In fünf Lektionen zum Stift-Profi

Bis anhin funktionierte der Apple-Stift nur mit den teuersten iPads. Neu klappts auch mit dem Einsteigermodell. Ein Einführungskurs.

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Bill Gates hat es immer schon gewusst. 2010 nach seinem ersten Eindruck zum eben vorgestellten iPad gefragt, gab sich der Microsoft Gründer vom reinen Touchscreen-Gerät unbeeindruckt. Längerfristig würde sich etwas mit Tastatur, Stift und Sprachsteuerung durchsetzen.

Acht Jahre später sind wir dieser Vision ein grosses Stück nähergekommen. Neu lässt sich auch das günstigste iPad (ab 379 Franken) mit dem Apple-Stift bedienen (Alltagstest: Ein iPad Pro zum halben Preis?). Da der Stift aber nicht im Preis inbegriffen und mit 109 Franken kein Schnäppchen ist, wissen viele iPad-Käuferinnen und -Käufer nicht, was sie verpassen.

Selbst möchte ich einen Tablet-Stift nicht mehr missen. 2014 habe ich dank dem Surface Pro 3, einem Microsoft-Tablet, meine Meinung zu Stiften und Handschrift im Computerzeitalter komplett geändert. Heute arbeite ich fast ausschliesslich auf einem iPad, und der Stift ist einer der Gründe. Immer wieder werde ich im Zug und im Büro darauf angesprochen.

Höchste Zeit für ein Stift-Seminar in 5 Lektionen.

1. Lektion: Der Stift 

Der Apple-Stift funktioniert mit jedem iPad Pro und dem im März 2018 vorgestellten iPad. Fans des iPad Mini haben Pech.

Aber muss es wirklich der teure Apple-Stift sein? Ja. Es gibt zwar auch Stifte von anderen Herstellern. Die kosten zwischen ein paar und hundert Franken. Doch keiner bietet denselben Komfort und die gleichen Funktionen wie Apples eigener Stift. Gerade wenn man, wie man das bei Papier auch machen würde, den Handrücken auf den Touchscreen legt, gibt es bei Alternativ-Stiften allerlei Probleme.

Geladen und verbunden wird der Apple-Stift, indem man die Kappe am hinteren Ende entfernt und den Stift in die Ladebuchse des iPads steckt. Dass der Akku meist leer ist, wenn man den Stift verwenden möchte, lässt sich nur mit viel Ladedisziplin verhindern.

Bei der magnetischen Schutzkappe ist spezielle Vorsicht geboten. Sie übt eine nahezu magische Anziehung auf Kleinkinder aus. Vorsicht ist beim Stift generell angezeigt. Da er leicht wegrollt und sich nicht am iPad befestigen lässt, läuft man Gefahr, ihn zu verlieren. Es empfiehlt sich darum, entweder eine iPad-Hülle mit Stifthalterung zu kaufen oder den Stift immer sofort wieder an der immer selben Stelle zu versorgen.

2. Lektion: Notizen

Notizen sind die Paradedisziplin für den Apple-Stift. Kein Laptop kann Komfort und Flexibilität eines Kugelschreibers und eines Blocks Papier ersetzen. Das Tablet und der Stift können es. Die Auswahl an Notiz-Apps ist riesig, und praktisch alle sind für Handschrift optimiert. Wer bereits eine Lieblings-Notiz-App hat, dürfte die auch problemlos mit dem Stift nutzen können.

Seit Jahren bewährt hat sich Microsofts OneNote (gratis). Die App bietet alles, was man sich wünscht. Man kann schreiben, malen, skizzieren, Dokumente einbetten und selbst die mit krakliger Handschrift vor Jahren dahingeschluderten Notizen mit der Suchfunktion wieder finden. Oben drauf profitiert man davon, dass OneNote auf allen Geräten und selbst im Browser funktioniert. So sind alle Notizen immer dabei.

