Das Galaxy Note 9 im Alltagstest

Samsungs neustes Handy verspricht Topleistung in allen Kategorien. Aber merkt man das auch wirklich?

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Mit Samsungs Note-Handys ist das immer so eine Sache. Die erfüllen in erster Linie zwei Funktionen:

  • Sie machen mit allerhand Finessen, neusten Chips, reichlich Speicher, grossen Bildschirmen und dem namensgebenden Stift Technik-Fans glücklich.

  • Sie zeigen jeweils geschickt ein paar Wochen vor der Präsentation der neuen iPhones, dass Apple-Telefone nicht das Mass aller Dinge sind und der südkoreanische Tech-Konzern gerade beim Vergleich der technischen Innereien durchaus mithalten und in der einen oder anderen Kategorie Apple sogar übertrumpfen kann.

Nach genau diesem Drehbuch sieht es auf den ersten Blick auch heuer aus. Das im Frühling vorgestellte Galaxy S9 soll den Massenmarkt bedienen und das Note 9 soll nun mit einem Preis von 1050 resp. 1350 Franken das Angebot nach oben abrunden und Apple zeigen, wo der Hammer hängt.

Da sich das S9 aber nicht so gut verkauft, wie sich das die Finanzplaner des Konzerns erhofft haben und immer wieder die Rede von einem faltbaren Samsung-Handy ist, hängt das Note 9 etwas im leeren Raum. Soll es die Verkaufszahlen retten? Wird es schon in ein paar Wochen oder Monaten von einem noch besseren Samsung-Handy übertrumpft?

Schauen wir uns das Note 9 genauer an!

Erster Eindruck an der Präsentation. Video: zei

Die beste und alltagstauglichste Neuerung gleich vorweg: Der Akku ist nun deutlich grösser als bei früheren Samsung-Handys. Mit 4000 mAh fasst er nun gleich viel wie die neusten Handys von Huawei.

Natürlich geht es bei der Ausdauer nicht nur um die Akku-Grösse. Software spielt auch eine wichtige Rolle. Aber so ein Riesen-Akku hilft ungemein.

Bis zu zwei Tage

Technik-Fans, die das Handy überdurchschnittlich nutzen und auch mal eine Runde Fortnite spielen, schaffen damit einen Arbeitstag. Sollten aber vor dem Heimweg noch mal nachladen. Bei bescheidenerer Nutzung, was bei so einem hochgezüchteten Handy freilich eine Verschwendung ist, kann der Akku auch schon mal zwei Tage durchhalten.

Schon fast gesetzt auf der Highlight-Liste ist bei Samsung-Geräten der Bildschirm. Der ist auch beim Note 9 wieder surreal gut. Den einzigen Kritikpunkt kennt man schon aus den Vorjahren: Da das Display links und rechts leicht gebogen ist, gibt es Reflexionen und man erwischt ganz am Rand platzierte Menü-Punkte nicht immer perfekt. Aber dafür ist es ein Hingucker.

Gelber Stift

Ein Hingucker ist auch der neue Stift. Der ist nämlich bei der blauen Version des Note 9 tatsächlich gelb. Das sieht toll aus. Allerdings werden die meisten Kunden dann doch zur schwarzen Variante greifen.

Spannender ist da eine neue Funktion. Neu steckt im Stift, der ein bisschen an einen zu gross geratenen Zahnstocher erinnert, ein Bluetooth-Modul. Damit kann man bei Präsentationen Folien weiterklicken oder durch die eigene Fotosammlung navigieren.

Knips per Stift

Die beste Funktion am Stift ist aber diese: Der Knopf ist nun auch ein Fernauslöser für die Kamera. Das ist ausgesprochen praktisch. Wenn man etwa mit der Kamera einen aussergewöhnlichen Winkel aufnehmen möchte, muss man nun nicht mehr mühsam den Auslöser suchen. Man drückt einfach auf den Stift. Auch bei Gruppenfotos und natürlich Selfies ist der Fernauslöser praktisch.

Wo wir es schon von der Kamera haben: Die sei Hardware-technisch dieselbe wie beim Galaxy S9+. Doch die Software soll nun schlauer sein und sich besser an das gewählte Fotomotiv anpassen.

