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Das Handy hört, liest und übersetzt

Mobiltelefone der neusten Generation gehorchen aufs Wort und können lesen. Wir stellen die besten Spracherkennungsprogramme vor.

Statt eine SMS oder E-Mail zu tippen, spricht man einfach ins Handy - und auf dem Bildschirm erscheint der Text. Das Gerät erkennt fotografierten Text und übersetzt diesen in andere Sprachen.

Die kleinen Computer, die in Mobiltelefonen arbeiten, werden immer leistungsfähiger. Dieser Tage hat Intel mit dem Atom Z6 einen Handychip angekündigt, der 20 Mal schneller rechnen kann, als bisherige Prozessoren. Doch bereits heute gekaufte Modelle sind schlau genug, um Sprache und Schrift zu erkennen.

Es begann mit Voice-Dial

Spracherkennung am Handy gibt es seit über zehn Jahren. Denn bereits dem legendären T18 von Sony Ericsson konnte man Namen von Personen zurufen, dessen Telefonnummer es dann automatisch wählte.

Das Ganze war aber eher ein Taschenspielertrick. Man durfte nämlich aus dem Adressbuch lediglich zehn Einträge auswählen und musste bei diesen einzeln den Sprachbefehl anlernen. Ein weiteres Kommando aktivierte die Erkennung.

Wollte man also in den 90er-Jahren während der Autofahrt seine Ehefrau auf dem Beifahrersitz beeindrucken, brüllte man «Spracherkennung ein» und «Mausi» in Richtung Telefon und hoffte, dass danach auch wirklich das Mobiltelefon der Ehefrau klingelte.

Politisch korrekte Texte

Handy-Spracherkennung im Jahr 2010 kann viel mehr - und ist sogar politisch korrekt. Auf Mobiltelefonen mit dem Betriebssystem Android kann man statt eine SMS zu tippen einfach ins Mikrofon sprechen. Sekunden später erscheint auf dem Display der Text.

Allerdings wird auch hier noch getrickst. Denn die Sprachdaten werden via Internet an einen Grossrechner von Google übermittelt, dort analysiert und dann als «politisch korrekter Text» wieder auf das Handy geschickt.

Die Korrektheit betrifft dabei vor allem Schimpfwörter, die Google automatisch durch mehrere Rautenzeichen ersetzt. Die Spracherkennung funktioniert ferner nur in englischer Sprache.

Einen Schritt weiter geht das Android-Programm Translate. Hier darf man englische Wörter ins Mikrofon sprechen und sieht dann auf dem Bildschirm die Übersetzung, beispielsweise ins Spanische oder Chinesische. Tippt man auf das Übersetzte, wird es sogar mit synthetischer Stimme ausgesprochen.

Alternativen zur Spracherkennung von Google sind die Spracherkennungsdienste von Yahoo, die unter De.m.yahoo.com/voice direkt auf dem Handy installiert werden. Das mit Grundfunktionen kostenlose Spracherkennungsprogramm Vlingo kann ebenfalls auf Telefonen verschiedenster Hersteller und dem iPhone installiert werden.

Oft wird allerdings die Erkennung deutscher Sprache noch stiefmütterlich behandelt. Auch Jugendliche, die ihre SMS lieber im Schweizerdialekt verfassen, werden noch länger auf automatische Spracherkennung warten müssen.

Das Handy kann lesen

Fortschritte macht das Handy auch im Fach «Lesen». Bereits seit Jahren gibt es beispielsweise das Programm «Shoot and Translate» für verschiedene Handy-Modelle.

Dabei fotografiert man beispielsweise ein Strassenschild mit der Handykamera. Das Foto wird via Internet an einen Grossrechner übertragen und dort mittels optischer Zeichenerkennung der Text extrahiert.

Dieser wird automatisch von einer Fremdsprache ins Deutsche übersetzt und das Ergebnis letztlich als Text auf dem Handy- Bildschirm angezeigt. Im Ausland lässt sich die Lösung aber schlecht nutzen, weil für den Internettransfer hohe Gebühren anfallen.

Einen anderen Ansatz verfolgt Babel Reader, das allerdings nur mit Telefonen unter Windows Mobile 6 arbeitet. Hier wird der Text in einem Bild durch die Rechenleistung des Handy erkannt. Bei einem Test wurde dabei aber jedes vierte Wort falsch erkannt. Ferner muss für die Übersetzung in eine andere Sprache ein zusätzliches Programm oder ein Internetdienst genutzt werden.

Auch für Kleingedrucktes

Praktisch ist natürlich, wenn man mit dem Handy eine Visitenkarte einfach fotografieren kann und dann deren Daten mit der richtigen Zuordnung von Name und Telefonnummer im Handy-Adressbuch eingetragen werden.

Entsprechende Lösungen sind teils auf Handy von Sony Ericsson und Nokia vorinstalliert, andere Modelle lassen sich mit dem «Abbyy business card reader» nachrüsten. Für das iPhone findet das Suchwort OCR in Apples Programmladen über ein Dutzend entsprechende Lösungen.

Nicht gratis, dafür aber an die Bedürfnisse von Sehbehinderten angepasst ist kReader Mobile. Dieses Programm für Nokia-Handys liest fotografierten Text laut vor. Wer letztlich sein Handy lediglich als Lupe zweckentfremden will, kann mit Nokias kostenlosem Magnifier oder mit «Lupe lite» auf dem iPhone auch Kleingedrucktes entziffern.

Gesichter identifizieren

Auch bei der automatischen Texterkennung will Google neue Standards setzten. Die Firma hat dazu in ihrem kostenlosen Programm Goggles für Android-Handys Fotografie, Texterkennung und Übersetzung kombiniert. Man fotografiert den zu übersetzenden fremdsprachigen Text und erhält Sekunden später die Übersetzung ins Deutsche.

Goggles kann aber nicht nur Text, sondern auch Produkte, Kunstwerke und Gebäude erkennen. Das geknipste Filmplakat liefert die Information, in welchem nahegelegenen Kino der Streifen zu sehen ist. Der Eiffelturm wird genauso erkannt wie das Bild von van Gogh. Die nächste Stufe wird sein, dass auch Gesichter identifiziert werden.

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