Wehe, wer im Auto am Handy herumdrückt!

Hat der Fahrer hinterm Steuer SMS geschrieben? Neue Testgeräte können nach Unfällen Smartphones auswerten.

Wenn der Polizeibeamte das Handy durchsucht: Werbebild der Forensik-Firma Cellebrite.

Wenn der Polizeibeamte das Handy durchsucht: Werbebild der Forensik-Firma Cellebrite.

(Bild: Cellebrite (pd))

Jan Rothenberger@janro

Zusätzlich zum Alkoholtest eine Art «SMS-Test»: Das fordert ein New Yorker Senator in einem Gesetzesvorschlag. Die Polizei soll Autolenkern des US-Staats bei Verkehrsunfällen aufs Handy schauen dürfen. Das Ziel ist, festzustellen, ob sie verbotenerweise während der Fahrt Nachrichten verschickt oder telefoniert haben. Dafür soll die Polizei eine spezielle Ausrüstung erhalten, die die letzten Aktivitäten eines Smartphone-Nutzers auf einem Handy auflistet. Die israelische Firma Cellebrite vermarktet ein Gerät, mit dem das möglich ist.

Dies unabhängig davon, mit was für Sperren ein Nutzer sein Smartphone gesichert hat. Das israelische Unternehmen gilt als Spezialist für das Knacken mobiler Geräte für polizeiliche Untersuchungen. Beobachter des iPhone-Streits zwischen FBI und Apple sahen aus diesem Grund zunächst Cellebrite hinter der Entschlüsselung des Smartphones des San-Bernardino-Attentäters.

Das Handy als Beweismittel

Cellebrite vertreibt speziell konfigurierte Laptops, mit denen etwa die Polizei noch an der Unfallstelle ein beschlagnahmtes Telefon unter die Lupe nehmen kann. Anhand des SMS-Verlaufs oder der Anrufprotokolle kann sie feststellen, ob ein Lenker während der Fahrt sein Telefon verwendet hat. Das New Yorker Gesetz würde den Test für Fahrer zur Pflicht machen. Die Weigerung, einem Polizeibeamten das Smartphone auszuhändigen, könnte den Entzug des Fahrausweises nach sich ziehen.

Schweizer Behörden setzen bislang auf Prävention gegen die Unfallursache «Handy am Steuer». Ein Beispiel dafür ist etwa die Kampagne «Lenken statt Ablenken» mehrerer Polizeikommandos, die eine Unfallmarkierung in einer Blutlache als Signet verwendet.

In der Schweiz kann das Tippen auf dem Smartphone während der Fahrt als grobe Verkehrsregelverletzung taxiert werden. In einem solchen Fall droht dem Verkehrssünder mehr als nur eine Ordnungsbusse – eine Anzeige bei der Staatsanwaltsschaft kann bis zu einem Ausweisentzug führen.

DerBund.ch/Newsnet

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