Einladung weggeklickt

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Welche Menschen stecken hinter empörten Onlinekommentaren auf Newsseiten? Schweizer Radio und Fernsehen wollte sie kennenlernen – mit ernüchterndem Ergebnis.

Kommentarschreiber können bisweilen ganz schön bös sein, sind aber völlig harmlos. Bild: Reuters

Kommentarschreiber können bisweilen ganz schön bös sein, sind aber völlig harmlos. Bild: Reuters

«Linkes Staatsfernsehen», «Zwangs-Gebühren-Sender zum Wegzappen», «Das schaut doch eh keiner»: Derartige Leserkommentare in Onlinemedien sind garantiert, wann immer eine Schlagzeile das Kürzel SRF enthält. Ganz egal, wovon der Beitrag konkret handelt – ob schlichte Mitteilung über einen Moderationswechsel oder medienpolitischer Hintergrundbericht, spielt da offensichtlich keine Rolle.

Das Phänomen ist nicht neu und auch nicht weiter erstaunlich. Aus der Theorie wissen wir, dass das Fernsehen Gesellschaft schafft. Es ermöglicht jedem, auf bequeme Art in Kontakt zu anderen Menschen zu treten. Fernsehen verbindet, begleitet durch den Alltag, jeder kennt es, jeder kann mitreden. Und natürlich kann sich jeder entsprechend leicht darüber empören.

Hinzu kommt nun die Kommentarfunktionen auf Newsseiten im Internet. Sie ist ebenfalls ein Mittel, das einen sehr einfach Teil einer Gemeinschaft werden lässt. Per Mausklick quasi, unkomplizierter als mit dem klassischen Leserbrief jedenfalls, und mit ungleich prominenterer öffentlicher Wirkung.

Erwiesen ist, dass die derart veröffentlichte Meinung nicht mit der tatsächlichen öffentlichen Meinung übereinstimmt. Die 100 Fernsehformate mit den meisten Zuschauerinnen und Zuschauern im ersten Halbjahr 2012 waren SRF-Sendungen. Also doch: Ein Fernsehen zum «Gernsehen», nicht zum Wegzappen.

Dennoch: SRF nimmt die in Online-Kommentaren geäusserten Feedbacks ernst. Uns geht es vor allem um die Menschen dahinter, wir suchen den differenzierten Austausch mit ihnen – und die Möglichkeit dazu ist online begrenzt. Erfahrungsgemäss entstehen in Kommentar-Communitys weniger Dialoge, in denen auch Zwischentöne ihren Platz finden, sondern vielmehr eine Art Pro-und-Kontra-Hickhack in Schwarzweiss.

Uns war es ein Anliegen, unseren Online-Kritikern persönlich zu begegnen, um mit ihnen real ins Gespräch zu kommen. Für Kommentarverfasser, die sich nicht hinter Pseudonymen verstecken, konzipierten wir diesen Sommer eine exklusive Besuchsmöglichkeit im Fernsehstudio Leutschenbach, mit Führung hinter die Kulissen sowie der Diskussion mit Geschäftsleitungsmitgliedern und bekannten TV-Protagonisten.

Leider war die Resonanz auf unsere schriftlichen Einladungen und das telefonische Nachfassen ernüchternd. Die 25 Angefragten zeigten – bis auf eine Person, die es sich letztlich doch anders überlegte – kein Interesse daran, ihre Anliegen persönlich vor Ort einzubringen. Trotz des Scheiterns dieser ersten derartigen Offensive bleiben wir aber unbedingt offen; wir sind unserem Publikum verpflichtet. Wer sich bei uns meldet und sich gerne mit uns auseinandersetzen will, kann auch weiterhin mit unserer Gesprächsbereitschaft rechnen. Und vielleicht kommt irgendwann doch noch ein Get-together zwischen kritischen Kommentierenden und dem vermeintlichen «Staatsfernsehen» zustande.

DerBund.ch/Newsnet

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