Das kleine Surface Go im Alltags-Test

Microsofts neustes Tablet ist so gross wie ein iPad. Was es kann.

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Microsofts Surface-Tablets haben sich von einer Lachnummer und einem Milliarden-Flop zu einem Vorzeigeprojekt für den einstigen Windows- und heutigen Cloud-Konzern gewandelt. Gedreht hat der Wind 2014 mit der Präsentation des Surface Pro 3, das der Autor auch heute noch mit viel Freude privat verwendet (Das Surface Pro 3 im Test).

Seither hat Microsoft das Angebot weiter ausgebaut. Nebst weiteren Tablets kamen auch Laptops und Desktop-Computer dazu. Mit dem Surface Go (ab 614 Franken inkl. Tastatur) unternimmt der Konzern nun einen zweiten Anlauf mit dem Surface auch in tiefere Preisklassen vorzustossen. 2015 gab es mit dem Surface 3 schon einmal einen ähnlichen Versuch, der fand aber keine Fortsetzung.

Ein Surface in iPad-Grösse

Das Surface Go ist eine kleinere Variante des Surface Pro. Es ist nahezu exakt so gross wie das iPad Pro 10,5 und mit Tastatur nur 20 Gramm schwerer. Allerdings wirkt der Bildschirm wegen des etwas dickeren Randes deutlich kleiner.

Bei den Funktionen muss man gegenüber dem bewährten grösseren Surface keine Abstriche machen. Der ausklappbare Ständer lässt jeden Winkel zu, Tastatur und Touchpad sind gewohnt bequem und das proprietäre, magnetische Ladekabel von 2014 funktioniert genauso tadellos wie der Surface-Stift von damals.

Endlich USB-C

Etwas hat das Tablet dem grösseren Bruder sogar voraus. Nebst dem Surface-Anschluss hat es nicht länger den unnützen Mini-Display-Port, sondern einen mit USB-C-Anschluss. Über den kann man das Surface Go auch laden und (den richtigen Adapter vorausgesetzt) an allerhand Geräte anschliessen.

Technik-Fans monieren beim Blick auf das Datenblatt, dass im Surface Go nicht Intels beste und teuerste Prozessoren zum Einsatz kommen. Im Alltag merkt man davon allerdings nichts. Ja man hört es nicht mal, da das Surface Go ohne Lüfter auskommt.

Verspätete Buchstaben

Einzig hin und wieder tauchten die eben getippten Buchstaben erst mit ein, zwei Sekunden Verspätung auf dem Bildschirm auf. Aber das dürfte eher der Software als dem Prozessor geschuldet sein.

Dass im Inneren des Surface Go ein Intel-Prozessor und nicht ein ARM-Prozessor wie bei Samsung-Tablets oder iPads steckt, merkt man dagegen bei der Ausdauer. Microsoft verspricht 9 Stunden. Für einen Arbeitstag reichte der Akku, aber das Ladekabel sollte man besser nicht zu Hause vergessen. Ein Ausdauerwunder ist das neuste Surface nämlich nicht.

Das Surface Go gibt es in zwei Konfigurationen. Einmal für 499 Franken mit ziemlich knapp bemessenen 64 GB Speicherplatz (eMMC) und 4 GB Arbeitsspeicher. Die teurere Variante für 649 Franken bietet einen schnelleren 128 GB SSD-Speicher und 8 GB Arbeitsspeicher.

Da wir für den Test die teurere Variante bekommen haben, lässt sich nicht sagen, welche Auswirkungen der langsamere eMMC-Speicher im Alltag hat. 4 GB Arbeitsspeicher sind zwar nicht ideal. Aber beim eigenen Surface Pro 3 reichen die erstaunlicherweise immer noch völlig aus. Das ist umso erstaunlicher, als es heute Smartphones mit mehr Arbeitsspeicher gibt, und spricht für das Speichermanagement von Windows 10.

Windows S? Kein Problem!

Als überraschend alltagstauglich erwies sich die abgeschlossene S-Version von Windows 10. Damit kann man nur Apps aus dem offiziellen Store nutzen. Dass man daher auf den Chrome-Browser verzichten muss, liess sich problemlos verschmerzen. Microsofts eigener Edge-Browser ist inzwischen ein valabler Ersatz. Selbst Google-Dienste liefen darauf schnell und problemlos. Wer aber trotzdem das volle Windows möchte, kann kostenlos darauf wechseln.

Weniger gefiel im Test das automatische Entsperren per Gesichtserkennung. Es funktionierte nur hin und wieder. Mit dem PIN war das Tablet in nahezu jedem Fall schneller entsperrt. Doch Microsoft ist nicht der einzige Tablet-Hersteller, der damit Probleme hat. Die Gesichtserkennung ist auch beim neuen Galaxy Tab S4 von Samsung ein Schwachpunkt.

Noch kein LTE

Auch schade ist, dass man zum Verkaufsstart auf eine LTE-Version verzichten muss. Die soll aber noch dieses Jahr nachgereicht werden. Selbst möchte ich die Möglichkeit mit dem iPad ohne Hotspot- und WLAN-Ärger direkt ins Netz zu gehen, nicht mehr missen.

Ein letzter Tipp noch: Wenn man nicht unbedingt ein kleines Surface möchte, lohnt es sich, die Preise des grösseren und leistungsfähigeren Surface Pro genau zu beobachten. Da gibt es immer wieder Aktionen, die den Preisunterschied nahezu verschwinden lassen.

Fazit: Wenn es das Ziel von Microsoft war, mit dem Surface Go dem iPad Pro und anderen Produktiv-Tablets für weniger als 1000 Franken etwas entgegenzusetzen, dann ist das Ziel aufgegangen. Die Kompromisse sind abgesehen vom nicht berauschenden Akku kaum spürbar. Wer hingegen auf ein kleineres und ausgesprochen ausdauerndes Surface gehofft hat, muss weiter warten.

Ausblick: Das Surface Go wird im Unter-1000-Franken-Bereich dasselbe tun, was vergangene Surface im Über-1000-Franken-Bereich getan haben: Sie werden die Ansprüche der Kunden nach oben schrauben, sodass sich die Hersteller noch mehr Mühe geben werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass Microsoft-Software auf Microsoft-Geräten Heimvorteil hat. Da müssen sich andere Windows-Hersteller zusätzlich anstrengen, was natürlich ganz im Sinne von uns Kunden und von Microsoft ist.

Haben Sie Fragen zum Surface Go? Digital-Redaktor Rafael Zeier beantwortet sie heute Mittwoch und morgen Donnerstag gerne in den Kommentaren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2018, 10:02 Uhr

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