Zuckerberg will Posts von Holocaust-Leugnern nicht löschen

Gewaltaufrufe sind auf Facebook verboten. Nun soll das auch für Meldungen gelten, die Gewalt auslösen könnten. Weiterhin toleriert wird die Leugnung des Holocaust.

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Facebook wird künftig Falschmeldungen mit dem Potenzial zu Gewalteskalationen löschen. «Wir ändern unsere Richtlinien und das wird es uns gestatten, derartige Inhalte zu entfernen», gab das weltweit führende soziale Netzwerk am Mittwoch am Unternehmenssitz im kalifornischen Menlo Park bekannt.

Der Schritt zielt Facebook zufolge auf Falschmeldungen, die zu Gewalt beitragen oder beitragen könnten. Dazu zählen etwa Fotos, die bearbeitet wurden, um politische oder gesellschaftliche Konflikte anzuheizen. Die Neuerung bedeutet eine Verschärfung der bisherigen Regeln. Die Verbreitung von Hass und explizite Gewaltaufrufe sind auf Facebook schon verboten. Nun werden auch solche Beiträge erfasst, die Gewalt auslösen könnten.

Das Netzwerk testete seinen neuen Ansatz, die in den kommenden Monaten weltweit greifen soll, in Sri Lanka. Das südasiatische Land erlebte zuletzt eine Welle religiöser Spannungen. Facebook war dabei zur Verbreitung von Falschinformationen genutzt worden.

Nach Angaben des sozialen Netzwerks wurden unter den neuen Regeln in Sri Lanka etwa «Fake News»-Beiträge gelöscht, in denen Muslimen vorgeworfen wurde, an Buddhisten verkauftes Essen zu vergiften. In den nächsten Wochen sollen diese Regeln weltweit eingeführt werden. Bei der Identifizierung verdächtiger Meldungen will Facebook demnach mit örtlichen Organisationen und den Behörden zusammenarbeiten.

Holocaust-Leugner werden nicht gesperrt

Nach Ansicht von Facebook-Chef Mark Zuckerberg sollen Holocaust-Leugner in dem sozialen Netzwerk nicht gesperrt werden. Ziel seines Netzwerks sei nicht, User davon abzuhalten, etwas Unwahres zu sagen, sondern die Verbreitung von Falschnachrichten zu stoppen.

Er finde die Leugnung des Völkermords an europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg zwar «tief beleidigend», sagte Zuckerberg in einem Interview mit dem Technikblog «Recode». Inhalte auf seiner Plattform sollten aber lediglich verboten werden, wenn sie für den Angriff auf jemanden verwendet würden oder Schaden erzeugten. Zuckerberg ist Jude.

Verbreitung von falschen Informationen stoppen

In dem Gespräch erklärte er, es gebe seiner Meinung nach Dinge, die unterschiedliche Leute falsch verstehen würden, ohne aber die Absicht dazu zu haben. Redakteurin Kara Swisher entgegnete darauf, im Falle von Holocaust-Leugnern sei wahrscheinlich doch möglich, dass sie absichtlich Falsches verbreiteten.

In einem auf das Interview folgenden Nachtrag stellte Zuckerberg klar, Holocaust-Leugner nicht verteidigen zu wollen. Ziel seines Netzwerks sei aber nicht, User davon abzuhalten, etwas Unwahres zu sagen - sondern die Verbreitung von Falschnachrichten und falschen Informationen über Facebook zu stoppen.

Zuckerbergs erste Anmerkungen hatten für Kritik gesorgt. Unter anderem beklagte die Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League, Facebook habe eine «moralische und ethische Verpflichtung», Nutzern die Verbreitung der Holocaustleugnung zu verbieten. (scl/sda/afp)

Erstellt: 19.07.2018, 04:10 Uhr

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