Der Macbook-Konkurrent von Huawei im Test

Das Matebook X Pro ist ein fast perfekter High-End-Laptop. Die eingebaute Webcam ist allerdings ungünstig platziert.

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Wer einen Laptop kaufen wollte, hat bislang Acer, Lenovo, Asus, Toshiba, HP und Apple in Betracht gezogen, vielleicht auch Medion und Microsoft. Doch seit dem letzten Jahr ist an Huawei kein Vorbeikommen – zumindest, wenn das Budget auch den Kauf eines High-End-Modells hergibt. Der chinesische IT-Riese ist 2017 ins Geschäft mit den tragbaren Computern eingestiegen und hat mit dem Matebook X aus dem Stand weg einen Achtungserfolg erzielt: Ein schönes Gerät, das beim Design an Apples Macbooks herankommt, bei der Leistung und Batterie-Ausdauer aber gewisse Kompromisse erfordert, lautete damals das Verdikt.

Nun legt Huawei mit dem Matebook X Pro nach: Das neue Modell bügelt einige der alten Schwächen aus, bringt noch mehr Leistung und einen grossartigen Bildschirm. Das Tech-Portal «The Verge» hat es sogar zum besten Laptop gekürt. Das heisst nicht, dass dieses Gerät für alle perfekt wäre. Auch es fordert eine gewisse Kompromissbereitschaft, zum Beispiel bei den Anschlussmöglichkeiten. Doch es besteht kein Zweifel, dass man ab 1600 Franken ein prächtiges Arbeitsgerät erhält.

Der Bildschirm: Er stellt viel Anzeigefläche zur Verfügung, obwohl das Gerät selbst nur unwesentlich grösser ist als ein normales 13-Zoll-Notebook. Das liegt am Rand, den Huawei sehr dünn hinbekommen hat. Mit dem Seitenverhältnis von 3:2 erhält man eine Anzeige, die deutlich höher ist als zum Beispiel beim Macbook – das demonstriert das Vergleichsbild in der Bildstrecke.

Schärfer als scharf

In Zahlen: Das Matebook X Pro misst 21,7 auf 30,4 Zentimeter bei 1,46 Zentimeter maximaler Dicke. Das Macbook Pro ist nur wenig kleiner (21,2 auf 30,4 Zentimeter bei 1,49 Zentimeter Dicke). Der Bildschirmdurchmesser beträgt beim Matebook 13,9 Zoll (35,3 Zentimeter), beim Mac (13,3 Zoll oder 33,8 Zentimeter). Bei der Auflösung ist der Unterschied noch grösser. Das Matebook weist 3000 auf 2000 Pixel auf, was eine Pixeldichte von 260 Punkten pro Inch ergibt. Beim Macbook sind es 2560 auf 1600 Pixeln bei 227 PPI.

Wie gross diese Anzeigefläche ist, sieht man bei Huaweis Laptop, wenn man (in den Einstellungen im Bereich «System > Anzeigen» bei «Skalierung und Anordnung» die standardmässig eingestellten 200 Prozent auf 100 Prozent umschaltet: Dann werden die Fenster in der normalen Grösse dargestellt: Man kann zwei Websites wie diese hier problemlos nebeneinander darstellen. Die Schrift wird dann allerdings winzig – nur Adleraugen können so etwas entziffern. Es gibt aber auch Kompromisse: Windows lässt auch Skalierungseinstellungen von 150 oder 175 Prozent oder auf Wunsch auch eigene Prozentangaben zu.

Nebenbei bemerkt hat Huawei einen Touchscreen eingebaut. Ob die Fingersteuerung bei einem Laptop sinnvoll ist, hängt von typischen Anwendungsfällen ab. In einer App wie Fresh Paint ohne Trackpad malen zu können, ist ein Vorteil. Auch Präsentationen am Bildschirm sind komfortabel, und in der Microsoft Solitaire Collection die Karten per Finger zu platzieren, ist unschlagbar. Doch wer vor allem Texte schreibt, surft und Mails beantwortet, dem bringt Touch kaum etwas.

Grosser Bildschirm mit kleinem Nachteil

Der grosse Bildschirm hat auch einen kleinen Nachteil. Die Webkamera hat keinen Platz mehr im Rand gefunden. Sie steckt nun zwischen der F6- und der F7-Taste unter einem eigenen Knopf, der sich per Druck ausfährt. Das hat den Vorteil, dass man seine Kamera nicht abzukleben braucht, wenn man sicher sein will, nicht heimlich beobachtet zu werden. Doch es hat die Auswirkung, dass man für Videochats aus einem unglücklichen Winkel aufgenommen wird: Man sieht mehr von den eigenen Nasenhaaren, als einem lieb sein kann. Man kann das abmildern, indem man den Laptop auf einen Stapel Bücher oder einen Laptop-Ständer stellt.

