Technische Hilfe fürs Stressmanagement

Ein kleiner Sensor will gestresste Zeitgenossen Entspannung lehren, indem er anzeigt, wie die Anspannung nachlässt.

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Matthias Schüssler@MrClicko

Tränenförmig, schwarz und mit einer kupferfarbenen Einlage: Der Pip sieht ein bisschen so aus, als ob er dazu da wäre, um von Fans der Serie «Star Trek – The Next Generation» an ihrer selbst genähten Uniform befestigt zu werden, wo er den legendären Communicator imitiert: Das ist ein auf der Brust befestigtes Abzeichen, über das die Protagonisten der Fernsehserie auch Gespräche führen und Befehle an den Computer absetzen. Heute nicht mehr allzu spektakulär, aber 1987 bei der Erstausstrahlung noch reine Science-Fiction.

Der Pip ist kein Requisit, sondern ein echtes Hightech-Gadget. Aber eines, dessen Nutzen nicht sofort klar wird – eher im Gegenteil: Ob man mit dem kleinen Sensor etwas anfangen kann oder ihn für komplett überflüssig hält, ist eine persönliche Angelegenheit.

Die Idee: Der Sensor wird zwischen Daumen und Zeigefinger geklemmt und misst die elektrodermale Aktivität: die Leitfähigkeit der Haut. Auf diese Weise kann der Sensor Erregung und Stress messen. Die gemessene Information zeigt er dann als farbiges Band auf dem Handybildschirm an, das sich über den Bildschirm zieht. Bei zunehmendem Stress wird der rote Anteil des Bandes grösser. Wenn man sich entspannt, wird der grüne Streifen breiter.

Biofeedback soll zur Entspannung verhelfen

Dieses Feedback des eigenen Körpers, das ist die Idee, soll bei der Entspannung helfen – und zwar vor allem bei jenen Leuten, die mit Meditation ihre Mühe haben und schwer herunterkommen: «Das führt Sie etwas aus Ihrem Körper heraus und zeigt Ihnen Ihren Zustand von aussen», erläutert Ian Robertson im Video die Funktionsweise. Robertson ist Psychologieprofessor am Trinity College Dublin und gehört zum wissenschaftlichen Beirat des Herstellers.

Der Pip ist somit kein typischer Fitnesstracker, der passiv Schritte zählt, den Puls misst oder Kalorien zählt. Vielmehr will er die Sensibilität und das Gespür für den eigenen Körper wecken. Ob man darauf anspricht oder das als seltsam erachtet, ist hauptsächlich eine Frage der persönlichen Vorliebe: Manche werden die Rückmeldungen als wertvoll erachten, andere dann doch lieber Yoga oder autogenes Training betreiben. Wissenschaftlich überprüft haben wir den Pip nicht – aber im Selbsttest scheint die Messung genauso zu funktionieren, wie sie sollte: Ruhiges Atmen vergrössert den grünen Anteil in der Mess-App fast augenblicklich. Auch wenn die Gedanken zurück zum Alltagsärger wandern, sieht man das sofort – und kann sich wieder auf seine eigene Entspannung konzentrieren.

Die App ist antiquiert

Zu kritisieren ist vor allem, dass man den Pip (seit kurzem) nur mit einem Cloud-Account nutzen kann und bei der Registrierung sowohl Namen als auch Alter und Handynummer angeben muss – das ist zu neugierig für ein Gerät wie dieses. Die App macht einen recht antiquierten Eindruck und ist umständlich in der Bedienung. Um eine Messung zu starten, muss man erst eine Session starten, dann den Pip verbinden – der übrigens durch Berühren der beiden Kontaktflächen mit Daumen und Zeigefinger aktiviert wird –, auf die Verbindung warten, auf «Weiter» tippen, die Dauer der Entspannungssitzung festlegen (zwischen 2 und 20 Minuten) und dann den Startknopf drücken: Da mischt sich die Technik stark ins Entspannungsritual ein – einfacher wäre besser.

Persönlich hätte ich gerne eine Möglichkeit, die Rückmeldungen auch akustisch zu erhalten. Dann könnte man nämlich, mit dem kleinen Pip zwischen den Fingern, die Hand auch in die Hosentasche stecken und seine Entspannungsübung abhalten, während man auf den Zug wartet oder kurz bevor man beim Zahnarzt zur Untersuchung gerufen wird. Spannend wäre natürlich auch eine kontinuierliche Messung, um herauszufinden, wann man im Laufe des Tages am angespanntesten ist. Aber das ist mit der vorliegenden Bauweise natürlich nicht möglich.

Das Testgerät hat uns Digitec zur Verfügung gestellt. Dort ist The Pip für 179 Franken in Schwarz und Weiss erhältlich.

DerBund.ch/Newsnet

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