Runde Konkurrenz für die Apple Watch

Samsung und Fossil haben neue Uhren vorgestellt, die dem Marktführer Paroli bieten sollen. Einfach wird das nicht.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Als Apple im Nachgang zur Präsentation der ersten Apple Watch 2014 nur nebenbei erwähnte, dass dann übrigens keine Verkaufszahlen publiziert würden, war die Verwunderung gross. Meldungen und Spekulationen, dass die Uhr ein Flop sei, liessen nicht lange auf sich warten.

Aufgegeben und Motivation verloren

Inzwischen behauptet das freilich niemand mehr. Dass die Apple Watch ein Erfolg ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Dennoch hat die Geheimhaltung ihren Zweck nicht verfehlt. Die Konkurrenz liess sich einlullen und hat zu spät realisiert, dass Apple auf eine Goldader gestossen ist und sich einen erheblichen Vorsprung erarbeitet hat.

Manche Firmen wie Intel, Sony oder Motorola gaben auf. Andere wie Google oder Qualcomm schalteten mehrere Gänge runter. Abgesehen von Fitnessspezialisten wie Garmin, Fitbit oder Polar sind vor allem der Modeuhrenkonzern Fossil und Samsung weiter mit Motivation dabei.

Neue Uhren vorgestellt

Fast zeitgleich haben die beiden Firmen dieser Tagen neue Uhren vorgestellt. Samsung bringt mit der Galaxy Watch Active 2 nach nicht einmal einem halben Jahr bereits einen Nachfolger für die Galaxy Watch Active, die aber als Einstiegsangebot weiter verkauft werden soll.

Mit Preisen zwischen 300 und 500 Franken richtet sich die neue Active 2 an dieselbe Käuferschaft wie Apples Alu-Smartwatch. Anders als Apple haben Samsungs Uhren jedoch einen runden Bildschirm als augenfälligsten Unterschied. Und natürlich funktioniert sie, anders als die Apple Watch, auch mit Android-Smartphones.

Zwei Grössen

Auffällig sind gleich ein paar Neuerungen: So gibt es die Active 2 nun in den zwei Grössen 40 und 44 Millimeter. Somit dürfte die Uhr sowohl an schlankeren als auch an kräftigeren Armen gut aussehen.

Allerdings darf man Uhren nie anhand der theoretischen Grösse beurteilen. Erst anprobieren, dann kaufen, ist einer der wichtigsten Tipps beim Uhrenkauf – egal ob Smartwatch oder traditionelle Uhr.

Auch löblich: Die LTE-Variante der Uhr gibt es nun in Stahl. Sowieso gefallen die vielen farblichen Optionen und Samsungs Entscheidung, denselben Armband-Standard wie die Uhrenindustrie zu verwenden. So gibt es fast unzählige Armbänder für die neuen Uhren.

Eine lustige Spielerei ist ein Zifferblatt-Generator, der anhand eines Fotos der eigenen Kleider ein passendes Zifferblatt erstellt.

Digitalisierte Lünette

Bei der Präsentation der ersten Active im Februar wurde vielerorts kritisiert, dass Samsung die Lünette (den drehbaren Ring um das Zifferblatt) weggespart hatte. Nun bringt Samsung dieses gelungene Bedienelement zurück. Allerdings nur halb oder in digitaler Form, wie es die Marketing-Abteilung wolkig umschreibt.

Denn drehen oder bewegen tut sich da nichts mehr. Der schwarze Rand um das Display ist berührungsempfindlich. Mit dem Finger kann man damit ähnlich wie mit einer richtigen Lünette durch die Menüs drehen.

Wie gut das funktioniert, muss ein Test zeigen. Bei ersten Videos amerikanischer Kollegen, die die Uhr bereits kurz ausprobieren konnten, wirkte die digitale Lünette allerdings eher umständlich und wenig intuitiv.

Warten auf die Active 2

Wie die Apple Watch kann die Active 2 per EKG die Herzgesundheit überwachen. Die Funktion ist allerdings noch nicht freigeschaltet und soll zu einem noch unbekannten Zeitpunkt nachgereicht werden.

Bei Apple dauerte es rund ein halbes Jahr, bis die nötigen Zulassungen da waren. Gedulden muss man sich aber auch so auf die Samsung-Uhren. Sie kommen erst Ende September in den Handel. Gut möglich, dass die nächste Apple Watch bis dann bereits wieder deutlich vorgelegt hat.

Da Samsung mit der Active 2 nun ein grosses Sortiment an Uhren für unter 500 Franken hat, darf man gespannt sein, wie und ob es mit der teureren Galaxy Watch weitergeht. Wagt sich Samsung damit nun in höhere Preissphären?

Der fünfte Anlauf

Fossil nennt die neue Uhr schlicht Generation 5. Die verschiedenen Modelle werden umgerechnet rund 330 Franken kosten, wenn sie ab Ende August verkauft werden. Bei der Software setzt Fossil weiter auf Googles Wear OS. Anders als Samsung hat Fossil aber keine kleineren Modelle der 5er-Generation. Dass Fossil nur 44-Millimeter-Uhren hat, zeigt nebenbei, wie schwierig es ist, kleine Smartwatches zu bauen. Hardware-Profis wie Samsung oder Apple sind dank eigener Chips hier klar im Vorteil.

Als eine der wichtigsten Neuerungen der neuen Uhren nennt Fossil verbesserte Kompatibilität mit dem iPhone. So soll es möglich werden, Anrufe vom iPhone auf der Fossil-Uhr entgegenzunehmen. Ein Novum für Uhren mit Wear OS. Die Funktion sei allerdings nicht zum Start bereit und würde per Update nachgereicht.

Unabhängigkeit statt Kooperation

Das zeigt eines der grossen Dilemmas aller Uhren-Hersteller, die nicht Apple heissen. Sie tun sich schwer, in Verbindung mit dem iPhone dieselben Funktionen zu bieten, die sie mit Android-Handys anbieten können.

Apple im Gegenzug scheint nicht daran interessiert zu sein, die eigene Uhr auch für Android-Smartphones zu öffnen. Stattdessen soll die eigene Uhr längerfristig so eigenständig werden, dass es keine Rolle mehr spielt, was für ein Handy man daneben noch hat.

Googles geheime Übernahme

Mit Spannung wird bereits erwartet, was Google selbst plant. Der Konzern hat Anfang Jahr für 40 Millionen von Fossil eine unbekannte Technologie und das dazugehörige Team erworben. Denkbar wäre, dass es sich um eine Fitness-Sensor-Funktion handelt, die von Misfit, einem von Fossil aufgekauften Fitnessspezialisten, entwickelt wurde.

Doch unabhängig davon, was Google da genau gekauft hat, befeuerte die Meldung Gerüchte um eine Pixel-Smartwatch. Mit den Pixel-Smartphones hat Google bereits gezeigt, dass der Konzern nicht länger nur auf Partner angewiesen sein will. Eine eigene Smartwatch wäre da ein nächster Schritt.

Jeweils Ende September oder Anfang Oktober zeigte Google in den letzten Jahren neue Geräte. Vielleicht wissen wir in zwei Monaten ja schon mehr, was die Uhren-Pläne des Techgiganten angeht.

Noch immer nicht viel mehr weiss man darüber, was die Schweizer Swatch Gruppe plant. Eine für Ende 2018 in der NZZ versprochene «Internet-Uhr, die nicht so schnell schlapp macht» und ein eigens dafür entwickeltes Betriebssystem lassen weiter auf sich warten.

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