliarden Nutzern hat das Unternehmen die Grundlage, um für Spielemacher zum zentralen Vertriebsweg zu werden. Gleichzeitig hat Facebook mit dem Kauf von Oculus längst Milliarden in das Thema Virtual Reality investiert. Dessen wichtigste Anwendung sind Spiele. Um diese auch gewinnbringend zu vermarkten, braucht Facebook passende Kanäle.

Eine Plattform nach dem Vorbild von Steam könnte das leisten und neben Casual Games zu Kleinstpreisen oder kostenlos auch hochwertigere PC-Games zum bezahlten Download anbieten. Wann die neue Plattform starten soll und wie attraktiv sie für Gamer sein wird, muss sich zeigen.

DerBund.ch/Newsnet

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