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Neue Jobs für alte Handys

Viel zu schade für den Abfall: Mit alten Smartphones oder Tablets lässt sich einiges anstellen – als Überwachungskamera, Wecker oder Rauchmelder.

Die will keiner mehr: Handys in einem Container bei einer Recyclingfirma. Foto: Getty Images
Die will keiner mehr: Handys in einem Container bei einer Recyclingfirma. Foto: Getty Images

Endlich lagen sie unter dem Weihnachtsbaum: das neue Smartphone, das Tablet der jüngsten Generation. Klar, die alten Geräte hätten es noch eine Weile getan. Aber die bessere Batterie, der schärfere Bildschirm, der schnellere Prozessor – es finden sich immer Argumente, die für die Neuen sprechen. Doch wohin mit den Altgeräten? In den Abfall auf keinen Fall. Zu viele wertvolle Ressourcen sind verbaut. In die Schublade? Da liegen schon genug alte Handys, die einen langsamen Tod sterben. Woran die wenigsten denken: Die Technik von gestern lässt sich durchaus noch sinnvoll nutzen – zum Beispiel zur Steuerung des smarten Heims oder als Überwachungskamera.

Ideen gibt es fast so viele, wie es Programme in den App-Stores gibt. Wenn das Smartphone für das heisseste Spiel oder die neue Trend-App zu langsam geworden ist, bedeutet das ja noch lange nicht, dass altbewährte Programme auch ruckeln. Manche Apps sind sogar speziell für ältere Geräte ausgelegt. Das funktioniert – solange das Betriebssystem des Smartphones oder Tablets mitspielt. Viele können ein Lied davon singen, wie ein Software-Update das Gerät langsamer gemacht hat. Ein Schelm, wer dem Hersteller Absicht unterstellt, um den Absatz anzukurbeln.

Bei diesem Problem gibt es zwei Auswege: die automatische Erneuerung der Systemsoftware abstellen, was sich aus Sicherheitsgründen nicht besonders empfiehlt. Oder aber man spielt eine spezielle Version des Systems auf, ein Custom ROM. Android-Handys laufen so oft besser als mit den aufgeblähten Versionen der Hersteller.

Überwachungssysteme

Zwei gute Programme, die sich speziell für Altgeräte anbieten, heissen Presence und Manything. Beide Apps verwandeln alte Smartphones oder Tablets mit iOS von Apple oder Android-System von Google-Geräten in Überwachungssysteme. In ihren Basisversionen kosten beide nichts. Schon dann sind die Programme mächtiger als viele Überwachungskameras für mehrere Hundert Franken. Sie erkennen beispielsweise Bewegungen, starten dann die Aufnahme und alarmieren den Besitzer, der über das Internet das Bild kontrolliert.

In Kombination mit dem Webservice IFTTT können sie sogar noch mehr: So startet die Überwachung automatisch, sobald der Bewohner das Haus mit seinem neuen Handy verlässt – und stoppt, wenn er wieder nach Hause kommt. Ziemlich praktisch.

Rauchmelder und TV-Steuerung

Sehr intelligent ist auch die App Smokey von Cleverloop: Sie wirbt ebenso damit, perfekt auf ausrangierter Hardware zu laufen. Das Programm macht jeden Rauchmelder zu einem smarten Alarmgeber. Über das Mikrofon des Altgerätes analysiert Smokey die Geräusche im leeren Heim – und sendet eine Mail, sobald die Sirene des Rauchmelders losgeht.

Die Technik von gestern lässt sich durchaus noch sinnvoll nutzen.

Viele andere Programme bieten sich so für die Heimsteuerung an: Die Peel Smart Remote etwa will alle Fernbedienungen und die TV-Zeitschrift ersetzen. Es gibt noch Dutzende andere Fernbedienungs-Apps. Wer schon Smart-Home-Geräte in seinem Heim einsetzt, kann das alte Tablet an die Wand montieren und als Steuerzentrale dafür nutzen.

Wecker und Sound-Anlage

Zu Hause dient das alte Smartphone zudem perfekt als Wecker. Mit einer App wie Sleep as Android für das Google-System oder Sleep Cycle für iOS und Android ertönt der Alarm in einem Zeitfenster, in dem man schon fast wach ist. Das Smartphone nutzt dafür seinen Bewegungssensor und überprüft, wie unruhig der Schläfer gerade ist. Dieser wacht ausgeruhter auf, was manchmal sogar klappt.

Im Bad zeigt das alte Gerät als überdimensionierte Smartwatch nicht nur die Zeit an, sondern auch das Wetter, neueste Nachrichten oder die Verkehrslage auf dem Weg zur Arbeit. Nähert sich der Akku schon seinem Ende, hilft ein Netzstecker oder – komfortabler – eine Dockingstation, vielleicht sogar mit Lautsprecher. Dann wird das Altgerät zum Radio oder zur Sound-Anlage.

Kindern eine Freude machen

Wem das alles zu eigennützig ist, der spendiert das Smartphone oder Tablet der älteren Generation der jüngeren Generation, den Kindern. Ab Android Version 4.3 lassen sich Profile einstellen, mit denen sich auch steuern lässt, welcher Benutzer was darf. Bei kleineren Kindern kann zum Beispiel der Webbrowser deaktiviert werden. Dazu gibt es jede Menge kinderfreundlicher Apps oder für Android auch Launcher-Startprogramme, die bunt aussehen, kinderfreundlich und einfach zu bedienen sind.

Darfs noch etwas philanthropischer sein? Mit Programmen wie Boinc der Berkeley's Space Sciences Laboratory oder Power To Give von HTC kann Rechenzeit von Smartphone oder Tablet für wissenschaftliche Projekte gespendet werden, beides bislang leider nur für Android. Das Alte hilft dann bei einem Vorhaben etwa, das menschliche Hirn nachzubilden – oder grosse Primzahlen zu suchen.

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