So werden Fotos lebendig

Apple bewirbt sein neuestes Smartphone mit der Funktion Live Photos. Es gibt aber noch viele weitere Möglichkeiten, um die Pixel zum Tanzen zu bringen. Hier eine Auswahl.

Bild für Bild: Wallace & Gromit erwachen per Stop-Motion-Prinzip zum Leben – auch per Tablet. Foto: Look Now! Filmverleih

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Automatische Bewegung: Wie die Zeitungsfotos bei Harry Potter

Auf dem neuen iPhone kommt Leben in die Fotosammlung. Wenn man durch die Fotogalerie wischt, fährt plötzlich ein Tram vorbei oder ein Baby lächelt einen an. Auch wenn das ein bisschen aussieht wie die lebendigen Zeitungsfotos bei Harry Potter, hat das nichts mit Magie zu tun. Das Telefon zeichnet automatisch 1,5 Sekunden vor und nach dem Knips zusätzlich zum Foto ein Video auf. HTC hatte die Funktion schon 2013 als Zoe vorgestellt. Mit der Marktmacht von Apple wird sie nun einem breiteren Publikum zugänglich.

Auch Google Fotos erweckt die eigenen Schnappschüsse ohne eigenes Zutun zum Leben. Dazu kombiniert der Archivdienst ähnliche Fotos und erstellt daraus eine Art digitales Daumenkino. Das Problem bei all diesen Tricks ist es, dass man sie nur schwer mit Freunden teilen kann – gerade wenn sie statt Google Apple verwenden oder umgekehrt. Die Google Animationen kann man immerhin als GIF herunterladen oder neuerdings über Whatsapp und den Facebook Messenger teilen. Bei Apples lebendigen Fotos werden solche Funktionen auch noch folgen. Da brauchen die Entwickler nur noch etwas Zeit. (zei)

Panorama und 3-D: Grosse Panoramen und lebendige Miniaturen

Wenn man Fotos statt hintereinander nebeneinander anordnet, entsteht ein anderer Effekt: In der einfachsten Form gibt das ein Panorama. Das Smartphone kombiniert mehrere Fotos zu einem einzigen. Fast jedes Handy kann das heute. Wie gut die Software ist, erkennt man daran, dass der Horizont oder Hochspannungsleitungen keine Zacken haben.

Spektakulärer als Panoramas sind aber andere Varianten derselben Technologie. Man kann so nämlich auch virtuelle Räume oder 3 D-Objekte erstellen. Ganz einfach geht das mit Googles Foto-Sphären. Der Dienst zeigt einem Schritt für Schritt, welches Foto man als nächstes machen muss. Für Android gibt es die Funktion gratis in der Google Kamera und für das iPhone in der Streetview App. Am besten klappt das auf öffentlichen Plätzen. In engen Räumen stösst die App an ihre Grenzen. Ist das Rundum- Foto da, kann man es auf dem Handy entweder als riesiges Foto betrachten oder als virtuellen Raum.

Andersrum funktionieren 3 D-Apps. Damit macht man mehrere Fotos von einem Gegenstand, auf dem Handybildschirm wirkt er dann dreidimensional. Samsungs neuste Smartphones haben die Funktion schon eingebaut. Seene (gratis für Android und iOS) kann das auch. Man macht bei der Aufnahme eine Schwenkbewegung ums Motiv im Zentrum. Daraus wird eine dreidimensionale Szene berechnet, die dann aufs Neigen und Kippen des Telefons reagiert – als ob man eine Miniatur in der Hand halten würde. Falls man eine Virtual-Reality-Brille besitzt, kann man seine Szenen damit stereoskopisch betrachten. (zei/schü.)

Animierte GIF: Daumen hoch für das Daumenkino

Das Uralt-Grafikformat GIF erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Es ist noch vor dem Internet entstanden und ermöglicht nicht nur Standbilder, sondern auch kurze, daumenkinoartige Sequenzen. Die Kreation dieser Kurzclips ist nicht ganz trivial, gerade wenn sie sich ohne Bruch wiederholen lassen sollen – das heisst, das Ende wieder genau zum Anfang passen soll.

Es geht aber auch einfach: Um den Ausschnitt aus einem Youtube-Video in ein animiertes GIF zu verwandeln, geben Sie in der Adresse «Gif» vor Youtube ein: Der Dienst Gifyoutube.com macht dann den Rest.

Wenn man selbst ein GIF erstellen möchte, hat sich die App 5s GIF bewährt (gratis für Android und iOS). Ähnlich wie wenn man ein Video aufzeichnet, filmt man mit der App eine kurze Sequenz, und schon bekommt man ein animiertes GIF. Man kann aber auch ­früher geschossene Fotos oder Videos zu einem GIF kombinieren. (schü./zei)

Cinemagramme: Hat dieses Foto gerade geblinzelt?

