Der Alte Silvester in Urnäsch bringts an den Tag

Mensch & Maschine

Was die Appenzeller Traditionsveranstaltung über den Kameramarkt aussagt.

2014 dominierten noch Spiegelreflexkameras.

2014 dominierten noch Spiegelreflexkameras.

(Bild: Keystone)

Rafael Zeier@RafaelZeier

Verkaufszahlen, Marktanteilstatistiken und allerhand Grafiken sollen zeigen, wie gut sich ein neues Handy verkauft, wie erfolgreich ein Kamerahersteller ist und vor allem welche Geräte im Alltag der Menschen angekommen sind und eine Rolle spielen. Wer jedoch nur auf Modelle, Vorhersagen und Statistiken vertraut, läuft Gefahr, das grosse Ganze aus den Augen zu verlieren. Ähnlich wie das Periskop eines U-Boots zeigen sie nur einen winzigen Ausschnitt.

Apple-Chef Tim Cook hat letztes Jahr zugegeben, sein Unternehmen hätte die Nachfrage nach dem kleineren iPhone SE massiv unterschätzt. Die Folge: Lieferengpässe. Dass ein Gerät auf grösseres Interesse als vermutet stösst, ist ein Luxusproblem. Häufiger passiert es, dass eine Firma ein Produkt auf den Markt bringt, das sich entgegen allen internen Erwartungen nur schlecht oder gar nicht verkauft.

Alltags-Tests

Ich selbst vertraue darum nicht nur auf Statistiken, sondern auch auf verschiedene Alltags-Tests. Wenn es zum Beispiel um Fotokameras und deren Verbreitung geht, setze ich seit Jahren auf den Alten Silvester in Urnäsch Jahr für Jahr ziehen am 13. Januar die wüeschte, schöwüeschte und schöne Chlausschuppel zahlreiche Schaulustige mit ihren Kameras an. Obwohl die Statistiken seit Jahren ein Ende der Fotokamera vorhersagen, dominierten in den letzten Jahren nicht etwa Handykameras, sondern protzige Spiegelreflexkameras mit grellen Canon- und Nikon-Bändeln.

In diesem Jahr scheint nun aber auch diese Bastion der traditionellen Kamera ins Wanken geraten zu sein. Noch an keinem Alten Silvester sind mir mehr Handys und weniger Spiegelreflexkameras aufgefallen. Munter wurde damit trotz Schneefall gefilmt und fotografiert. Währenddessen steckten die wenigen verbliebenen Spiegelreflexkameras zum Schutz vor dem Schnee in durchsichtigen Plastiksäckli und verschwanden nach ein paar Fotos schnell wieder in den grossen Schultertaschen und Rucksäcken.

Wo sind die Google-Uhren?

Umgekehrt verhält es sich mit Smartwatches und Fitnessarmbändern. Die sind zwar in aller Munde – sogar in der Migros gibt es entsprechende Aktionsangebote gleich gegenüber den Kaffeekapseln. Doch an Handgelenken sieht man sie im Alltag zwar immer häufiger, aber immer noch selten.

Ja selbst an der Eröffnung der neuen Google-Büros vergangene Woche musste man schon ganz genau hinschauen, um wenigstens zwei, drei Google-Smartwatches zu sehen. Auf bescheidenem Niveau waren bei den Google-Mitarbeitern Konkurrenz-Armbänder von Fitbit, Garmin und Apple in der Überzahl.

SonntagsZeitung

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