Zum Hauptinhalt springen

Erkennen Sie den Unterschied?

In einem Video steht ein Werbeplakat für Produkt A. Zwei Wochen später wird Produkt B beworben – im gleichen Video, an derselben Stelle. Eine neue Technik machts möglich, Kenner sehen darin eine Revolution.

Ist ein Video gedreht, geschnitten und veröffentlicht, dann bleibt es so. Diese Aussage trifft künftig nicht mehr zu. Mit einer neuen Technologie ist es möglich, Werbung in Filmdecors einzufügen, nachdem die Streifen bereits fertig produziert sind.

Die Technologie der britischen Firma Mirriad gewann im letzten Jahr einen Oscar. Nun soll sie erstmals im breiten Markt zur Anwendung kommen. Universal Music Group öffnet die Videos seiner Künstler für die Agentur Havas. In einer ersten Kampagne wird in einem Video des schwedischen Tanz-DJs Avicii eine Werbung für die Spirituose Grand Marnier eingefügt, berichtet das Trendmagazin «Mass Appeal».

Als wäre es schon beim Videodreh dort gewesen, wird ein Werbeplakat an einer Wand prangen, an der der Musiker vorübergeht (siehe Screenshot oben, das Video war nach kurzer Zeit mit Login geschützt).

Die erste Kampagne werde im Video für «Lay Me Down» gefahren, am 30. September 2014 war davon aber noch nichts zu sehen: «Lay Me Down» von Avicii. (Video: Youtube)

Die neue Technologie dürfte laut dem Magazin die In-Video-Werbung revolutionieren. Firmen können ihre Produkte für die Dauer einer Kampagne platzieren, danach bucht ein anderer Kunde den Werbeplatz. Oder die Werbung wird ganz entfernt. Auch die Produktion der Musikvideos wird beschleunigt und vereinfacht. Die Produzenten müssen nicht mehr vor Drehbeginn mit Firmen verhandeln, wie ihre Produkte dargestellt werden sollen. Das kann nun im Nachhinein erfolgen.

Dabei hilft die Software, in Videos geeignete Flächen wie Wände oder Kaffeetassen aufzuspüren. Danach können mit Hilfe der Technologie Bilder, Videos und auch die (virtuellen) Produkte eingefügt werden.

Universal Music will die Interessen der Musiker wahren. Diese sollen so eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit erhalten, wie Universal-Chef Lucian Grainge im «Guardian» sagt.

Werbeflut? Firmenchef beschwichtigt

Mark Popkiewicz, Chef der Firma Mirriad, die die Technologie entwickelt und vermarktet, relativiert seine Software gegenüber der BBC. Produkte in einem Stück oder einer Show zu platzieren sei nichts Revolutionäres. «Das wird schon seit 100 Jahren gemacht», sagt Popkiewicz.

Auch die Gefahr, dass wir bald noch mehr mit Werbung bombardiert werden, sieht er nicht. Im Gegenteil. Bei der neuen Technologie handle es sich um eine Form der Werbung, die nicht aufdringlich sei. Zahlreiche Studien weltweit hätten gezeigt, dass Menschen solche Werbung besser aufnehmen. Man störte sich viel eher an Werbeunterbrüchen in laufenden Sendungen. Oder an den Spots, die vor dem Beginn eines ausgewählten Videos abgespielt werden.

Ausserdem wolle man mit der neuen Technologie Produkte bewerben, die man in den Videos auch erwarten würde. Im Stück eines Tanz-DJs sollten demnach nicht etwa Reinigungsmittel für die dritten Zähne auftauchen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch