Der beste Freund der Selbstvermesser

Mit Pulsmesser und intelligentem Schlaftracking will Fitbit Kunden gewinnen. Was taugt das neuste Armband Charge HR im Alltag?

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Rafael Zeier@RafaelZeier

Was macht ein gutes Fitnessarmband aus? Erst die Basics: Es muss bequem, ausdauernd, unkompliziert, bezahlbar und vom ästhetischen Standpunkt auch tragbar sein. Das allein reicht aber nicht mehr. Schritte zählen kann ein Smartphone auch und genauso gut, wie eine neue Studie der University of Pennsylvania bestätigt. Ein gutes Fitnessarmband muss mehr können als ein Smartphone: etwa Puls messen oder den Schlaf analysieren. Beides Sachen, für die ein Smartphone denkbar ungeeignet ist.

Etwa so dürften die Überlegungen ausgesehen haben, als Fitbit das neue Charge-HR-Armband (rund 160 Franken) geplant hat. Bei allen eingangs aufgeführten Ansprüchen kann man ein Häkchen machen. Das wichtigste Verkaufsargument des Charge HR ist sein konstanter Pulssensor. Der unterscheidet es auch vom günstigeren Fitbit Charge (ab 125 Franken), das ohne auskommt.

Wer seinen Puls wissen will, muss nicht erst den Sensor starten und dann auf ein Resultat warten. Der Sensor misst den Puls 24 Stunden am Tag. Diese Methode ist zwar nicht ideal für Profisportler, die ihren Puls mit einem Blick und auf den Schlag genau sehen wollen, aber für Gelegenheitssportler und Selbstvermesser ist das sogar praktischer. Am Schluss des Tages sieht man, wann man sich angestrengt und wann man faul rumgesessen hat. Mit einem Knopfdruck zeigt das Armband auch den aktuellen Puls an.

Der vermessene Schlaf

Besser als bei anderen Fitnessarmbändern und Smartwatches klappt auch das Schlaftracking. Dank dem Pulssensor und den anderen Sensoren merkt das Armband, wann seine Trägerin oder sein Träger einschläft und aufwacht. Das klappte im Test überraschend präzise. Bei anderen Trackern muss man vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen jeweils per Knopfdruck mitteilen, dass man nun schlafen wolle oder wieder wach sei. Vergisst man das einmal, ist die Messung für diese Nacht dahin.

Das Charge HR dagegen macht das automatisch. So bekommt man nach dem Aufstehen die Auswertung, wie lang und wie tief man geschlafen hat.

Auch in den anderen eingangs erwähnten Kategorien schneidet das Fitbit Charge HR gut ab. Das Design ist schlicht, und der kleine Bildschirm zeigt nur die nötigsten Infos. Dadurch wird die Bedienung zum Kinderspiel. Auch die App für iOS und Android macht einen guten Eindruck: Sie synchronisiert schnell und lässt sich ohne Komplikationen bedienen. Der Akku hält offiziell fünf Tage. Im Test reichte eine halbe Akkuladung für drei Tage.

Wasserabweisend ist nicht wasserfest

Aber alles hat Fitbit dann doch nicht richtig gemacht. Der Hauptärger im Alltag: Es ist nicht wasserfest. Offiziell ist es nur wasserabweisend. Was das bedeutet , erklärt Fitbit auf seiner Webseite: Sogar zum Duschen soll man das Armband ausziehen. Immerhin hat man dann eine gute Gelegenheit, das Band an den Strom anzuschliessen. Dazu muss man es nämlich auch abnehmen.

Kleinere Ärgernisse gesellen sich hinzu: Das Armband zieht schnell Staub an und sieht dann eher grau als schwarz aus. Das proprietäre Ladekabel muss man mühsam an der Unterseite einstecken. Da haben andere Hersteller bessere Lösungen gefunden.

Fitbit bewirbt den Vibrationswecker als Silent Alarm. Das ist er auch. Ausser man hat das Armband beim Schlafen in der Nähe seines Ohrs. Dann rasselt einen der Vibra-Wecker wie wild aus dem Schlaf. Auch das Display blinkt dermassen hell, dass man sich im Blitzlichtgewitter einer Paparazzi-Meute wähnt. Wenigstens das Display sollte man dimmen können, oder es sollte sich im Dunkeln von allein etwas abdunkeln.

Fazit:Das Fitbit Charge HR ist eine gute Option für Gelegenheitssportler und Selbstvermesser, die auf der Suche sind nach einem unkomplizierten Fitnessarmband, das mehr kann als ein Smartphone. Dank dem Pulssensor und dem intelligenten Schlafmonitor bietet das Armband gleich zwei solche Argumente.

Wer dagegen ein Profitrainingsgerät oder eine Smartwatch möchte, sollte sich anderweitig umschauen. Wer immer das Neuste will, sollte bedenken: Mit dem Mobile World Congress, der Basel World und der Apple Watch am Horizont könnte das Fitbit Charge HR schon in einem Monat alt aussehen. Wer damit kein Problem hat, bekommt mit dem Fitbit-Armband einen durchdachten und alltagstauglichen Fitnesstracker.

Haben Sie Fragen zum Fitbit Charge HR? Digitalredaktor Rafael Zeier beantwortet sie gerne in den Kommentaren.

DerBund.ch/Newsnet

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