Nachgefragt

«Von uns gibts keine riesigen Plakate»

Wie geht ein Youtube-Star mit seinem Erfolg um, und kann er davon leben?

«Im Prinzip ist es ja so, dass wir Spiele spielen und andere einladen, uns dabei zuzusehen»: Gamer an der Gamescom in Deutschland (19. August 2012). Foto: Roland Weihrauch (EPA, Keystone)

«Im Prinzip ist es ja so, dass wir Spiele spielen und andere einladen, uns dabei zuzusehen»: Gamer an der Gamescom in Deutschland (19. August 2012). Foto: Roland Weihrauch (EPA, Keystone)

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Wie oft haben Ihre Eltern kritisiert: «Dennis, du verschwendest dein Leben mit den Games!»?
Keinmal.

Nicht ein Mal?
Nein. Die haben ein Hobby bei mir entdeckt und haben mich das ausleben lassen. Aber ich war halt auch noch in vier oder fünf Vereinen zeitgleich, etwa bei der Pfadi oder im Badminton. Und Zocken war nur eins dieser Hobbys. Da ich auch viele soziale Kontakte hatte und in der Schule ganz gut war, hat es meine Eltern nicht gestört.

Haben Sie sich damals schon vorstellen können, einmal mit Spielen Geld zu verdienen?
Nö, gar nicht. Ich habe ja auch mit Betriebswirtschaft etwas Grundständiges studiert und als Personalberater gearbeitet, was ich auch immer noch tue. Inzwischen aber nur noch auf selbstständiger Basis. Dass wir mit unserem Projekt ein Publikum in dieser Grösse erreichen würden, hätten wir nie gedacht. Im Prinzip ist es ja so, dass wir Spiele spielen und andere einladen, uns dabei zuzusehen.

Kann man das denn Arbeit nennen?
Das ist nur schon deshalb Arbeit, weil eine 60-Stunden-Woche gar kein Problem ist. Normalerweise fangen wir erst abends an mit dem Gamen. Danach haben wir den Schnitt, den Ton und den ganzen administrativen Kram, der da anfällt. Da demnächst die Spielemesse E3 ansteht, müssen wir im Moment auch Vorproduktionen machen. Zudem fliegen wir nächste Woche noch zwei Tage nach München und nehmen dort für einen anderen Kanal Videos auf, und am Wochenende kommt noch ein Videopreis dazu. Da summieren sich die Stunden also ganz schnell. Aber das macht auch Spass.

Wie gut können Sie davon leben?
Ganz gut.

Aber den Nebenjob als Berater brauchen Sie noch?
Das ist halt die Frage des Lebensstandards, den man führen möchte. Es ginge sicher ohne, deutlich angenehmer ist es aber, wenn ich noch als Personalberater arbeite.

Ab wie vielen Youtube-Abonnenten kann man denn davon leben, oder darf man darüber keine Auskunft geben?
Dazu kann ich leider nichts sagen.

Wie viele Abonnenten haben Sie denn im Moment?
Einskommafünfsechs oder so, aber ich kann kurz nachschauen: 1'550'000 ziemlich genau.

Fühlt man sich da als Star, wenn man so viele Abonnenten hat?
Gar nicht. Wenn ich irgendwo erkannt werde, werde ich immer noch nervös. Es ist immer wieder faszinierend, wenn einen Leute kennen, die man selbst gar nicht kennt. Wenn man dann aber mal auf einer Bühne steht, ist das schon ein berauschendes Gefühl. Aber wir versuchen immer, nah am Publikum zu sein. Ich fühl mich halt nicht «famous». Darum gibts von uns auch nicht riesige Plakate. Wir sind bekannt, aber nicht berühmt.

Was macht es so spannend, anderen beim Spielen zuzuschauen?
Die Frage beantworte ich immer gleich: Ich hab keinen Schimmer. Kürzlich habe ich auch einen Abend auf Youtube verbracht und bin bei einem Video hängen geblieben. Ganze drei Stunden dauerte es. Es zeigte eine Gefängnis-Simulation. Ich sass ganz fasziniert davor, obwohl der Spieler immer nur Mauern und automatische Türen baute. Ich wollte einfach immer sehen, wies weitergeht. Zum einen ist es spannend, zum anderen entspannend.

Wie lange spielen Sie täglich?
Privat, also ausserhalb der Aufnahmen, spiele ich weniger. Aber gestern habe ich vier Stunden aufgenommen. Manchmal sinds aber auch fünf, wenn viel los ist. Aber in der Regel sinds etwa drei Stunden.

Schauen Sie selbst noch Fernsehen?
Gar nicht. Also ich hab das letzte Mal den Fernseher zu einer Wahl kurz angemacht. Ich weiss gar nicht mehr welche. Doch, es war der Eurovision Song Contest.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.05.2014, 09:34 Uhr

Dennis Brammen alias «Br4mm3n»

Der 26-jährige Deutsche betreibt zusammen mit seinen Kollegen den Youtube-Kanal Piet Smiet. Seit 2011 veröffentlichen sie dort Spielvideos.

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