Wenn einem OneNote zu überladen erscheint, sollte man MyScript Nebo (6 Franken) ausprobieren. Besonders gelungen ist bei der App nebst dem übersichtlichen Design die Möglichkeit, Texte mit Stift-Gesten leicht zu korrigieren und Handschrift mit zweimal Drauftippen in Druckschrift zu verwandeln.

3. Lektion: Arbeiten

Microsoft hat mit den Office-Apps (gratis/Abo) fürs iPad vorgelegt, und inzwischen sind auch Apples iWorks-Apps (gratis) für den Stift optimiert. So kann man in Textdokumenten, Tabellen oder Präsentationen leicht Anmerkungen und Skizzen einfügen.

Selten eine Freude im Berufsalltag ist das Bearbeiten und Kommentieren von PDF. Mit dem PDF Viewer (gratis) geht das äusserst bequem. Wer noch mehr Funktionen möchte, der greift zum PDF Expert (10 Franken).

Wer schon einmal Bruchrechnungen in einen Taschenrechner eingetippt hat, weiss, wie mühsam das ist. Viel bequemer gehts per Stift im MyScript Calculator (2 Franken). Die App erkennt handschriftliche Rechnungen und liefert unverzüglich das Resultat.

4. Lektion: Malen und Zeichnen

Auch wenn man sich nicht für den nächsten Picasso hält, macht es Spass, auf dem iPad zu malen. Seit Jahren ein Phänomen sind Ausmal-Apps. Nein, nicht für Kinder. Für Erwachsene. Tatsächlich hat es etwas Beruhigendes, in Pigment (gratis) mit dem Stift ein paar Müsterchen auszumalen. Talent braucht man dazu nun wirklich nicht. Lustiger ist allerdings Linea (5 Franken). Die App macht auch Null-Talenten das Zeichnen dank einem gelungenen Bedienkonzept so einfach wie möglich.

Wenn die Ansprüche dann doch höher sind, kommt Procreate (10 Franken) zum Einsatz. Die bei Profis beliebte App hat einen enormen Funktionsumfang und dürfte jeder Anforderung gerecht werden.

Der Stift ist aber auch praktisch, wenn man Bilder – vor allem Fotos – nachbearbeiten möchte. Dazu empfehlen sich Affinity (20 Franken) und Pixelmator (5 Franken).

5. Lektion: Spielen und Experimentieren

Nun, da die offensichtlichen Einsatzgebiete abgehandelt sind, wird es Zeit, zu experimentieren und zu spielen. Denn der Stift ist mehr als ein reiner Stift. Im vermeintlichen Schreibgerät steckt eine Reihe von Sensoren, die ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Bei Froggipedia (4 Franken) wird der Stift zum Skalpell. Damit kann man unblutig einen Frosch sezieren.

Pen2Bow (8 Franken) macht aus dem Stift einen Geigenbogen. Musiker können damit – die nötigen Geräte und Software vorausgesetzt – das iPad zu einem Midi-Controller machen.

Wer schon immer gestaunt hat, wie Architekten ihre räumlichen Skizzen machen, kann das mit Morpholio Trace (gratis/Abo) üben. Die App bietet zahlreiche Werkzeuge, die einem mit Perspektiven und Fluchtpunkten helfen.

Auffällig ist im App Store, wie wenig Spiele den Stift nutzen. Klar funktioniert er bei Kreuzworträtseln und Sudokus. Aber die wirklich zündende Idee fehlt den Entwicklern bis jetzt. Nun da der Stift aber nicht länger nur mit den teuren Pro-iPads funktioniert und das potenzielle Publikum viel grösser geworden ist, ändert sich das hoffentlich. Zum Schluss trotzdem noch zwei Spiele-Empfehlungen: Blek (3 Franken) und Brain Dots (gratis). Bei beiden Apps geht es darum, Linien zu zeichnen, um ein Ziel zu erreichen. Mit dem Stift geht das deutlich besser und präziser als mit dem Finger.

Haben Sie Fragen rund um den Apple-Stift oder zu Tablet-Stiften im Allgemeinen? Digital-Redaktor Rafael Zeier beantwortet sie gern in den Kommentaren oder auf Twitter. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 10.04.2018, 17:25 Uhr

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