Immer einen Schritt voraus – und doch zu spät

HTC hat einen guten Riecher für Trends und war damit der Konkurrenz schon oft einen Schritt voraus. Den Erfolg fuhren aber jeweils andere ein. Acht Beispiele des Scheiterns.

Das HTC One sollte zur Design-Ikone werden. Nach nur drei Generationen ist damit schon wieder Schluss. Foto: Gustau Nacarino (Reuters)

Das HTC One sollte zur Design-Ikone werden. Nach nur drei Generationen ist damit schon wieder Schluss. Foto: Gustau Nacarino (Reuters)

Rafael Zeier@RafaelZeier

Erste Telefone mit Touchscreen

HTC hat schon in den frühen Nullerjahren Touchscreen-Telefone gebaut. Da war Apple noch der iMac-Konzern. Gebaut hat HTC die Geräte allerdings für andere Firmen, etwa HP, Palm oder Telefonkonzerne. Der Durchmarsch des Smartphones begann erst 2007 mit der Ankündigung des ersten iPhones. Unter dem eigenen Namen und dank Googles Android-Betriebssystems legte HTC im Smartphonerennen einen Frühstart hin. Obwohl es 2011 in den USA kurzfristig Apple und Samsung überholen konnte, wurde es von den beiden kurz darauf abgehängt. Der Aktienkurs des Unternehmens sank seit seinem Höchststand 2011 um über 90 Prozent.

Am Start mit Googles Android

2008 kam mit dem HTC Dream das erste Android-Smartphone auf den Markt. Nebst einem Touchscreen hatte das Gerät auch eine Aufschiebtastatur und war ein ziemlicher Klotz. Während sich Samsung optisch am iPhone anlehnte, setzte HTC fortan weiter auf eigene Designs bei Hard- und Software. Mangels Marketingmacht und wegen einer verwirrlichen Modellstrategie verlor HTC nach einem furiosen Start an Marktanteilen. Daran änderte auch die etwas übersichtlichere One-Reihe, Werbung mit Robert Downey Jr und ein Sponsoring-Deal mit der Fussball Champions League wenig.

Partnerschaft mit China

Früher als andere hat HTC das Potenzial des chinesischen Marktes erkannt. Schon 2010 hat das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem Telefonkonzern China Mobile angekündigt. Andere Konzerne zogen nach. Doch in erster Linie machten chinesische Firmen wie Huawei, Xiaomi und ZTE mit hoher Qualität zu tiefen Preisen der ausländischen Konkurrenz das Leben schwer.

Mit Riesentelefon gegen das mickrige iPhone

2009 präsentierte HTC mit dem HD2 ein für damalige Verhältnisse riesiges Telefon. Mit einer Bildschirmdiagonale von 4,3 Zoll (rund 11 cm) galt es als kaum mehr mit einer Hand bedienbar. Das damalige iPhone 3GS hatte noch einen für heutige Verhältnisse mickrigen 3,5 Zoll-Bildschirm (rund 9 cm). Bei der Software setzte HTC aber auf das längst eingestellte Windows Mobile. Trotzdem gilt das Telefon noch heute als Meilenstein und Wegbereiter aktueller Riesen-Smartphones. Den grossen Erfolg mit diesem Trend feierten aber erneut Samsung und dann Apple.

Hochwertige Hüllen aus Metall statt Plastik

Als Hersteller und Kunden mit Plastik­telefonen zu Premiumpreisen noch ganz zufrieden waren, präsentierte HTC im Februar 2010 mit dem Legend ein aus einem Alublock gefrästes Smartphone. Das Verfahren kannte man bis dahin in erster Linie von Apples Macbooks. Inzwischen traut sich kaum ein Hersteller mehr, Premium-Smartphones aus Plastik zu verkaufen. Damit hat HTC eines seiner Alleinstellungsmerkmale verloren.

Kopfhörerhersteller Beats gekauft

2014 übernahm Apple den Kopfhörerhersteller Beats für rund drei Milliarden Dollar. Das war nur möglich, weil der vorherige Mehrheitsaktionär HTC seine Beteiligung Ende 2013 an Beats zurückverkauft hatte. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs hatte sich HTC 2011 für rund 300 Millionen Dollar 51% der Beats-Aktien gekauft. Viel Kapital konnte HTC aus der Übernahme nicht schlagen. Einzelne Smartphones trugen ein Beats-Logo, aber der erhoffte Imagegewinn blieb aus. Auch aus dem Streamingdienst Beats Music, aus dem Apple Music hervorging, konnte HTC nichts machen.

Die Kamera ins Zentrum gestellt

Mit dem 2013 vorgestellten One nahm sich HTC aus dem Megapixel-Rennen. Statt immer höhere Auflösung zu präsentieren, setzte HTC auf Bildqualität und einfache Bedienung. Die 4-Megapixel-Kamera sorgte in Tests trotzdem für durchzogene Resultate. Mit einer Funktion war HTC allerdings der Zeit voraus. Die Kamera hatte einen Modus namens Zoe. Damit wurde parallel zu einem Foto auch ein kurzes Video aufgezeichnet. Die Funktion rückte bei den Nachfolgemodellen in den Hintergrund und wurde erst 2015 wieder zum Thema, als Apple mit Livefotos die Idee aufnahm.

Virtuelle Realität als Exit-Strategie

Mit der Vive-Brille hat HTC im Moment die wohl vielversprechendste Virtual-Reality-Brille in der Hinterhand. Noch dieses Jahr sollen erste Modelle in den Handel kommen. Sollte das Unternehmen dereinst aus dem Handygeschäft gedrängt werden, wäre das vielleicht ein neues Standbein. Vorausgesetzt, HTC lässt sich die Butter nicht erneut vom Brot nehmen.

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