Ein Cinemagramm ist eine Aufnahme, die auf den ersten Blick wie ein Standbild wirkt – auf den zweiten Blick aber eine mehr oder weniger unauffällige, repetitive Bewegung enthält: Da bewegen sich in einer Landschaftsaufnahme sanft die Grashalme im Wind oder es werden einige Blätter in die Höhe gewirbelt. In einem Porträt oder Selfie zwinkert die abgebildete Person plötzlich mit dem Auge. Und im Cheminée prasseln die Flammen.

Apps für diesen kleinen Trick gibt es zuhauf: Cinemagr.am, Flixel oder Cinemagraph fürs iPhone, Fotodanz oder Pictoreo für Android stehen zur Wahl. Die Erstellung ist jeweils ähnlich: Man nimmt ein kurzes Video auf, trimmt das auf die gewünschte Bewegung und markiert per Finger auf dem Display den Bereich, der sich bewegen soll. (schü.)

Zeitraffer: Faszinierend, aber technisch anspruchsvoll

Zeitraffer-Aufnahmen sind faszinierend, weil sie unseren Erfahrungshorizont erweitern: Sie verdichten die Zeit auf eine Weise, wie wir sie in Realität nie erleben. Träge über den Himmel wandernde Wolken in einen Temporausch versetzen und Passantenströme in brodelnde Menschenmassen verwandeln. Der Zeitraffer ist inzwischen, wie die Zeitlupe, eine Standardfunktion der Standard-Kamera-Apps, jedoch mit beschränkten Möglichkeiten. Eine Extra-App lohnt sich wegen der Einstellungsmöglichkeiten. Timelapse (5 Fr. für iPhone) stellt Vorlagen mit dem passenden Beschleunigungsfaktor für diverse Gelegenheiten bereit – Wolken, Menschenaufläufe oder Autofahrten.

Naheliegend auch die Idee, mittels Zeitraffer Wanderungen oder Velofahrten zu dokumentieren. Die Beschleunigung macht Distanzen eindrücklich erfahrbar. Aufnahmen bei Bewegung leiden aber oft der unruhigen Kamera: Beim Zeitraffer summieren sich auch kleine Bewegungen zu unerträglichem Schaukeln. Die App Hyperlapse von Instagram (kostenlos für iPhone) reduziert das Wackeln auf ein akzeptables Mass. Noch effektiver ist die gleichnamige App von Microsoft (Hyperlapse ist gratis für Android und Windows Phone erhältlich): Sie rechnet das Auf und Ab beim Gehen so effektiv weg, dass das Video wie auf Schienen gefilmt wirkt. (schü.)

Stop Motion und Zeichentrick: Apps, die ernsthafte Kreativität fördern

Ein Film ist nichts anderes als eine Parade von Einzelbildern. Diesen Umstand machen sich Apps zunutze, mit denen sich Stop-Motion- und Zeichentrickfilme erstellen lassen. iStopmotion (10 Fr. fürs iPad) oder Flipaclip (kostenlos für Android) fotografieren Szenen Bild für Bild. Damit Bewegung in die Sache kommt, werden die Akteure – zum Beispiel Lego-Männchen, Gliederpuppen oder Knetfiguren à la Wallace and Gromit – zwischen jeder Aufnahme leicht versetzt positioniert. Beim Abspielen wird aus den eingefrorenen Posen eine flüssige Bewegung. Die Apps unterstützen den Prozess der Stop-Motion-Animation mit dem «Onion Skinning»: Das Live­kamerabild wird mit der letzten ­Aufnahme überlagert, sodass sich der Bewegungsablauf Bild für Bild kontrollieren lässt – und sichergestellt ist, dass er sauber fortgeführt wird.

Animation Desk funktioniert ähnlich, wobei in dieser App (für Android und iPad) die Bilder nicht fotografiert, sondern am Touchscreen mit virtuellem Pinsel, Farb- oder Wachsstift gezeichnet werden. Auch hier kann man vorherige Bilder überblenden, um mit jedem Bild ans vorherige anzuschliessen. Diese App gestattet es, Hintergrund, Mittelfeld und Vordergrund ­separat zu zeichnen: Der Hintergrund kann dabei für eine Szene unverändert bleiben und auch aus einer fotografierten Szene bestehen, sodass nur die ­Figuren Bild für Bild neu gezeichnet werden müssen. Bild für Bild Filme zu erstellen, ist eine Geduldsprobe. Für flüssige Bewegungen muss man mindestens 6, besser 12 Bilder pro Sekunden fotografieren oder malen. Doch wenn Knet- oder Strichmännchen zum Leben erwachen, dann ist das allemal beeindruckend – selbst wenn es nur für ein paar Sekunden ist. (schü.)

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.10.2015, 23:49 Uhr

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