Das Ende aller Akku-Sorgen?

Schön ist Apples Handyhülle mit eingebauter Batterie nicht. Aber hält sie ihr Versprechen? Der Test.

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Dass ausgerechnet Mobilfunkfachmessen ein wahrer Handyhorror sind, ist einer der grossen Widersprüche des Smartphonezeitalters. An keinem anderen Anlass wird dem Autor Jahr für Jahr wieder vor Augen geführt, was am wichtigsten Computer in unserem Alltag nach wie vor verbesserungswürdig ist.

Der Akku wird übermässig strapaziert, da die Messetage früh anfangen und spät enden. Kommt dazu, dass das Handy ständig im Einsatz ist. Mal als Fotoapparat, mal für Notizen, mal, um ein Interview aufzuzeichnen, und natürlich um zu telefonieren.

Wenig Steckdosen und kaum Sitzgelegenheiten

Steckdosen finden sich zwar hin und wieder, aber nie dort, wo man sie gerade bräuchte. Wenn man Glück hat, findet man ein WLAN. Aber meist ist man per Roaming im überlasteten und durch die Messehallen zusätzlich geschwächten Netz.

Da man immer unterwegs ist und es kaum Sitzgelegenheiten und noch weniger Tische gibt, bleiben andere Computer wie Laptops oder Tablets meist in der Tasche, so man sie überhaupt mitgebracht hat. Dem Handy werden also keine Verschnaufpausen gegönnt.

In der Vergangenheit half da jeweils nur, einen wuchtigen Zusatzakku mitzutragen und das Handy gelegentlich per Kabel nachzuladen. So gesehen, überrascht es nicht, dass an der diesjährigen Handymesse in Barcelona nebst 5G und Faltbildschirmen vor allem ein Handy mit Mega-Akku gefeiert und bestaunt wurde:

Mal ganz abgesehen davon, dass das Gerät dann doch niemand kaufen wird, liess mich das Energizer-Handy völlig kalt. Denn zum ersten Mal war ich an einer Handymesse völlig entspannt, was den Handy-Akku angeht.

Zum Test hatte ich nämlich Apples neue Akkuhülle fürs iPhone dabei. Auf Produktfotos wirkte die asymmetrische Hülle abschreckend dick und wenig elegant. Aber ausprobieren kann man sie ja trotzdem mal ...

Schon beim Auspacken enttäuscht das nicht besonders wertig wirkende Gummi der Hülle, das Staub und Fingerabdrücke anzieht. Wer sich eine Lederhülle gewohnt ist, muss erst mal seine Ansprüche nach unten schrauben.

Schluss mit Würgen

Dafür gefällt der Mechanismus, wie man das Handy in die Hülle steckt. Während man bei anderen Hüllen durchaus auch mal ein bisschen würgen muss, geht das hier ganz elegant. Man klappt den oberen Teil der Hülle nach hinten und schiebt das Handy rein. Fertig.

Geladen wird die Hülle entweder drahtlos oder per Lightning-Kabel. Man kann sie entweder alleine oder mit dem iPhone drin laden. Je nachdem wie stark das Netzteil ist, werden dann entweder erst nur das iPhone oder gleich Akku und iPhone parallel geladen.

Erst der Akku, dann das Handy

Im Alltag wird immer erst der Akku der Hülle geleert. Der hält bei mir an normalen Tagen abseits von Handymessen je nach Nutzung bis zum frühen oder späteren Nachmittag durch. Dann kann man das Handy aus der Hülle nehmen und hat immer noch ein zu 100 Prozent geladenes Handy. Wer schon jetzt mit dem iPhone problemlos durch den Tag kommt, braucht freilich keine Akku-Hülle.

Profi-Trick: Wenn man am Morgen merkt, dass die eine Steckdose mit dem iPhone dran im Hotel über Nacht aus war, kann man das Handy mit vielleicht noch 20 Prozent Akku zum Frühstück mitnehmen und im Zimmer währenddessen die Akkuhülle an den Strom hängen.

In meinem Test kann die Akkuhülle ein leeres iPhone XS auf bis zu 90 Prozent laden, wenn man das leere Handy in die voll geladene Hülle steckt und dann so lange auf dem Tisch liegen lässt. Sprich: Der Akku reicht fast, um den Akku des kleinsten neuen iPhones zu verdoppeln.

Noch ein Wort zur Gummi-Hülle. Die ist zwar sehr wuchtig und macht aus dem eigentlich schlanken Handy einen richtigen Brummer. Aber sie macht das Handy auch sehr griffig. So gesehen erinnert mich die Hülle an meine Zeit mit dem iPhone 6 Plus, das ich zum Schrecken mancher Zeitgenossen mit Klebeband (ähnlich wie einen Eishockeystock) griffiger gemacht habe.

Wer in den überfüllten Messehallen mal ein E-Mail oder einen Tweet schreibt, weiss Griffigkeit zu schätzen. Ständig wird man angerempelt, und hin und wieder läuft einem auch jemand in den ausgestreckten Handy-Arm.

Nerviger Rand

Einzig nicht ganz gelungen ist der Gummirand, der über den Bildschirm reicht. Bei Apples normalen Hüllen gibt es so einen Rand nur links, rechts und oben. So kann man unten das Handy bequem per Gesten steuern.

Bei der Akkuhülle ist der Gummi-Wulst immer etwas im Weg, wenn man das Handy bedienen möchte. Nach ein paar Tagen hat man sich daran gewöhnt. Aber besonders elegant ist auch das nicht.

Noch ein paar Worte zum Preis: Zugegeben, 150 Franken sind viel Geld. Andererseits verlangt Apple für eine gewöhnliche Hülle rund 50 Franken. So gesehen fällt der Aufpreis von 100 Franken überraschend moderat aus, wenn man bedenkt, was da alles an Technik drinsteckt und wie sehr diese einem im Alltag hilft.

Aktuell gibt es die Akkuhülle nur für die neusten drei iPhone-Modelle. Ob die Hüllen auch für die für September erwarteten neuen iPhones noch passen, wird sich zeigen.

Fazit: Die Akkuhülle fürs iPhone gewinnt keine Designpreise, aber sie ist unglaublich praktisch, sodass man ihr alle Unzulänglichkeiten sofort verzeiht. Wäre ein minimal dickeres iPhone mit mehr Akku, die schönere und bessere Lösung? Unbestritten. Dürfte man mehr Ausdauer zu dem hohen Preis eines iPhones nicht sowieso schon erwarten? Na klar! Die Konkurrenz kann es ja auch. Aber Apple ist nun mal Apple und die Akkuhülle der beste Kompromiss. Bis der Wunderakku kommt. Irgendwann.

DerBund.ch/Newsnet

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