Samsungs neustes Tablet überrascht

Mit dem Galaxy Tab S4 krempelt der Konzern seine Tablet-Strategie um. Mal wieder.

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Dass Samsung an einem neuen Tablet arbeitet, war eines der schlechter gehüteten Geheimnisse. Dass es dann schon gestern ohne den üblichen Pomp vorgestellt wurde, war aber doch eine erste kleine Überraschung. Eine grössere sollte noch folgen.

Eigentlich war erwartet worden, dass der Konzern das Galaxy Tab S4 im Rahmen einer grossen Produktepräsentation am 9. August vorführt. Doch wie es scheint, wurde das Tablet von anderen News (Note-Handy, Galaxy-Uhr, Bixby-Lautsprecher?) verdrängt und wurde nun vorab vorgeführt, um in der Fülle von Neuheiten nicht komplett unterzugehen.

Weniger Rand

Tatsächlich wirkt das Tab S4 auf den ersten Blick wie ein etwas lauer Aufguss aller aktuellen Tablet-Ideen und -Designs. Ja, es hat keinen Home-Knopf mehr und dafür einen Bildschirm mit etwas weniger Rand drum herum. Ein ähnliches Design erwartet man heuer auch beim neuen iPad Pro.

Entsperrt wird das Tablet nicht mehr per Fingerabdruck, sondern per Gesichtserkennung. Das kennt man bereits von Smartphones und einigen Windows-Tablets.

Auffällig ist auch, dass Samsung beim Bildschirmformat wieder auf das längliche 16:10 setzt. Beim Vorgängermodell hat der Konzern erstmals auf das etwas breitere (und vom iPad bekannte) 4:3 gesetzt. Um im Hochformat zu lesen, ist das breitere Format besser, um Filme zu schauen, das längere.

Das Format-Hin-und-Her von Samsung ist typisch für den ganzen Tablet-Markt. Ausser Apple und Microsoft scheint kein Hersteller mit dem eigenen Angebot wirklich glücklich zu sein. Viele Hersteller haben die Kategorie wieder aufgegeben.

Googles Unentschlossenheit

Dass viele Tablet-Hersteller nicht so recht wissen, an welches Publikum sie sich richten sollen, liegt auch daran, dass der Software-Lieferant Google keine grosse Hilfe ist. Android richtet sich fast nur an Smartphones, und Chrome OS ist für Laptops optimiert (Googles zweigleisige Tablet-Strategie).

Und hier kommt nun die grösste Überraschung am neuen Samsung-Tablet. Es hat einen Laptop/PC-Modus. Doch der stammt weder von Google noch von Microsoft.

Für seine Handys hat Samsung vor einem Jahr mit dem Dex-Dock die Möglichkeit geschaffen, daraus mit Maus, Tastatur und Bildschirm einen Mini-PC zu machen.

Vom Tablet zum Laptop

Nun hat der Konzern den Dex-Modus direkt ins neue Tablet eingebaut. Auf Knopfdruck verschwindet die wenig Tablet-optimierte Android-Oberfläche, und eine Windows-ähnliche-Benutzeroberfläche mit Fenstern und Taskleiste erscheint.

Im Präsentationsvideo zeigt Samsung, wie aus dem Tablet so mit der offiziellen Tastatur und einer Maus ein Laptop wird:

Zugegeben, bei Windows geht der Wechsel vom Desktop-Modus in den Tablet-Modus flüssiger, und auf dem iPad ist so ein Wechsel gar nicht nötig, aber insgesamt hinterlässt der Samsung-Ansatz einen vielversprechenden Eindruck.

Trotzdem muss ein Test zeigen, ob das Tablet hält, was es verspricht. Denn billig ist es nicht. Es kostet (ohne die Tastatur) 750 Franken (Wi-Fi) oder 820 Franken (LTE). Im Preis ist der Stift bereits dabei (sehr löblich!), aber die Tastaturhülle muss man noch für 170 Franken extra kaufen.

Erster Eindruck: Das Galaxy Tab S4 ist spannender, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Doch steht und fällt alles mit Samsungs Optimierungen für Android. Denn in der Preisklasse muss sich das Tablet mit Windows-Tablets und iPads gleichermassen messen, deren Betriebssystem für solche Geräte von Grund auf ausgelegt ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.08.2018, 16:05 Uhr

Technische Innereien

Software: Android 8.1 (mit Samsung-Dex)
Bildschirm: 10,5 Zoll Oled (16:10)
Prozessor: Snapdragon 935
Arbeitsspeicher: 4 GB
Speicherplatz: 64 GB (erweiterbar)
Funk: Wifi/Lte
Preis: 750 / 820 Franken
Verfügbarkeit: ab 24. August

Nebst dem Galaxy Tab S4 hat Samsung gestern auch das Galaxy Tab A 10,5 vorgestellt. Wenn das S4 Samsungs Antwort auf das iPad Pro ist, ist das Tab A die Antwort auf das iPad. Technisch steckt nicht alles drin, was aktuell möglich wäre. Dafür kostet es nur halb so viel: ab 360 Franken. In den Handel kommt es ebenfalls am 24. August.

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