Die App als Arzt und Lebensretter

Bei Notfällen kennt das Handy lebensrettende Sofortmassnahmen. Auch bei kleinen Gebrechen kann es helfen.

Wer zur Hypochondrie neigt, sollte sich nicht auf ergoogelte Selbstdiagnosen verlassen.
Video: Matthias Schüssler

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Was tun, wenn es juckt, kneift und zieht, die Lunge pfeift, die Gelenke klappern und Nachtschweiss ausbricht? Klar: Wenn wir Internet- und Smartphone-Nutzer uns nicht wohlfühlen, dann zücken wir das Smartphone und googeln die Symptome. Die Suchmaschine wurde zeitweise sogar dafür genutzt, Erkältungswellen vorherzusagen.

Allerdings ist Doktor Google kein sonderlich guter Diagnostiker, sondern eher einer, der Hypochonder züchtet. Wie «Geo» konstatierte, tut es vielen Leuten nicht besonders gut, wenn Suchresultate ungefiltert auf sie hereinprasseln: «Wer Kopfschmerz googelt, landet garantiert beim Hirntumor.»

Diagnose mittels künstlicher Intelligenz

Doch neue Gesundheits-Apps gehen dank künstlicher Intelligenz systematisch an die Sache heran. Sie stellen gezielte Fragen nach Symptomen und Begleiterscheinungen und klären so ab, welche Befunde unter den geschilderten Umständen wahrscheinlich sind. Bei Bagatellen kann die Empfehlung dann durchaus lauten, dass man erst einmal abwarten und den sprichwörtlichen Tee trinken soll. Wenn die App etwas Gravierendes vermutet, wird sie selbstverständlich empfehlen, den Hausarzt aufzusuchen oder gleich den Krankenwagen zu rufen.

Im Video stellen wir zwei solche Apps vor:

Ada ist kostenlos für Android und das iPhone/iPad erhältlich. Die App stammt von einem Berliner Start-up, das sich in diesem Beitrag von Heise.de selbstbewusst gibt: Ada erkenne inzwischen 1500 Krankheitsbilder und 200 seltene Krankheiten – was mehr sei, als ein Arzt in der Regel beherrsche.

Ist es dringlich oder nicht?

Die App funktioniert dialogisch: Sie fragt erst nach dem Hauptsymptom und stellt weitere Fragen, zu denen man vorgegebene Auswahlmöglichkeiten erhält und bei denen man im Zweifelsfall auch zusätzliche Erklärungen bekommen kann. Nach etwa zwei Dutzend Antworten erhält man einen Bericht, der die möglichen Ursachen nach Wahrscheinlichkeit sortiert auflistet. Zu den einzelnen Krankheitsbildern werden die klassischen Symptome und Risiken angegeben.

Links die Ada-App, rechts Babylon Health.

Man erfährt, wie der Arzt sie diagnostiziert und behandelt und welche Vorsorgemöglichkeiten es gibt. Natürlich muss man noch selbst entscheiden, was man mit den Informationen anfängt, zumal einem keine App diese Verantwortung abnehmen wird. Aber man erhält einen guten Eindruck von der Dringlichkeit.

In der App werden die abgefragten Fälle protokolliert, und man kann den Verlauf der Symptome über die Zeit dokumentieren.

«Das sind die Spitäler in deiner Umgebung»

Babylon Health (kostenlos für iPhone/iPad und Android) funktioniert ähnlich, muss aber mit englischen Angaben gefüttert werden. Am Ende des Prozesses gibt die App keine Diagnose ab, sondern sagt, ob sie einen Arztbesuch für angebracht hält oder nicht. Die aus Grossbritannien stammende App erlaubt es Nutzern, im Mutterland direkt mit einem Allgemeinmediziner Verbindung aufzunehmen und Konsultationen zu vereinbaren. Hierzulande ist diese Funktion nicht eingebaut – wenn die App einen Notfall vermutet, sucht sie jedoch Ärzte und Spitäler in der Nähe.

Die Erste-Hilfe-App versorgt einen in Ausnahmesituationen mit wertvollen Informationen.

Erste Hilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes (kostenlos für iPhone/iPad und für Android). Diese App gehört zur Grundausstattung jedes Smartphones, denn sie liefert für diverse medizinische Notfälle Handlungsanleitungen für lebensrettende Sofortmassnahmen – und zwar schneller, als man sie in einer Ausnahmesituation googeln könnte. Die App erklärt, wie sich Symptome äussern, und beantwortet drängende Fragen zu Allergien über Blutungen, Erstickung, Herzinfarkt, Hirn- und Hitzschlag, Knochenbrüchen, Vergiftungen und diversen weiteren gesundheitlichen Störungen.

Darüber hinaus liefert die App auch Hinweise zur Prävention und die Möglichkeit, sich mittels Tests auf Notfälle vorzubereiten. Und selbst wenn man Geld oder Blut spenden will, gibt es die passenden Informationen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.06.2018, 13:18 Uhr

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Falls Sie ein Anliegen haben, das sich für die Behandlung in unserer neuen Rubrik eignen würde, dann unterbreiten Sie uns das bitte über die Kommentarfunktion oder schreiben Sie an matthias.schuessler@tages-anzeiger.ch.

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