Konkurrenz für Whatsapp? Das kann der neue Swisscom-Dienst

Unsere Experten haben unterschiedliche Meinungen zum geplanten Messenger – Die 5 wichtigsten Fragen und Antworten.

Sind sich bei RCS nicht einig: Unsere beiden Digital-Redaktoren Matthias Schüssler und Rafael Zeier. (Video: Tamedia/Kathrin Egolf)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Google hat es bislang nicht geschafft, eine Nachrichten-App zu entwickeln, die dem Konkurrenten Facebook hätte gefährlich werden können. «Google Talk» war ein Flop, genauso wie «Google Allo», das vor zwei Jahren lanciert wurde und heute weniger als 50 Millionen Mitglieder zählt. Zum Vergleich: Facebook Messenger und Whatsapp, das mittlerweile ebenfalls zu Facebook gehört, haben jeweils über 1,2 Milliarden aktive Nutzer.

Jetzt geht Google einen neuen Weg. Der Suchmaschinenbetreiber verbündet sich mit den Telefongesellschaften, um seinen Messenger auf Basis der RCS-Technologie zu pushen. Als erster Netzbetreiber in der Schweiz will Swisscom den Dienst noch in diesem Jahr anbieten, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Doch was kann die RCS-Technologie überhaupt? Und ist sie wirklich eine Alternative zu Whatsapp? Wir beantworten die 5 wichtigsten Fragen:

Was ist RCS?
«Rich Communication Services», kurz RCS, ist eine Weiterentwicklung des traditionellen SMS-Dienstes. Mit dem neuen Messenger kann man nicht nur Kurznachrichten verschicken, sondern auch Multimedia-Inhalte teilen, Strassenkarten einbinden, in Gruppen und per Video chatten. Ausserdem können mit RCS Funktionen wie eine Lesebestätigung, ein Schreibindikator oder eine Sprachübertragung realisiert werden.

Google integriert die Technologie künftig standardmässig in das Betriebssystem Android. Die neue Version des Android Messengers – die Standard-SMS-App in Android – unterstützt RCS, sofern die jeweilige Telefongesellschaft die Funktion freischaltet. Auf den Smartphones von Sony, Huawei und anderen Herstellern ist die App vorinstalliert. Samsung stattet seine Geräte weiterhin mit einer selbstentwickelten Nachrichten-App aus, die RCS aber ebenfalls zulässt.

Was verspricht sich Swisscom davon?
SMS waren für Mobilfunkbetreiber wie Swisscom lange eine verlässliche Einnahmequelle – bis zum Aufkommen des mobilen Internets und neuer Dienste wie Facebook Messenger und Whatsapp. Seither hat der traditionelle Kurznachrichtendienst an Relevanz verloren und die Anzahl der verschickten SMS stark abgenommen.

Grafik: mfe, Interaktiv-Team, Quelle: Swisscom

Mit dem RCS-Messenger will Swisscom ein Konkurrenzprodukt zu Facebook und Whatsapp aufbauen und so Marktanteile zurückgewinnen. Das würde dem Netzbetreiber wieder mehr Kontrolle über seine Kunden bringen. Denn die Kosten für RCS sind wie bei SMS, MMS und Telefonie anbieterabhängig.

Der Service ist für Telefongesellschaften auch deshalb attraktiv, weil er für die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden vorgesehen ist. In einigen Ländern gibt es schon heute die Möglichkeit, über RCS Flug- und Zugtickets zu buchen, Paketsendungen zu verfolgen oder sonstige Dienstleistungen zu bestellen und direkt zu bezahlen.

Welche Vorteile hat RCS?
Auf vielen Android-Handys ist die RCS-Technologie bereits vorinstalliert. Besitzer solcher Geräte benötigen keine zusätzliche App, um die neue Anwendung zu nutzen. Nachrichten an Nutzer, deren Geräte oder Netzbetreiber noch keinen RCS-Support bieten, werden (wie bei den iMessages von Apple) in eine herkömmliche SMS umgewandelt. Die Technologie wird also universell beziehungsweise von jedem Handy unterstützt.

Der RCS-Messenger bietet zudem neue Funktionen. So ist es beispielsweise möglich, gleichzeitig gemeinsame Skizzen zu bearbeiten. Beim Telefonieren kann man dem Angerufenen noch vor der Rufannahme den Grund des Anrufs, eine Prioritätsstufe und den eigenen Standort übermitteln.

Wo liegen die Nachteile?
Das grösste Problem dürfte die Datensicherheit werden. Denn RCS setzt im Gegensatz zu Whatsapp und vielen anderen vergleichbaren Diensten keine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein. Die Netzbetreiber können die Nachrichten daher auf ihren Servern entschlüsseln und theoretisch mitlesen.

Ein Nachteil für die RCS-Technologie ist auch die starke Verbreitung von iPhones in der Schweiz. Besitzer von iOS-Geräten brauchen eine spezielle App, wenn sie den neuen Dienst nutzen wollen. Ausserdem haben andere Netzbetreiber wie Sunrise und Salt noch nicht entschieden, ob und wann sie RCS einführen werden. Wie gut die Kommunikation zwischen den verschiedenen Providern funktionieren wird, ist noch nicht abzuschätzen.

Ist die Technologie eine wirkliche Alternative zu Whatsapp?
Da gibt es verschiedene Meinungen, wie das Video (oben) mit unseren beiden Digital-Redaktoren Rafael Zeier und Matthias Schüssler zeigt. «Die Idee dahinter ist grossartig. Es wäre doch praktisch, wenn es einen einheitlichen Messaging-Standard geben würde, ähnlich wie bei E-Mail», sagt Befürworter Zeier.

Umfrage

Braucht es eine Alternative zu Whatsapp?





Kritiker hingegen glauben, dass Google und Swisscom den Zug verpasst haben und mit ihrem neuen Messenger viel zu spät kommen. «RCS ist völlig überflüssig. Der Entscheid, dass wir alle Whatsapp benutzen, ist gefallen», sagt Schüssler. Er bezweifelt zudem, dass die verschiedenen Telefongesellschaften es schaffen, sich auf einen Standard zu einigen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.06.2018, 18:33 Uhr

Artikel zum Thema

SMS, wars das?

Der Kurznachrichtendienst hat schon einiges mitgemacht. Aktuell machen ihm die vielen Messenger zu schaffen. Unsere Grafik zeigt, wie sehr. Mehr...

Die vielen Erben des SMS

Hintergrund Zahlreiche Kurznachrichtendienste buhlen um Nutzer. Nach der Whatsapp-Übernahme wittern die kleinen Anbieter Morgenluft. Mehr...

Lehrer müssen Klassenchats auf Whatsapp löschen

SonntagsZeitung Schweizer Schulen kämpfen mit den neuen EU-Regeln zum Datenschutz – weil der Messenger-Dienst das Mindestalter erhöht hat. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Kommentare

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!