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Computerspiele nutzen Schülern und Chirurgen

Eltern sollten Computerspiele vielleicht doch nicht zu schnell aus den Zimmern ihrer Kinder verbannen: Der Gamer von heute ist vielleicht der Top-Chirurg von morgen.

Weniger strategisch: Ältere Kinder scheinen mehr daran interessiert zu sein, einfach das Spiel zu spielen.
Weniger strategisch: Ältere Kinder scheinen mehr daran interessiert zu sein, einfach das Spiel zu spielen.
Keystone

Forscher, die sich in Boston zu einer Tagung des Amerikanischen Psychologenverbands versammelten, stellten Untersuchungen vor, wonach Computerspiele das Lernen unterstützen können. So können Schüler Strategien zur Problemlösung trainieren, während Chirurgen nebenbei ihre Fingerfertigkeit verbessern.

In einer Studie der Universität Fordham wurden 122 Schüler der fünften, sechsten und siebten Klasse aufgefordert, während eines ihnen unbekannten Computerspiels laut zu denken. Die Wissenschaftler erklärten, ältere Kinder schienen mehr daran interessiert zu sein, einfach das Spiel zu spielen. Die jüngeren dagegen hätten sich Zwischenziele gesetzt, um das Spiel besser kennenzulernen. «Die jüngeren Kinder konzentrieren sich stärker auf die Planung und Problemlösung, während die Jugendlichen sich weniger auf die Strategie konzentrieren und mehr auf das Hier und Jetzt», sagte die Psychologin Fran Blumberg. «Sie denken weniger strategisch als die jüngeren Kinder.»

Ihre Kollegen Douglas Gentile und James Rosser von der Staatlichen Universität in Iowa verglichen Chirurgen, die Computerspiele spielen, mit solchen, die das nicht tun. Die spielenden Chirurgen lagen in dem Vergleich knapp vorn, selbst wenn Faktoren wie das Alter oder die Berufserfahrung in der minimal-invasiven Chirurgie herausgerechnet wurden. In einer Studie mit 33 laparoskopischen Chirurgen stellte sich heraus, dass die spielebegeisterten Ärzte bei komplizierten Eingriffen 27 Prozent schneller waren und 37 Prozent weniger Fehler machten.

«Sind Sie ein Gamer?»

In einer zweiten Studie mit 303 Chirurgen stellten Gentile und Rosser fest, dass die Computerspiele offenbar die Fingerfertigkeit und das räumliche Denken verbesserten. «Die erste Frage, die man seinem Arzt vielleicht stellen sollte, lautet 'Wie viele von diesen Operationen haben Sie schon gemacht?' und die zweite sollte sein 'Sind Sie ein Gamer?'», sagte Gentile.

Computerspiele scheinen aber auch das wissenschaftliche Denken zu schulen. Forscher der Universität von Wisconsin in Madison untersuchten 2000 Einträge in Chat Rooms zu dem Rollenspiel «World of Warcraft». In der Mehrheit des Posts (86 Prozent) gaben die Spieler ihr Wissen zur Problemlösung im Spiel weiter. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) verwendeten dabei nach Erkenntnis der Forscher systematische Prozesse. Die Foren zeigten, dass die Computerspieler eine Umgebung geschaffen hätten, in denen sie formlos wissenschaftliches Denken erlernten, sagte Sean Duncan, der an der Studie mitwirkte.

Doch nicht alle Neuigkeiten von der Tagung in Boston waren gute. Andere Studien bestätigten frühere Erkenntnisse, nach denen Schüler, die Gewaltspiele spielten, tendenziell feindseliger auftreten, schwerer vergeben können und gewalttätiges Verhalten als normal betrachten. Und diejenigen, die weniger auf die Strategie abzielende Spiele nutzten, schnitten schlechter in der Schule ab und hatten ein höheres Risiko für Übergewicht.

http://www.apa.org

AP/grü

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