Zehn Prognosen für das Digitaljahr 2014

Digital-Trends

Leistungsstarke Akkus, smarte Kleider und Schmuckstücke lassen weiter auf sich warten. Dafür winken Alternativen zum Passwort-Chaos und elektronische Geräte, die nachhaltig und fair produziert wurden.

Digitaljahr 2014: Die Hersteller werden weiter an einer wirklich smarten Smartwatch tüfteln.

Digitaljahr 2014: Die Hersteller werden weiter an einer wirklich smarten Smartwatch tüfteln.

(Bild: Reuters Fabrizio Bensch)

1 – Telefone werden immer grösser

Der Trend zu immer grösseren Handybildschirmen wird auch 2014 nicht aufhören. Geräte wie das Xperia Z Ultra von Sony mit einer Bildschirmdiagonalen von 16 cm werden zwar Paradiesvögel bleiben, aber das Mittelfeld wird sich weiter Richtung 12 cm bewegen. Der Trend wird so stark, dass sich ihm selbst Apple nicht mehr länger verweigern kann und ein grösseres iPhone vorstellen wird. Spricht man mit Marketingexperten, hört man immer wieder, dass grosse Telefone besonders in Asien, aber auch bei Frauen mit Handtaschen gefragt seien. Ob das tatsächlich so ist, wird das nächste Jahr zeigen. Fakt ist: Nach etwas anfänglicher Abneigung gewöhnt man sich als Nutzer sehr schnell an grosse und sogar sehr grosse Telefone. Einzig beim Telefonieren muss man sich damit auf Hohn und Spott gefasst machen.


2 – Elektronik wird nachhaltiger

Wer setzt unter welchen Bedingungen unsere Elektronik zusammen? Anders als bei Kleidern und Nahrungsmitteln war es bei Smartphones und anderen elektronischen Geräten bislang kaum ein Thema, wie es um das Wohl der Arbeiter und um die Rohstoffe steht. Mit der anhaltenden Diskussion um Apple-Zulieferer Foxconn und Initiativen wie dem Fairphone dürfte sich das ändern. Ideen wie Fairtrade und Gütelabels für nachhaltige Produktion werden sich 2014 zeigen, wenn auch noch in den Anfängen.


3 – Akkus bleiben schwach

Die Entwicklung bei den Telefonen ist rasant verlaufen. Vor zehn Jahren verschickten wir noch SMS und telefonierten. Heute können wir mit unseren Smartphones Dinge tun, die vor zehn Jahren noch nicht einmal unser PC konnte. Mit jedem  Jahr werden die Bildschirme schärfer, die Prozessoren schneller und Kameras besser. Nur etwas hat sich noch nicht verbessert und ist sogar schwächer geworden: der Akku. Wer nicht ständig ein Ladekabel bei sich hat, schafft es bei fleissiger Nutzung kaum durch den Tag. Daran wird sich leider auch 2014 nichts ändern. Der Akku ist und bleibt die Achillesferse der Smartphone-Revolution. Neue Prozessoren versprechen zwar effizienter zu rechnen, und Lagesensoren entlasten das Gerät beim Spazieren von der ständigen Suche nach einem WLAN, aber das ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein.


4 – Wearables lassen weiter auf sich warten

Spricht man mit Produkt­entwicklern und Marketingexperten, dann fällt spätestens im dritten Satz das Wort Wearables. Gemeint sind damit als Kleidungs- oder Schmuckstücke tragbare Minicomputer. Die prominentesten Beispiele sind die Google-Brille und die 2013 bereits vereinzelt vorgestellten smarten Uhren. Glaubt man den Entwicklern und Experten, soll das potenzielle Käuferbedürfnis riesig sein. Wie zuvor aber schon bei den Tablets ist auch bei dieser Kategorie der Wunsch nach wie vor Vater des Gedankens. Bei den Tablets experimentierte die Branche jahrelang erfolglos mit allen möglichen Formen und Ideen, ehe 2010 das iPad einen Tabletboom auslöste. Bei den Wearables lässt sich im Moment dieselbe Entwicklung beobachten. Grosse Hersteller und Start-ups balgen sich darum, wer als Erster aus diesem Bedürfnis Kapital schlagen kann. Aber wirklich überzeugende Produkte sind dabei noch nicht entstanden. Die ersten Smartwatches sind halbherzige Zweitbildschirme zum Smartphone, und die Google-Brille ist immer noch tief im Prototypen­stadium. Einzig die Fitnessarmbänder scheinen sich langsam, aber sicher zu etablieren. Allerdings hat hier das Smartphone mit Apps wie Moves bereits wieder aufgeschlossen. Damit 2014 wirklich zum Jahr der Wearables werden kann, muss erst einmal ein Hersteller eine wirklich radikale und gewagte Idee haben. Denn solange das Smartphone dasselbe kann wie ein neues tragbares Wundergerät, wird sich die grosse Masse kaum dafür begeistern, und Wearables bleiben eine Spielerei.


