Für den Einstieg in die Drahtlosklasse

Sennheiser bringt mit einem preiswerten Bluetooth-Kopfhörer eine brauchbare Alternative zu Apples AirPods – zumindest für weniger intensive Nutzer.

0

Klein, leicht und weniger auffällig als Apples drahtlose Kopfhörer mit dem auffälligen Stiel.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gab ein grosses Hallo, als Apple 2016 beim iPhone 7 die Kopfhörerbuchse abschaffte. «Eine der kontroversesten Entscheidungen in der Geschichte des Smartphones!», rief Forbes.com. «Nein, kein Problem», widersprach Cnet.com: «Die drahtlosen Kopfhörer sind sowieso die Zukunft.»

Auch DerBund.ch/Newsnet hat damals die Vorteile betont: Drahtlose Kopfhörer sind in vielen Situationen praktischer und weniger anfällig für Verschleiss. Bei intensiver Benutzung geht oft das Kabel kaputt und erfordert einen Austausch, selbst wenn die Kopfhörer noch tadellos funktionieren würden.

Apple hat von der Abschaffung der Kopfhörerbuchse profitiert

Profitiert von der Abschaffung des Kopfhöreranschlusses hat vor allem Apple: Wie eine Statistik von Statista.com zeigt, hat der iPhone-Konzern mit seinen AirPods aus dem Stand einen Marktanteil von 26 Prozent erreicht. Der Anteil am Drahtloskuchen der anderen Hersteller ist entsprechend geschrumpft. Doch da der Kuchen insgesamt markant gewachsen sein dürfte, ist das für sie wahrscheinlich nur halb so schlimm.

Dass es nebst den AirPods brauchbare Alternativen gibt, zeigt Sennheiser mit dem CX 6.00BT. Er gehört zu der Kategorie In-Ear und hat ein diskreteres Design als Apples Ohrstöpsel, die einen auffälligen Stiel haben und komplett kabellos sind. Die beiden Kapseln beim Sennheiser sind durch ein Kabel verbunden, das man im Nacken oder vor dem Kinn tragen kann. Die sehr kompakte Bauweise der Kapseln hat den Vorteil, dass der Kopfhörer mit 14 Gramm sehr leicht ist und selbst in der Hemd- oder Westentasche nicht stört.

Grösser klingt besser

So praktisch das ist, es führt dazu, dass die platzsparend gebauten Modelle bei der Klangqualität hinter den grösseren Modellen (wie dem auch deutlich teureren Bose SoundSport Wireless) oder ausgewachsenen Muschelkopfhörern zurückstehen müssen. Denn grössere Membrane bewegen mehr Luft und erzeugen einen kraftvolleren Klang. Wer dem Klang die höchste bzw. absolute Priorität einräumt, der darf sich nicht mit In-Ear-Kopfhörern aufhalten. Er muss seine Scham überwinden und auch in der Öffentlichkeit ein Ohr-umschliessendes Modell verwenden – selbst wenn es schräge Blicke absetzt.

Der Klang des CX 6.00BT von Sennheiser ist in Ordnung, aber im direkten Vergleich mit teureren Modellen doch relativ wenig nuanciert und etwas dumpf. Für Gebrauchs-Audio wie Podcasts, Hörbücher und typischerweise wenig differenziertes Pop-Ohrenfutter ist das verkraftbar. Für anspruchsvollere Hörerlebnisse sollte man etwas mehr investieren.

Ein wichtiger Aspekt bei Kopfhörern ist nebst dem Klang der Tragekomfort. Und der ist eine sehr individuelle Sache. Nicht alle Ohren sind für die klassischen In-Ear-Kopfhörer – die sogenannten Ohrstöpsel – gut geeignet. Die Hersteller liefern zwar Aufsätze in mehreren Grössen mit (meist klein, mittel und gross), doch die passen immer nur annähernd. Wer das Problem hat, dass ihm die Kapseln oft aus dem Ohr fallen, der sollte ein Sportmodell wie die erwähnten Bose SoundSport ausprobieren: Die weisen eine Art Segel aus Silikon auf, das in der Höhlung der Ohrmuschel (der Concha auriculae) verankert wird. Das hält sie an Ort und Stelle fest – doch ob man sie als angenehm oder eher störend empfindet, ist ebenfalls Geschmackssache.

Etwas kurze Batterielaufzeit

Das Verbinden der Kopfhörer per Bluetooth mit dem Smartphone, das Pairing, hat beim Test problemlos geklappt. Die Bedienung des Kopfhörers ist ähnlich wie bei anderen drahtlosen Modellen. Etwas irritierend ist allerdings, dass man zum Ausschalten den Knopf ganze vier Sekunden gedrückt halten muss. Gegen ein versehentliches Aus würde auch eine kürzere Dauer helfen. Wie bei anderen Modellen üblich, gibt eine künstliche Stimme Statusinformationen wie «Power On» und «Connecting» aus. Der Batterieladestand wird beim Einschalten nicht angegeben, so wie das andere Bluetooth-Kopfhörer tun. Man kann die verbleibende Nutzungszeit aber abfragen, indem man den Leiser-Knopf zweimal schnell hintereinander drückt. Sennheiser gibt die Laufzeit der Batterie mit sechs Stunden an. Bei unserem Test war sie effektiv etwas kürzer.

Das Promo-Video der CX 6.00BT-Kopfhörer(Video: Youtube/Sennheiser)

App für Klangoptimierungsexperimente

Sennheiser stellt für seine drahtlosen Kopfhörer eine App namens Captune (kostenlos für iPhone/iPad und für Android) zur Verfügung. Die ist für die Nutzung nicht nötig; und sie ist im Vergleich zu den Apps anderer Hersteller (etwa Sony oder Bose) eher bescheiden ausgefallen: Man kann mit ihr Musik aus der Mediathek des Smartphones und über den Streamingdienst Tidal abspielen. Und sie stellt einen Equalizer zur Verfügung, der mit einer Funktion namens Soundcheck dabei helfen will, die optimalen Klangeinstellungen zu treffen: Man erhält in mehreren Schritten unterschiedliche Frequenzverläufe vorgesetzt, die man mit der unveränderten Wiedergabe vergleicht.

Fazit: Der Sennheiser CX 6.00BT ist für um die 100 Franken erhältlich. Der Kopfhörer ist eine gute Wahl in der Kategorie der Einsteigerklasse. Für die weniger intensive Nutzung oder für spezielle Einsatzgebiete, zum Beispiel fürs Pendeln, ist er zu dem Preis völlig okay. Anspruchsvolle Musikliebhaber sollten etwas mehr investieren.

Das Testmodell hat uns Sennheiser zur Verfügung gestellt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 17:23 Uhr

Artikel zum Thema

Der Poltergeist im Lautsprecher

Ein Eigenleben und ­Selbstgespräche: Amazon Echo lehrt seine Besitzer das Fürchten. Mehr...

Mehr Pfupf für Spotify!

Video Die besten Tricks für Musikstreaming für bessere Suchen, schönere Playlists, vielfältigere Musikprogramme und den perfekten Partymix. Mehr...

Die Musik wird automatisiert

Programme komponieren zwar noch keine Nummer-1-Hits, doch Musik aus dem Computer ist längst Realität. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Volltreffer! Die Fussballkolumne.

Grädel schreibt über Fussball und die Welt. Wenn einer in Bern und Umgebung echten Fussballsachverstand hat, dann er.

Kommentare

Newsletter

Jeden Morgen. Montag bis Samstag.

Die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt den neuen kostenlosen Newsletter entdecken!

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...