Bonus für die Fitten und Gesunden

Helsana lanciert eine Bonus-App. Anders als die Konkurrenz belohnt sie nicht nur Sport, sondern generell eine gesunde Lebensweise.

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Mehrere Krankenkassen belohnen aktive Kunden mit Geschenken. Im Juni 2016 startete die CSS mit der Mystep-App: Sie schreibt 40 Rappen auf dem Gesundheitskonto gut, wenn man pro Tag mindestens 10’000 Schritte zurücklegt. Bei 7500 Schritten gibt es noch 20 Rappen.

Die Active-App der Sanitas belohnt Schritte, Velofahren und Schwimmen mit virtuellen Münzen. Diese können in Einkaufsgutscheine für Digitec, Farmy oder Athleticum eingetauscht werden. Je nach Gutschein entspricht das einem Bonus von 30 bis 40 Rappen.

Heute startet Helsana mit einer eigenen App. Sie heisst Helsana+, ist fürs iPhone und Android erhältlich, und sie belohnt Laufen, Wandern, Biken und Schwimmen mit «Pluspunkten». Diese Punkte können für Rabatte zum Beispiel bei Polar, Sport 2000, McOptic oder Geschenkidee eingesetzt werden und wachsen mit kontinuierlicher Nutzung der App. Auch ein Umtausch der Punkte in Bargeld ist möglich. Fleissige Nutzer verschaffen sich so «über 300 Franken pro Jahr», verspricht der Krankenversicherer.

Belohnt wird eine gesunde Lebensweise

Helsana will nicht nur sportliche Aktivitäten honorieren, sondern generell eine gesunde Lebensweise. Es gibt Pluspunkte für die Mitgliedschaft im Sportverein oder Fitnessstudio, für Ernährungskurse und Prävention und wenn man zur Früherkennung geht. Die entsprechenden Belege fotografiert man direkt in der App. Wer seit drei Jahren den Versicherer nicht gewechselt hat oder Helsana weiterempfiehlt, kann ebenfalls Punkte geltend machen.

Mit solchen Apps wollen die Versicherer zu Bewegung animieren und die gesundheitsbewussten Kunden an sich binden. Kritiker sehen die Gefahr des gläsernen Versicherungsnehmers, der selbst intime Daten über sich preisgibt. Helsana sagt, sie sammle weder Daten über die Schrittzahl noch zu Puls oder Kalorien, sondern erhalte von den Apps lediglich die Information, dass der Nutzer sportlich aktiv gewesen sei.

Wird die breite Bevölkerung erreicht?

Die Frage bleibt offen, ob solche Apps die breite Bevölkerung erreichen – oder ob sie vielmehr bereits aktive und sportliche Leute dazu ermutigen, ihre Daten an die Krankenkasse abzuliefern. Die App der Helsana macht ein breiteres Angebot als die Konkurrenz, die nur auf die Schrittzählung setzt und vielleicht noch Velofahren und Schwimmen registriert.

Doch genau diese breite Ausrichtung könnte auf potenzielle Nutzer abschreckend wirken: Die Krankenkasse interessiert sich nicht nur für den Abendspaziergang, sondern auch für Vereinsmitgliedschaften, Ernährungsund Entspannungsgewohnheiten. Für seinen Rabatt muss der Nutzer einen grossen Vertrauensvorschuss leisten. Um den zu rechtfertigen, müssen die Versicherer beweisen, dass sie sorgfältig und fair mit den Daten umgehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2017, 10:52 Uhr

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