Das Galaxy Tab S4 im Alltags-Test

Samsungs neustes Tablet will das iPad Pro vom Thron stossen. Ob es gelingt?

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Nein, mangelndes Engagement kann man Samsung dieses Mal nun wirklich nicht vorwerfen. Dieses Mal hat der südkoreanische Technologiekonzern alles gegeben. Das Galaxy Tab S4 (ab 910 Franken inkl. Tastatur) ist Samsungs bis dato bester Versuch, dem iPad Pro Konkurrenz zu machen.

Das Tablet sieht im Glas- und Metall-Design elegant aus, der Akku hält eher zwei als einen Arbeitstag (Samsung verspricht bis zu 16 Stunden), die für den Preis etwas knappen 64 GB Speicherplatz lassen sich leicht erweitern, der Bildschirm ist (wenn auch etwas lang gezogen) ein Hingucker, auf der Tastatur tippt es sich bequem und auch der Stift macht einen gewohnt guten Eindruck.

Vielseitiger Anschluss

Ein weiteres Highlight ist der USB-C-Anschluss. Den richtigen Adapter vorausgesetzt, kann man damit jeden Bildschirm oder Fernseher zum Zweitbildschirm machen und allerhand Geräte wie Festplatten oder Kamera direkt ans Tablet anschliessen. Wer will, kann eine Variante des S4 mit LTE kaufen und so ohne Handy-Hotspot bequem überall ins Internet. Ja, Samsung hat sogar ein spezielles Ladedock im Angebot, damit kann man das Tablet am Arbeitsplatz kabellos laden und als Fotorahmen nutzen.

Dass es dem S4 trotzdem nicht gelingt, das iPad Pro vom Thron zu stossen, ist Google geschuldet. Android ist auf Tablets zwar besser als auch schon und man kann sich damit arrangieren. Aber es ist immer noch nicht so bequem oder vielseitig wie iOS oder Windows 10.

Mängel kaschieren

Samsung war sich der Mängel offensichtlich bewusst und hat auf dem S4 mit Dex eine Art optionale Tablet- oder Desktop-Oberfläche verbaut. Auf Knopfdruck und nach 3–4 Sekunden verwandelt sich die auf Handys ausgerichtete Benutzeroberfläche in eine, die eher an Windows 10, macOS oder Chrome OS erinnert.

Es ist im Alltag erstaunlich, wie gut es Samsung gelungen ist, Androids-Schwächen damit zu kaschieren. Hin und wieder glaubt man sich tatsächlich an einem Windows-Laptop und nicht an einem Android-Tablet. Doch perfekt ist die Illusion nicht. Manche Apps funktionieren nur in Fenstern, andere (Netflix zum Beispiel) vertragen sich gar nicht mit Samsungs Dex.

Sonderzeichen Chrüsimüsi

Mühsamer noch war im Alltag, dass die angedockte Tastatur immer wieder auf das englische Tasten-Layout zurückfiel. Auch wenn man sie extra in den Einstellungen auf Deutsch eingestellt hat, gabs im Test mehrfach ein y statt ein z und ein ziemliches Chrüsimüsi mit Sonderzeichen. Ob der Fehler hier bei Samsung oder Google zu suchen ist, mögen die Ingenieure untereinander klären.

Ganz klar bei Samsung zu verorten ist das nächste Problem: Das automatische Entsperren per Gesichtserkennung funktionierte im Test weniger als zehnmal – und damit gefühlt sogar noch etwas schlechter als beim Surface Go. Bei den restlichen über hundert Entsperrversuchen musste man das Passwort wohl oder übel manuell eingeben.

Ärgerliche Gesichtserkennung

Bei den neusten Samsung-Handys funktioniert die Gesichtserkennung inzwischen ziemlich ordentlich. Aber verglichen mit Apples Face-ID ist es keine Diskussion, dass Samsungs Technologie nicht auf demselben Niveau ist. Dem Vernehmen nach arbeitet der Konzern bereits an einer neuen Entsperrmethode, die dann im Frühjahr 2019 parat sein soll.

Ein letzter Kritikpunkt noch: Per Bluetooth kann man eine Maus an das Tablet anschliessen. So wird es gerade mit einem externen Monitor zu einem ziemlich passablen PC-Ersatz. Ist man aber zum Beispiel im Zug unterwegs vermisst man ein Touchpad an der Tastatur, wie man es von Laptops oder den Surface Tablets kennt.

Fazit: Das Galaxy Tab S4 ist ein sehr gutes, aber auch sehr teures Android-Tablet. Für ein bisschen Surfen oder Filmeschauen ist es deutlich übermotorisiert. Wer es als Laptop und damit als Arbeitsgerät nutzen will, sollte sich schon mit den Einschränkungen von Android auskennen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Bevor man sich entscheidet, könnte sich ein Blick ins Surface- oder iPad-Sortiment lohnen.

Ausblick: So sehr Samsungs Handysparte von Googles Android profitiert, so sehr wird die Tablet-Sparte davon ausgebremst. Im vergangenen Jahr experimentierte Samsung mit dem Galaxy Book mit Windows 10. Doch dafür gibt es heuer (bis jetzt) keinen Nachfolger. So bleibt Samsung nichts anderes übrig, als zu warten, bis Google sich entscheidet, wie es mit Geräten zwischen Handys und Laptops weitergehen soll. Denn wenn die Software nicht in Bestform ist, nützt die beste Hardware nichts.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.08.2018, 18:43 Uhr

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