Laptop-Power für das iPad

Apple hat neue Funktionen vorgestellt, die das Tablet zum fast vollwertigen Ersatz der herkömmlichen mobilen Computer machen.

An der Entwicklerkonferenz schlug die Stunde von Apples Softwarechef Craig Federighi. Foto: Jeff Chiu (AP, Keystone)

An der Entwicklerkonferenz schlug die Stunde von Apples Softwarechef Craig Federighi. Foto: Jeff Chiu (AP, Keystone)

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Keine neuen Apple-Geräte? Keine Panik! An Entwicklerkonferenzen geht es um Software. Solche Anlässe sind die Start­rampen für Geräte, die später folgen. Die steilste Rampe hat Apple an der diesjährigen WWDC-Konferenz dem iPad gebaut. Das in die Jahre gekommene Tablet bekommt, wenn im Herbst die neue iOS‑9-Software ausgeliefert wird, nochmal so richtig Schub.

Das iPad war schon immer ein gutes Arbeitsgerät – wenn auch mit zahlreichen Einschränkungen. Eine Limitation will Apple nun überwinden. Im Herbst, wenn iOS 9 fertig ist, kann das Tablet mehrere Apps nebeneinander auf dem Bildschirm darstellen, wie man es sich vom heimischen Laptop oder dem Büro-Computer gewohnt ist. Man kann parallel den Kalender und die E-Mail-App offen halten. Oder schnell ein Kommunikationsprogramm öffnen, ohne den Artikel, den man gerade liest, aus den Augen zu verlieren. Für viele Menschen sei das iPad inzwischen zum einzigen Computer geworden, sagte der Apple-Manager Craig Federighi bei der Präsentation. Mit dieser Neuerung erfüllt das iPad seine Rolle noch besser. Allerdings läuft die Multitasking-Funktion nur auf dem iPad Air 2, dem neuesten Tablet.

Das iPad schliesst nicht nur wegen des Multitaskings zum PC auf. Auch die Bildschirmtastatur und der Umgang mit angeschlossenen Tastaturen werden verbessert. Neu kann man mit zwei Fingern auf der Touchtastatur den Cursor im Text bewegen. Fast so wie mit ­einem Laptop-Touchpad. Zusätzlich unter­stützt das iPad auf externen Tastaturen zahlreiche Tastaturkürzel.

Kommt ein Jumbo-iPad?

So richtig zur Entfaltung kommen werden die neuen Funktionen Ende Jahr, wenn Apple wie gewohnt die neuen Tablets vorstellt – denn wie üblich sind die Neuerungen auf die kommenden Geräte abgestimmt. Wenn Apple tatsächlich ein grösseres iPad in Arbeit hat, so wie im Netz spekuliert wird, dann wäre das neue iOS das ideale Betriebssystem für dieses Jumbo-Tablet. Mit dem Surface Pro 3 hat Microsoft vorexerziert, dass ein Tablet einen Laptop ersetzen kann. Im Vergleich dazu fehlt dem iPad zwar eine offizielle Tastatur und auch ein Stift. Von Drittanbietern gibt es beides in zahlreichen Varianten und Preisklassen zu kaufen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Apple im Rahmen der Professionalisierung des Geräts in Zukunft beides selbst anbieten wird.

Die neuen Funktionen für das iPad zeigen noch etwas Zweites auf: Die mobilen Betriebssysteme nähern sich immer mehr den altgedienten PC-Betriebs­systemen an. iOS und Android sind längst nicht mehr minimalistische Systeme. Mit jedem Jahr müssen sie sich weniger vor OS X und Windows verstecken.

Aber auch der gegenläufige Trend lässt sich beobachten. Wenn man sich die Präsentation in San Francisco ansah, drängte sich einem unweigerlich ein Gedanke auf: Die neueste Version des Desktop-Betriebssystems OS X liesse sich gut über einen Touchscreen bedienen. Ein solches Gerät gibt es aktuell nicht, und es wäre eine Überraschung, wenn Apple etwas in die Richtung vorstellen würde.

Bei Windows andererseits gehört die Touchbedienung seit mehreren Versionen zum Programm. Mit Windows 10, das auf Ende Juli erscheint, wird die Doppelfunktion sogar noch ausgebaut. Es gibt einen Tabletmodus, der die ­Arbeit mit Touchscreens ohne Tastatur zusätzlich erleichtern wird.

Je mehr sich die unterschiedlichen Plattformen angleichen, desto mehr verlieren Betriebssysteme an Bedeutung –und umso wichtiger werden Apps und Dienste. Das haben die Entwicklerkonferenzen von Apple, Google und Microsoft gezeigt, die in den letzten Wochen stattfanden. Eine Plattform, die sich nicht auf die Unterstützung einer möglichst grossen Entwicklergemeinschaft verlassen kann, ist zum Scheitern verurteilt. Die Apps und deren Schöpfungskraft bringen eine Plattform voran. Das Betriebssystem verkommt zur unscheinbaren Unterlage.

Die Reise an die ­Entwicklerkonferenz in San Francisco erfolgte auf Einladung von Apple. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.06.2015, 00:16 Uhr

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