Gelingt Apple heute, was Microsoft und Google nicht gelang?

Heute stellt Apple in San José neue Software und neue Geräte vor. Eine Vorschau.

Aber hallo! Heute beginnt Apples Entwicklerkonferenz.

Aber hallo! Heute beginnt Apples Entwicklerkonferenz.

(Bild: Reuters)

Rafael Zeier@RafaelZeier

Wo bleibt Windows? Was ist mit dem neuen Android? An den Entwicklerkonferenzen von Microsoft und Google konnte man in den letzten Wochen interessante Parallelen beobachten: Die Betriebssysteme Windows und Android mit Millionen und Milliarden Nutzerinnen und Nutzern spielten die zweite Geige – ja, sie seien sogar langweilig geworden, war hierund dazu lesen.

Bei Microsoft wurde Windows auf den zweiten Konferenztag verschoben. Bei Google blieb für Android nur ein kurzer Slot zum Schluss der grossen Präsentation. Auch auffällig: Bei beiden Betriebssystemen gab es nur kleine Verbesserungen und keine grossen Sprünge. Beide erweckten den Eindruck, es gäbe nicht mehr viel zu machen. Windows und Android seien ausgewachsen und müssten nur noch in Nuancen verbessert werden.

Assistenten statt Betriebssysteme

Der Fokus lag bei beiden Techkonzernen anderswo. Beide planen für eine Zukunft, in der das Betriebssystem und das Gerät, auf dem es läuft, eine Nebenrolle spielen. Cloud-Dienste, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und allerhand Assistenten sollen dafür sorgen, dass Nutzerinnen und Nutzer parallel und ohne Komplikationen allerhand Geräte verwenden können – ganz unabhängig von Hersteller und Betriebssystem. Bis zu sechs solcher Geräte würde ein durchnittlicher Nutzer schon bald verwenden, sagt eine Prognose von Microsoft.

Ein Detail am Rande: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Microsoft für eine solche Zukunft besser aufgestellt ist als Google und Apple. Da Microsoft den Smartphone-Trend verschlafen hat und Windows-PCs (bei aller Sympathie fürs Surface-Programm) zur Nischenerscheinung werden, kann der Konzern, ohne auf eigene Geräte und Betriebssysteme Rücksicht zu nehmen, vorwärtspreschen. Während Google und Apple immer auch die eigenen Geräte und deren Verkaufszahlen im Auge behalten müssen, ist Microsoft nolens volens zur geräteübergreifenden Cloud-Firma geworden.

Kein Wunder, spielen bei diesen Entwicklungen Android und Windows nur noch Nebenrollen und entwickeln sich nur noch langsam weiter. Die Zeit der Betriebssysteme ist vorbei, ist man geneigt zu meinen. Abgesehen von ein paar Details und Bedienmethoden unterscheiden sie sich nur noch in Nuancen.

Nur noch Nuancen

Doch was bedeutet diese Entwicklung hin zu geräteübergreifenden Diensten und Apps für Apple? Innert zehn Jahren haben sich Android und iOS angeglichen. Konnte Android anfangs mehr und war iOS bequemer, ist es inzwischen fast nur noch den persönlichen Vorlieben geschuldet, auf welcher Plattform man sich wohler fühlt. In Sachen Funktionen muss man schon ganz genau schauen, um noch Unterschiede zu finden.

Mit Apple Music ist Apple zwar auch auf Android (und bald Windows) vertreten, aber sonst ist die Software des Apfel-Konzerns an die eigenen Geräte gekoppelt. Am deutlichsten sieht man das bei iMessage. Den Kurznachrichtendienst gibt es nach wie vor nur auf Apple-Geräten. Auch wenn eine (vielleicht sogar kostenpflichtige) Android-Version den Messenger auch für iPhone-Besitzer deutlich nützlicher machen würde, da sie dann alle Freunde damit erreichen könnten, hat Apple bislang kein Interesse an solchen Plänen gezeigt.

Services für eigene Geräte

Stattdessen arbeitet Apple seit Jahren daran, die eigenen Geräte besser untereinander zu vernetzen. Dass man das Macbook bequem (und ohne eigenes Zutun) mit der Apple Watch entsperren kann, ist nur eines der aktuellsten Beispiele.

Services, also Dienste wie iCloud oder Apple Music, spülen zwar Quartal für Quartal mehr Geld in Apples Kasse, doch nur Apple Music ist wirklich plattformübergreifend. Die anderen Apple-Services richten sich an Apples bestehende Kunden.

Dass dieser Fokus auf das eigene Geräte- und Dienste-Ökosystem nicht risikolos ist, zeigte der Tech-Experte Ben Thompson kürzlich in einem Artikel über WeChat. Die in China aus dem Alltag nicht mehr wegzudenkende Chat-App ist mit eigenen Mini-Apps zu einer Art Betriebssystem im Betriebssystem geworden. Das hat zur Folge, dass es für Handy-käufer keine Rolle spielt, ob sie nun bei Apple, Huawei oder Samsung einkaufen. Da sie im Alltag die WeChat-App kaum verlassen, ist alles drum herum zweitrangig.

Es wird also spannend zu beobachten, wie sich Apple in den nächsten Monaten in diesem Feld positionieren wird. Die Entwicklerkonferenz am Pfingstmontag dürfte einige Anhaltspunkte bereithalten.

Quantensprung statt Gänseschrittchen

Doch auch in einem anderen Bereich kann man von Apple noch einiges erwarten. Während Windows und Android Gänseschrittchen machen, ist es nun an Apple, zu zeigen, dass es bei Betriebssystemen für Smartphones, Tablets und Computer noch reichlich Raum für Verbesserungen gibt.

Denn welche Firma ist besser positioniert, um Betriebssysteme wieder spannend zu machen, als diejenige, die Computer und Smartphones benutzerfreundlich machte?

Oder stehlen am Schluss dann doch die neuen iPads, Siri-Lautsprecher und Macbooks der Software die Show?

Die Apple-Entwicklerkonferenz WWDC beginnt heute um 19:00 Uhr mit einer grossen Präsentation und zahlreichen Neuheiten. DerBund.ch/Newsnet berichtet live.

DerBund.ch/Newsnet

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