5 – Windows Phone holt etwas auf

Anders als bei den Tablets hat Microsoft dank der Hilfe von Nokia bei den Smartphones langsam den Bogen raus. Windows Phone hat bereits 2013 grosse Fortschritte gemacht und dürfte 2014 noch weitere machen. Die Benutzeroberfläche ist bereits sehr intuitiv und die App-Auswahl längst nicht mehr so dürftig wie noch vor einem Jahr. Kommt dazu, dass Nokia wieder spannende Telefone baut. Die Kamera des Lumia 1020 war erst der Anfang. Wenn ­Nokia respektive der neue Besitzer Microsoft diese Technologie 2014 in Mittelklassegeräte verbaut, dürfte so mancher iPhone- und Android-Nutzer in Versuchung kommen. Windows Phone dürfte sich als Nummer drei hinter iOS und Android etablieren – wenn auch noch mit deutlichem Abstand.


6 – Alternativen zum Passwort

Wer mobile Geräte oder mehr als einen Computer besitzt, kennt das Problem: Entweder drohen Passwort-Wirrwarr und vergessene Zugänge oder – bei einem Kennwort für alle Konten – das Risiko, gehackt zu werden. Die Anzahl verschiedener Onlinedienste, die wir nutzen, nimmt laufend zu. Höchste Zeit für eine Alternative zum Passwort. Dieses zu beerben, ist Diensten wie OpenID bisher nicht gelungen. Eine Handvoll mobiler Apps macht aber vor, was wir künftig öfter sehen werden: Identifikation per Gerät statt per E-Mail und Passwort.


7 – E-Learning etabliert sich

Der Drang zu lernen, gehört genauso zum Menschen wie der Spieltrieb. Beides zu kombinieren, wird Lern-Apps auf Smartphones zu einem Trendphänomen machen. Während Vokabeln lernen und Kopfrechentraining im Tram zum Alltag wird, ist es zu Hause der Besuch von Onlinekursen und -vorlesungen. So verlagert sich auch die höhere Bildung in ­Teilen aufs Internet. Kostenlose Online­unis wie Coursera oder Iversity als erste Anbieter in diesem Bereich veranlassen traditionelle Hochschulen zunehmend dazu, auch über das Internet zu lehren. Private Onlinekursanbieter wie Sofa­tutor oder Duolingo konkurrenzieren zusehends Offlineschulungen.


8 – Alles in der Cloud

2014 werden sich Notebooks und Desktopcomputer mit Googles Chrome OS einen substanziellen Anteil am PC-Markt erobern. Das Betriebssystem, das im Wesentlichen aus einem Webbrowser besteht, bietet zwar weit weniger Möglichkeiten als Windows oder Mac OS – es taugt vor allem für Office-Anwendungen und Internetnutzung –, benötigt dafür aber deutlich weniger Rechen- und Akkuleistung und läuft auf viel günstigerer Hardware. Das dürfte Apple und Microsoft unter Druck setzen, selbst über Cloud-angebundene Betriebssysteme oder weitere Preissenkungen nachzudenken.


9 – Das Ende von Windows XP sorgt für Verwirrung

Am 8. April 2014 stellt Microsoft endgültig die Unterstützung von Windows XP und Office 2003 ein. Damit werden ab diesem Zeitpunkt keine Sicherheitsupdates für die weitverbreiteten Programme mehr entwickelt und ausgeliefert. Schadsoftware steht ab dann Tür und Tor offen. Doch bereits jetzt ist die Verwirrung bei den Nutzern gross, wie ein Blick in den Briefkasten der TA-Rubrik «Kummerbox» zeigt. Microsoft selbst empfiehlt spätestens zu diesem Zeitpunkt den Umstieg auf neuere Windows- und Office-Versionen. Es wird spannend zu beobachten sein, wie es dem Softwarekonzern gelingt, seine treuen XP-Nutzer an Bord zu halten. Gerade Google mit seinen preisgünstigen Chromebooks dürfte die Gelegenheit nutzen, um Microsoft Kunden abzujagen. Aber auch die Frage, ob nicht ein Tablet reicht, dürfte so manchen XP-Nutzer beschäftigen. Kundendienste, Verkäufer und Journalisten werden auf jeden Fall gefordert sein.


10 – Apps kommunizieren vermehrt miteinander

Smartphone und Tablet-Apps waren zu Beginn Gärtchen für sich. Und nach wie vor sind die meisten Applikationen Datensilos. Zwar hat sich einiges getan: In Android und teilweise auch in iOS können Inhalte zwischen kompatiblen Apps geteilt werden, ohne den Umweg über Copy-Paste zu nehmen. Und Evernote beispielsweise ist sogar intelligent genug, um Notizen in Verbindung mit aktuellen Terminen zu bringen. Davon wird man schon in naher Zukunft mehr sehen. Zum Beispiel Wetterberichte, wenn man Zugverbindungen nachsieht, Rezepte mit Shopping-Empfehlungen oder Kalender, die die Reisewege für Auswärtstermine ermitteln.

Tages-Anzeiger

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