Zum Hauptinhalt springen

Gib dem Affen ein iPad

Nicht nur Menschen begeistern sich für Tablets. In einem amerikanischen Zoo nutzen Orang-Utans ihre iPads zur Unterhaltung und für Internet-Dates.

Bildschirm-Date: Mahal sieht sich ein Video eines anderen Orang-Utans an.(28. März 2012)
Bildschirm-Date: Mahal sieht sich ein Video eines anderen Orang-Utans an.(28. März 2012)
AFP

Der junge Orang-Utan langt mit seiner Hand durch die Gitterstäbe und streicht über ein iPad, was auf dem Bildschirm bunte Farbkleckse entstehen lässt. Kurz darauf presst Mahal sein Gesicht gegen das Gitter, streckt seine Zunge heraus und berührt damit den Tablet-Computer, aus dem daraufhin der Lieblingssong des jungen Menschenaffen ertönt – «Twinkle, Twinkle, Little Star».

Schon bald sollen Mahal und seine beiden Artgenossen im Zoo von Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin das iPad auch nutzen können, um sich mit Orang-Utans in anderen Zoos zu Bildschirm-Dates verabreden zu können – so hoffen wenigstens ihre Betreuer.

Mahal und die beiden anderen iPad-erprobten Orang-Utans von Milwaukee finden es aufregend, wenn ihnen einfache Orang-Utan-Videos auf dem iPad gezeigt werden. Die Betreuer vermuten jedoch, dass sich die Primaten für regelrechte iPad-Verabredungen mit Artgenossen anderswo – und damit für Live-Videos von anderen Orang-Utans – noch mehr begeistern werden. «Wir sind gespannt, wohin uns das führt», sagt Trish Kahn, die im Zoo von Milwaukee für die Menschenaffen zuständig ist: «Natürlich kann es auch passieren, dass ihnen das völlig egal ist», meint sie: «Aber ich glaube, sie verstehen, dass sie da einen anderen Orang-Utan in Echtzeit sehen.»

Vor Lethargie bewahren

Knapp ein Jahr nachdem der Zoo die iPads als eine Art Beschäftigungstherapie für die Orang-Utans eingeführt hat, wird das Menschenaffenhaus nun Wi-Fi-tauglich gemacht, damit die Tiere sich tatsächlich untereinander verabreden und dabei von den Besuchern per Webcam beobachtet werden können.

Mehrere andere Zoos stellten ihren Orang-Utans mithilfe der Non-Profit-Organisation Orangutan Outreach inzwischen ebenfalls Tablet-Computer zur Verfügung, nachdem das Experiment in Milwaukee sich als so erfolgreich erwiesen hat.

Die Menschenaffenbetreuer verfolgen mit ihrer Computerstrategie gleich zwei Ziele: Zum einen wollen sie die wissbegierigen Säugetiere auf intelligente Weise beschäftigen und so vor Lethargie bewahren. Zum anderen sollen sich die Zoobesucher für die Orang-Utans begeistern: «Es ist sehr wichtig, dass die Menschen eine Verbundenheit mit diesen Tieren fühlen, denn in der freien Wildbahn sind sie vom Aussterben bedroht», sagt Trish Kahn. «Für mich ist es am allerwichtigsten, dass die Leute feststellen, dass es sich hier um empfindsame Lebewesen handelt, die einfach unglaublich sind.»

BBC-Naturfilme hoch im Kurs

Abgesehen von ihren iPad-Spielereien im Fütterungsbereich bekommen die Orang-Utans von Milwaukee auch richtige Video-Shows vor Publikum zu sehen: Scott Engel, der sich im Zoo ehrenamtlich um die Menschenaffen kümmert, führt den Orang-Utans auf dem iPad durch eine dicke Glasscheibe Filmchen vor. Engel, ein freier Fotograf, war es auch, der das iPad-Programm für die Orang-Utans in Milwaukee ins Leben rief und für den Start sein altes iPad anbot. Mittlerweile zeigt er den Orang-Utans mehrmals in der Woche Videos. «Es ist wunderbar, Verbindung mit einem Tier aufzunehmen – das kann den Tag richtig hell machen», sagt Engel.

Engels Lieblingsmomente sind jene, wenn das introvertierte und scheue 30-jährige Orang-Utan-Männchen Tommy aus seinem Winkel hervorkommt, um ihn zu begrüssen. Lange Zeit verbrachte Tommy seine Tage damit, sich vor dem Zoopublikum zu verstecken oder den Zuschauern den Rücken zuzukehren. Erst das iPad-Experiment und die Videos, die es auf dem kleinen Bildschirm zu sehen gibt, haben das geändert.

Bei Engels Video-Shows versammeln sich regelmässig Scharen von Besuchern und löchern den ehrenamtlichen Affenbetreuer mit Fragen zu den Orang-Utans. Gelächter ertönt, wenn Engel berichtet, dass der noch junge Mahal sich am liebsten Filme mit Pinguinen ansieht, während seine Adoptivmutter MJ sich eher für BBC-Naturfilme von David Attenborough erwärmt. MJ ist es übrigens auch, die fordernd an die Scheibe klopft, damit Engel endlich das nächste Video startet.

AFP/kle

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch