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So fotografiert es sich mit der neuen Einsteiger-Fuji

Gut sieht sie ja aus, aber macht sie auch gute Fotos? Die X-T100 im Test.

Stellt man auch gerne aus, die X-T100 macht nicht nur gute Fotos, sie sieht auch gut aus. Vorausgesetzt, man mag das Retro-Design.
Stellt man auch gerne aus, die X-T100 macht nicht nur gute Fotos, sie sieht auch gut aus. Vorausgesetzt, man mag das Retro-Design.
zei
Ideal für Anfänger und Instagram-Fans: Die eingebauten Farbfilter bieten viele Möglichkeiten. Selbst abgebrühte Fotografen dürften daran wenigstens ein bisschen Spass haben.
Ideal für Anfänger und Instagram-Fans: Die eingebauten Farbfilter bieten viele Möglichkeiten. Selbst abgebrühte Fotografen dürften daran wenigstens ein bisschen Spass haben.
zei
Die Bildqualität und vor allem die Farben sind Fuji-typisch und machen einen guten Eindruck.
Die Bildqualität und vor allem die Farben sind Fuji-typisch und machen einen guten Eindruck.
zei
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Immer wieder werde ich nach Tipps für eine Einsteigerkamera gefragt. Mein erster Reflex auf die Frage ist, ohne nachzudenken, die Sony A6000. Die inzwischen über vierjährige Kamera ist immer noch im Angebot und inzwischen günstiger denn je. Regelmässig findet man sie für unter 500 Franken.

Die A6000 ist nicht besonders hübsch, aber sehr zuverlässig, und der schnelle Autofokus erlaubt es auch Anfängern, in schwierigen Situationen scharfe Fotos zu schiessen. Aber sie kommt langsam merklich in die Jahre.

Müsste ich mich heute noch mal für eine Einsteigerkamera entscheiden, ich würde wohl nebst dem Sony-System vor allem das von Fuji in meine Überlegungen einbeziehen.

Dort gibt es inzwischen nebst sehr vielen Objektiven auch ein grosses Sortiment an Kameras. Alle ohne Spiegel (Verabschieden sich Canon und Nikon von der Spiegelreflex?), alle mit tollen APS-C-Sensoren und alle mit eleganten Gehäusen.

Gerade was Letzteres angeht, hat Fuji aktuell den zweiten Platz hinter Leica inne. Die Kameras verführen einen regelrecht, sie in die Hand zu nehmen und fotografieren zu gehen.

Das gilt auch fürs neuste und billigste Modell, die X-T100 (ab 600 Franken). Nicht zu verwechseln mit der X100er-Reihe, die ich um ein Haar für diesen Testbericht bestellt hätte.

Sieht teurer aus, als sie ist

Packt man die Kamera aus und nimmt sie das erste Mal in die Hand, staunt man. Sie wirkt deutlich teurer, als sie tatsächlich ist. Einzig das Standardobjektiv trübt den Eindruck mit viel wackeligem Plastik. Aber da es die Kamera auch ohne gibt, ist das halb so wild.

Übrigens empfehle ich sowieso, auf die Standardobjektive zu verzichten und lieber ein Objektiv zu kaufen, an dem man mehr Freude hat. Ganz im Sinne der goldenen Regel: Lieber bei der Kamera sparen als bei den Objektiven.

Alternativen zum mitgelieferten Objektiv

Schlecht ist das mitgelieferte Objektiv aber keineswegs. Es wirkt einfach nicht besonders zuverlässig und kommt nicht an den hohen Qualitätsstandard der Kamera heran.

Ich selbst schwöre auf Einsteigerobjektive mit Festbrennweiten. Entweder ein tolles 35mm oder 50mm (mein Favorit). Die sind zwar nicht so vielseitig wie ein Zoom-Objektiv aber dafür reduzieren sie Komplexität, sind handlicher und funktionieren in der Regel bei wenig Licht besser.

Wenn schon ein Zoom ...

Möchte man dennoch ein Zoom, empfiehlt der Fujifilm-X-Fotograf und -Kenner Til Jentzsch (www.blickwechselfotografie.ch) das 18–55mm 2.8, das De-facto-Standardobjektiv für alle Fuji-Kameras mit XF-Anschluss.

Da sollte man sich aber sehr sicher sein, dass man so ein Objektiv auch wirklich braucht. Schliesslich kostet es im Handel etwa so viel wie die Kamera.

Es könnte sich allerdings lohnen, auf Second-Hand-Plattformen danach zu suchen. Dort findet man häufig eben solche Standardobjektive, die beim Kamerakauf im Preis inbegriffen waren und deren Besitzer dann später gemerkt haben, dass sie sie nicht brauchen.

Gut, aber nicht schnell

Abgesehen von Äusserlichkeiten, wie fotografiert es sich mit der X-T100? Sehr gut. Aber nicht sehr schnell. Ich bin persönlich natürlich verzogen von meiner A7 (3. Generation). Deren Autofokus ist so zuverlässig und schnell, dass ich mir darüber kaum noch Gedanken mache.

Bei der X-T100 muss man sich aber Gedanken über den Fokus machen. Dann hat man keine Probleme damit. Wenn man aber gedankenlos abdrückt, ist das Risiko hoch, dass das Objekt gerade, wenn es sich bewegt, nicht scharf ist. Da gab es durchaus Situationen, in denen ein aktuelles Smartphone wohl das schärfere und insgesamt bessere Foto geschossen hätte als die Fuji. Gerade der Automatik-Modus ist nicht über alle Zweifel erhaben und ähnlich unzuverlässig wie bei meiner alten A7 der ersten Generation.

Dass der Automatik-Modus (mindestens mit dem mitgelieferten Objektiv) bei Bewegungen und nicht gerade grellem Licht keine Hilfe ist, ist allerdings die ideale Motivation, manuelles Fotografieren und den Umgang mit Blende, Verschlusszeit und ISO zu lernen. Hat man den Bogen raus, dürfte die Versuchung, zum Handy zu greifen, deutlich abnehmen.

Schauen wir uns noch vier Details genauer an. Fangen wir mit zwei Highlights an:

Die Filter: Früher war Fuji berühmt für Fotofilme. Heute braucht es die freilich nicht mehr. Doch Fuji hat sie ins Digital-Zeitalter gerettet. In den Fotokameras des Konzerns findet man nun zahlreiche digitale Filme, oder wie man heute eher sagen würde: Filter. Profifotografen die sowieso nur in RAW fotografieren und alles nachträglich in Lightroom anpassen, finden das eine Spielerei. Doch Anfängern und Hobbyfotografen dürften diese Einstellungen viel Spass bereiten. Ich habe mich ständig dabei ertappt, wie ich Fotos mehrfach mit verschiedenen dieser Filter gemacht habe. Dass die Filter nicht zu kitschig sind und allesamt toll aussehen, ist ein grosser Verdienst der Fuji-Techniker.

Der Bildschirm:Besonders gefiel mir der ausklappbare und nach oben und unten neigbare Bildschirm. Der wirkt stabil und erlaubt auch mal abenteuerliche Perspektiven. Ich wünschte, Sony würde genau diese Methode in ihren deutlich teureren Kameras auch einbauen. Für Hobbyfilmer und Youtuber ist genau so ein Bildschirm äusserst praktisch. Schade nur, dass Fuji bei den Videofunktionen knausert. Dazu gleich mehr.

Und jetzt noch zwei Negativpunkte:

Die Anschlüsse: Was das angeht, ist die Kamera ähnlich retro wie ihr Äusseres. Nur ist das in dem Fall kein Kompliment. Dass man die Kamera per Micro-USB laden muss, ist heute mit viel Goodwill noch knapp praktisch, aber in den nächsten Jahren wird man sich wünschen, Fuji hätte schon auf USB-C gesetzt. Auch keine Freude ist der Mini-Mikrofon-Anschluss. Statt des üblichen 3,5-mm-Klinken-Anschlusses verbaut Fuji den kleineren 2,5-mm-Anschluss. So jemand ein Mikrofon anschliessen möchte, wird wohl ein Adapter fällig.

Video:Dass Fuji in der offiziellen Beschreibung der Kamera nicht viele Worte zu den Videofunktionen verliert, kommt nicht von ungefähr. Die sind nämlich höchstens durchschnittlich. Besonders enttäuschend: Die Kamera kann zwar im hochauflösenden 4K-Standard filmen. Doch nur mit 15 Bildern pro Sekunde. Das ist freilich viel zu wenig und führt zwangsläufig zu ruckligen Aufnahmen. Jedes neue Handy kann das besser. Wenn Fuji schon sparen wollte, hätten sie 4K besser gleich ganz weggelassen. So führt das nur zu enttäuschten Kunden. Wer Wert auf Videofunktionen legt, ist aktuell im selben Preissegment mit der Canon M50 deutlich besser beraten. Ein erklärter Fan der Canon ist der «Blick»-Kollege Lorenz Keller, wie er kürzlich in diesem Video gezeigt hat.

Fazit:Die X-T100 ist eine tolle Einsteigerkamera. Mit Fujis grosser Objektivauswahl wird man daran viele Jahre Freude haben. Sollte man dann doch irgendwann an Grenzen stossen, gibt es von Fuji gleich mehrere Kameras im höheren Preissegment, die dasselbe Objektivsystem nutzen. Einzig, wer gerne flinke Gegenstände, Tiere oder Personen fotografiert oder filmen möchte, sollte sich anderweitig umsehen.

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