Googles grösste Überraschung

Gestern hat der Konzern neue Telefone, Tablets und Streamingsticks vorgestellt. Aber etwas anderes war wichtiger.

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Verglichen mit dem Pomp der Inszenierungen von Produkteneuheiten von Apple oder Samsung, war die gestrige Google-Veranstaltung überraschend spartanisch und unaufgeregt. Ohne grosse Gesten, Bühnenbilder und Theatertricks zeigte der Suchgigant, wie er seine Marktmacht im Internet mit Geräten auch in die reale Welt übertragen will.

Da waren zum einen die neuen Chromecasts. Mit dem USB-Stick-grossen Gerät konnte man schon in der Vergangenheit seinen alten Fernseher zum Smartfernseher machen. Man musste den weniger als 50 Franken teuren Stick nur in einen HDMI-Anschluss, wie ihn fast jeder TV hat, stecken, und schon hatte man einen smarten Fernseher, der sich nicht vor neueren und teureren Geräten zu verstecken brauchte. Rund 20 Millionen dieser preisgünstigen und praktischen Sticks will der Konzern bereits verkauft haben.

Neue Streaming-Sticks

Die Neuauflage des Sticks ändert nichts an der Erfolgsformel. Verändert ist nur das Design, und die Leistung soll besser sein. Ganz neu ist dagegen der Chromecast Audio. Der macht für Lautsprecher und Stereoanlagen das, was der normale Chromecast für Fernseher macht. Man verbindet das runde Gerät per Audiokabel mit dem altgedienten Lautsprecher, und schon kann man das Gerät über das Smartphone mit Musik versorgen.

Praktisch dabei ist, dass Chromecast-Geräte nicht nur mit Googles Android-Smartphones funktionieren, sondern auch mit zahlreichen Apple-Apps. Als besondere Neuerung gab Google eine Zusammenarbeit mit dem Streamingdienst Spotify bekannt. Dieser will künftig auch den Google-Standard unterstützen. Beide Chromcasts kann man für je 39Franken bestellen.

Das Laptop-Tablet

Nebst den Streamingsticks hat Google auch überarbeitete Versionen seiner aktuellen Smartphones vorgestellt. Ein grösseres Nexus6P und ein handlicheres Nexus5X. Beide sollen in den kommenden Wochen in der Schweiz erhältlich sein.

Die zweitgrösste Überraschung des Abends war ein neues Android-Tablet mit Tastatur. Das PixelC genannte Gerät zeigt, dass sich Google ähnliche Überlegungen über die Verwendung von Tablets gemacht hat wie Microsoft mit dem Surface und Apple mit dem iPadPro. Einzig einen Stift hat Google für seinTablet mit Laptop-Qualitäten nicht vorgestellt.

Logistik macht den Unterschied

Die grösste Überraschung ist aber, dass es Google gelungen ist, seine Logistik so weit zu optimieren, dass die neuen Chromecasts bereits in der Schweiz verfügbar sind. Die neuen Telefone sollen in den nächsten Wochen folgen. In der Vergangenheit war Google öfter mit holprigen internationalen Produktelancierungen negativ aufgefallen.

Wenn es Google so gelingt, seine eigenen Smartphones und Geräte besser unter die Leute zu bringen, könnte das für das Unternehmen ein grosser Schritt in Richtung mehr Eigenständigkeit und weniger Abhängigkeit von anderen Herstellern, Telecomfirmen, Händlern und anderen Partnern sein.

Mehr Eigenständigkeit

Besonders deutlich zeigt dies das neue Tablet. In der Vergangenheit arbeitete der Konzern mit Hardware-Partnern wie Samsung, HTC oder Asus bei Tablets zusammen. Heuer wagt Google den Alleingang. Bei den neuen Smartphones setzt der Konzern mit LG und Huawei zwar weiter auf Partnerfirmen. Allerdings behält der Konzern die Hoheit über die Software und verspricht regelmässige Updates.

Mit all diesen Massnahmen versucht Google einen der Hauptkritikpunkte an seinem Android-Betriebssystem zu entkräften: nämlich, dass Gerätehersteller und Telecomfirmen Sicherheits-Updates verschlampen und unzählige Android-Versionen und Gerätevarianten App-Entwicklern das Leben schwer machen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.09.2015, 07:58 Uhr

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