Zuverlässige Fotokamera

Im Fototest machte das Note 9 eine ähnlich gute Figur wie das S9 im Frühjahr. Es ist erstaunlich, wie ähnlich die Kamera des Note der des iPhones inzwischen ist. Ausser bei wenig Licht, wo Samsung die Nase vorn hat, schenken sich die zwei nichts. Man muss schon sehr genau hinschauen, um die Bilder einem der beiden Hersteller zuzuordnen.

Weniger ausgeglichen verläuft der Vergleich mit dem aktuellen Kamera-Primus dem Huawei P20 Pro. An die aktuell spannendste und vielseitigste Handy-Kamera reicht Samsungs Doppelkamera nicht heran. Dafür ist die Kamera des Note besonders für ungeduldige Gelegenheitsfotografen zuverlässiger und haut nicht hin und wieder mit etwas gar übermütigen digitalen Tricks daneben, wie es dem P20 Pro immer mal wieder passieren kann.

Unzuverlässiges Entsperren

Anders als beim kürzlich getesteten Galaxy Tab S4 funktioniert das Entsperren per Gesichtserkennung beim Note 9 ganz ordentlich. Aber in Sachen Komfort und Zuverlässigkeit liegt auch dieses Samsung-Handy um Welten hinter dem iPhone X.

Verglichen mit Apples Face-ID erinnert Samsungs Entsperrmethode an die ersten Samsung-Handys mit Fingerabdrucksensor. Bei denen konnte man nicht, wie heute üblich, einfach drauf drücken, da musste man den Finger noch mühsam drüber ziehen. Dem Vernehmen nach hat Samsung aber bereits eine bessere Technologie in der Hinterhand. Die soll aber erst beim Galaxy S10 im Frühjahr 2019 vorgestellt werden.

Letztjähriges Android

Noch ein Wort zur Software. Auf dem Handy läuft noch das letztjährige Android 8. Da Samsung nicht den besten Ruf hat was Updates anbelangt, sollte man seine Hoffnungen besser nicht zu hoch ansetzen.

In einem anderen Software-Bereich trumpft Samsung dafür auf: Schliesst man das Note 9 mit einem USB-C-Adapter an einen Bildschirm, eine Tastatur und eine Maus an, wird daraus ein Windows-10-ähnlicher PC.

Bei früheren Samsung-Handys brauchte es für diesen Dex-Modus jeweils noch ein spezielles Dock. Nun kann das das Handy selbst. Das ist beeindruckend, aber ob das im Alltag ankommt, muss sich erst noch zeigen.

Noch ein Detail: Wie schon beim neuen HTC U12+ kritisiert, hat auch das Note 9 ein Flair für Boulevard-News. Unter Bixby-Home findet man einen vorinstallierten Nachrichten-Ticker, der überraschend häufig Meldungen von Gala.de bringt und für eine US-Hörgeräte-Sensation wirbt. Bei einem so teuren Handy sollten Hersteller wie Samsung auf solche Zusatzverdienste verzichten.

Fazit: Das Note 9 hat keine Schwächen. In jeder Kategorie gehört es zu den allerbesten Smartphones. Dass es dennoch in keiner Kategorie die Konkurrenz deutlich übertrumpft, liegt daran, dass Samsung heuer ein ruhiges Jahr einlegt. Grosse Updates gibts wohl erst nächstes Jahr wieder. Wer das nötige Budget hat, kann mit dem Note 9 dennoch nichts falsch machen. Etwas günstigere Alternativen wären zum Beispiel das Galaxy S9+ oder das Huawei P20 Pro. Ein iPhone kann man so kurz vor der Präsentation der neuen (12. September?) aktuell nicht mehr empfehlen. Aber mit dem Google Pixel 3 und dem Huawei Mate 20 am Horizont, sollte man vielleicht besser noch ein zwei Monate mit einem Neukauf warten. Gerade wenn man überlegt, so viel Geld für ein Handy auszugeben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2018, 20:35 Uhr

Technische Innereien

Bildschirm: 6,4 Zoll

Prozessor: Exynos / Snapdragon

Akku: 4000mAh

Software: Android 8

Speicher: 128/512 GB (erweiterbar)

Arbeitsspeicher: 6/8 GB

Kamera: 2x 12 MP

Preis: 1049/1349 Franken

Verkaufsstart: 24. August

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