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Umstrittene arabische App hat Erfolg in der Schweiz

Sarahah ist bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Doch Nutzer warnen: Über den Messenger werde vor allem Hass verbreitet.

Was wollten Sie schon immer mal sagen? Mit Sarahah können Nachrichten anonym verschickt werden. Foto: Anthony Anex (Keystone)
Was wollten Sie schon immer mal sagen? Mit Sarahah können Nachrichten anonym verschickt werden. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Eine neue App erobert derzeit die Smartphones weltweit: Sarahah. Mit ihr können Nutzer anonym Nachrichten verschicken und andere kritisieren. Eigentlich war die App vom saudi-arabischen Entwickler Zain al-Abidin Tawfiq für konstruktive Kritik am Chef gedacht, mittlerweile installieren aber vor allem Kinder und Jugendliche Sarahah – nicht für sinnvolle Kritik, sondern für anonyme Beleidigungen, für Mobbing und für Liebesbriefe.

Der Name der App kommt aus dem Arabischen und bedeutet etwa Offenheit oder Wahrhaftigkeit. Alles, was man einem nicht ins Gesicht sagen kann, soll man über die App loswerden. Mit den anonymen Nachrichten sollen Freundschaften verbessert und persönliche Schwächen gestärkt werden, heisst es auf der Websitedes Entwicklers. Dafür braucht man nur den Link zum Profil des Empfängers, schon kann loskritisiert werden. Sarahah ist im Appstore für iOS und im Playstore für Android-Smartphones verfügbar, ausserdem können Nutzer die anonymen Nachrichten über eine Website verschicken.

Millionen Nutzer

Die App aus Saudiarabien ist über Ägypten in die englischsprachige Welt gewandert: In Australien, Irland, in den USA und Grossbritannien dominiert sie die Appcharts. Für den Erfolg von Sarahah ist auch eine andere App verantwortlich: Snapchat. Denn dort können Nutzer seit Anfang Juli Webseiten-Links in ihre Nachrichten einbauen. Und diese Links führten immer wieder zu Sarahah, berichtet das US-Portal Mashable. Die Snapchat-Nutzer haben den Dienst quasi mit Sarahah-Posts zugespamt.

Knapp zwei Wochen nach der neuen Snapchat-Funktion war Sarahah die beliebteste kostenlose App im Appstore von Apple – auf Platz eins steht sie noch heute. Auch auf Instagram bitten die Nutzer unter dem Hashtag #Sarahah um anonyme Nachrichten, das Gleiche passiert auf Twitter und Facebook. Ende Juni ging der Entwickler Tawfiq noch von 14 Millionen Nutzern aus, mittlerweile dürften es noch einige Millionen mehr sein. Im Gespräch mit Journalisten der BBC spricht Tawfiq von 300 Millionen Nachrichten, die Nutzer über die Plattform verschickt haben, dabei arbeiten nur drei Menschen an der App.

Ein «Nährboden für Hass»?

Aber wird der Hype halten? Sarahah erinnert an Peeple: Die App hat Ende 2015 für Aufruhe gesorgt, da man über sie andere Menschen mit einem bis fünf Sternen bewerten sollte, wie Restaurants oder Hotels. Nach massiver Kritik wurde die Sterne-Bewertung zum Start abgeschafft. Anschliessend ist Peeple in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Andere anonyme Bewertungs-Apps, etwa für Dates, sind ebenfalls eher für Beleidigungen und Mobbing bekannt geworden, als für konstruktive Kritik.

Diese Bedenken kann auch Sarahah nicht aus der Welt räumen. Zwar können Nutzer blockiert und einzelne Nachrichten gemeldet werden, allerdings beschweren sich Nutzer über Mobbing. Sarahah wird als «Nährboden für Hass» bezeichnet.

Und: Sarahah kommt näher: In der Schweiz ist sie schon auf Platz drei geklettert.

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