Ein Schwachpunkt bei sehr dünnen Laptops ist oft die Tastatur. Das liegt am geringen Hub der Tasten. Huawei hat dieses Problem ausgezeichnet gelöst: Am Matebook X Pro schreibt es sich angenehm, sodass selbst Vielschreiber sich nicht nach einer externen Tastatur sehnen dürften. Es gilt aber: Selbst ausprobieren lohnt sich auf alle Fälle. Das Touchpad hat gegenüber dem Vorgängermodell deutlich zugelegt. Es reagiert subtiler und präziser. Übrigens: In den Einstellungen bei «Geräte > Touchpad» gibt es viele Einstellungen zur Empfindlichkeit, Cursorgeschwindigkeit, zu Mehrfachgesten, Scrollrichtung und Rechtsklick. Da steckt einiges an Optimierungspotenzial, mit dem man die Steuerung des Computers seinen Vorlieben anpassen kann.

Das Matebook X Pro hat im Einschaltknopf einen problemlos funktionierenden Fingerabdrucksensor, mit dem man sich per Windows Hello umstandslos beim Betriebssystem anmeldet. Die Lautsprecher versprechen dank Dolby Atmos «ein beeindruckendes 3-D-Klangerlebnis», wie der Hersteller schreibt. Die Bauweise prädestiniert Laptops nicht wirklich zu ausgezeichneten Klangmaschinen. Aber das Modell klingt gut genug, dass man einen Film geniessen kann und beim Arbeiten Musik hören möchte.

Zwischendurch nervt der Lüfter etwas

Was die Leistung angeht, ist dieser Computer auch den anspruchsvollen Anforderungen, zum Beispiel Bildbearbeitung, gewachsen. Die leistungsfähige Grafikkarte (Nvidia Geforce MX150) hält auch bei Videospielen durch, zumindest im Einstiegslevel. Ein Gamer-Laptop ist dieses Gerät aber nicht. Und unter Last bekommt man Lüfter zu hören. Die Laufzeit der Batterie gibt der Hersteller mit «12 Stunden Videokonsum» an. Im Alltag darf man zufrieden sein, wenn sie sich, je nach Tätigkeit, bei acht bis zehn Stunden einpendelt.

Fazit: Dem Hersteller ist es gelungen, den Anspruch zu untermauern, dass mit ihm im Laptop-Markt künftig zu rechnen ist. Das Matebook X Pro ist ein mobiler Rechner, der rundum Spass macht. Die grösste Einschränkung ergibt sich bei den Anschlüssen: Es gibt zwei USB-C-Anschlüsse auf der linken Seite, von denen einer auch Thunderbolt-Datenübertragungen unterstützt – das mag für manche Nutzer wenig sein. (Das Macbook Pro hat vier USB-C-Ports.) Rechts findet sich ein klassischer USB-A-Anschluss für herkömmliche Geräte. Es gibt aber keinen Ethernet-Port und keinen HDMI-Ausgang, für entsprechende Verbindungen benötigt man Adapter. Auch ein Slot für Speicherkarten fehlt. Natürlich, der hat in einem so dünnen Gehäuse keinen Platz. Aber er macht es notwendig, entsprechendes Zubehör mitzuführen.

Erfreulich auch, dass Huawei fast keine vorinstallierte Software («Crapware») mitliefert, wenn man von einem Programm namens PC Manager absieht. Das ist dazu da, die Treiber auf dem neuesten Stand zu halten und den Computer mit dem Smartphone zu verbinden. Wenn man Letzteres versucht, landet man allerdings auch mit dem iPhone bei einer nur in Chinesisch verfügbaren Android-App – das ist nutzlos.

Das Huawei Matebook X Pro ist mit i7-Prozessor, 8 GB Arbeitsspeicher und 512 GB SSD im Handel erhältlich. Der offizielle Verkaufspreis ist 1899 Franken; es gibt aber auch Angebote ab 1600 Franken. Die etwas günstigere Variante mit i5-Prozessor ist hierzulande bislang noch nicht erhältlich. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 21.08.2018, 21:21 Uhr

Dünner als es die technischen Innereien vermuten liessen: das Matebook X Pro. (Bild: Doris Fanconi)

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